Kommt die dritte Impfung nun auch in der Schweiz? Für wen macht das Sinn und was machen andere Länder?

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Impfenzentrum in Weinfelden, Kanton Thurgau. Andrea Stalder

Werden in der Schweiz schon Personen zum dritten Mal geimpft?

Seit dem 22. Juli empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit Personen mit einem schwachem Immunsystem, etwa aufgrund einer Chemotherapie oder nach einer Transplantation einen Antikörpertest zu machen und zu prüfen. Vorläufig werden auch für diese Personen nicht mehr als drei Impfdosen empfohlen, da keine Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit weiterer Impfungen vorliegen. Für alle anderen Personen gibt es keine Empfehlung für eine dritte Impfung.

Welche Länder haben bereits mit der dritten Impfung begonnen?

Israel hat am vergangenen Sonntag mit den sogenannten «Booster»-Impfungen für alle über 60-Jährigen begonnen. Staatspräsident Isaac Herzog war der erste, der sich die dritte Dosis des Pfizer-Impfstoffs verabreichen liess. 155 000 Israelis sind ihm bereits gefolgt, rund 200 000 haben in den kommenden Tagen einen Termin für die dritte Impfung. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain bieten ihrer Bevölkerung bereits einen Booster-Shot an. Die beiden Länder hatten im Dezember 2020 mit der Verabreichung des Sinopharm-Impfstoffs begonnen. Personen, welche trotz doppelter Impfung mit dem chinesischen Vakzin keine Immunkörper produziert haben, dürfen sich jetzt einen Pfizer-Booster abholen. Deutschland und Grossbritannien haben beide angekündigt, ab September mit der dritten Impfung zu starten.

Eine israelische Frau erhält ihre dritte Pfizer-BioNTech Impfung in einem Spital in Tel Aviv, Israel, am Sonntag 1. August.

Eine israelische Frau erhält ihre dritte Pfizer-BioNTech Impfung in einem Spital in Tel Aviv, Israel, am Sonntag 1. August.

Sebastian Scheiner / AP

Wann ist damit zu rechnen, dass auch in der Schweiz nachgeimpft wird?

Das Bundesamt für Gesundheit wird eine dritte Impfung empfehlen, sofern wissenschaftlich erwiesen ist, dass diese notwendig ist. Noch sei dies nicht der Fall. Gegenüber «20 Minuten» sagte Masserey:«Dass die Schweiz im Herbst mit Drittimpfungen beginnt, ist ein Szenario, mit dem wir arbeiten. Wir haben das nicht verschlafen.»

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, Bundesamt fuer Gesundheit BAG, Martin Ackermann, Praesident, National COVID-19 Science Task Force an einer Pressekonferenz im Juli 2021.

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, Bundesamt fuer Gesundheit BAG, Martin Ackermann, Praesident, National COVID-19 Science Task Force an einer Pressekonferenz im Juli 2021.

Alessandro Della Valle / Keystone

Warum könnte eine Nachimpfung nötig werden?

Weder mit einer Impfung noch mit einer Ansteckung wird eine dauerhafte Immunität erreicht. In der Schweiz geht man von sechs bis 12 Monaten aus. Andere Quellen sagen, dass die Impfung länger schützt. Es gibt noch zu wenig verlässliche Daten. Sicher ist, dass die Schutzwirkung mit der Zeit nachlässt- Immunsysteme älterer Leute reagieren generell weniger stark und die Antikörper verschwinden auch schneller wieder.

Wie schätzen andere Länder die Länge der Immunphase ein?

Wahrscheinlich sind 12 Monate eher zu hoch gegriffen. Deutschland will seine Risikopersonen nach sechs, Israel sogar fünf Monate nach der ersten Dosis zum dritten Mal impfen. Israel meldete in letzter Zeit viele Ansteckungen doppelt Geimpfter. Die Zahl schwerer oder Todesfälle stieg aber nicht gleichermassen. Man darf nach wie vor davon ausgehen, dass die Impfstoffe vor einem schweren Verlauf gut schützen.

Eine in den letzten Tagen abgeschlossene Studie, die mit 44165 über 16-Jährigen und 2264 12- bis 15-Jährigen durchgeführt wurde, die im Dezember 2020 ihre erste Dosis mit dem Pfizer-Impfstoff erhielten, ergab keine grundlegend neuen Erkenntnisse. Die Schutzwirkung war immer noch 91 Prozent. Die Nebenwirkungen blieben im Rahmen des Bisherigen.

Wie sicher ist die dritte Impfung? Und wie gut schützt sie?

Dafür gibt es noch keine Daten. Aber es ist nicht zu erwarten, dass es Probleme geben könnte. Es kommt auch drauf an, welcher Impfstoff verwendet wird. Deutschland will als dritte Impfung nur mRNA-Impfstoffe (Pfizer/BioNTech und Moderna) verwenden. Man vermutet, dass die beiden mRNA-Impfstoffe einen verlässlicheren und länger andauernden Impfschutz bieten als Vektorimpfstoffe (AstraZeneca und Co.). Beide Firmen entwickeln leicht veränderte Booster-Impfstoffe. Sie sollen noch wirksamer gegen neue Mutationen schützen.

Sind neue Booster-Impfstoffe in der Schweiz bereits zugelassen?

Nein, beide neuen Impfstoffe müssen von Swissmedic erst wieder zugelassen werden. Ob sie ein volles Verfahren durchlaufen müssen, ist noch unklar.

Wie wirken sich neue Mutationen auf die Wirksamkeit der Impfstoffe aus?

Eine Antwort ist hochspekulativ. Bisher haben die Impfstoffe auch gegen neue Mutationen von Sars-CoV-2 gut geschützt. Ob das so bleibt, können wir nicht wissen. Folgende Überlegung könnte dazu führen, dass das Rennen zwischen Virus und Impfstoff mindestens unentschieden ausfallen wird: Das Virus versucht, möglichst leicht in die Zelle hineinzukommen. Darauf deutet, dass die Mutationen einzelne Bausteine des Spike-Proteins verändert haben (hinzufügen, ändern oder weglassen). Irgendwann wird das Spike-Protein optimal auf die Zelloberfläche angepasst sein und perfekt sein. Dann wird ein Impfstoff, der auf der Grundlage des Spike-Proteins entwickelt worden ist, auch immer eine gewisse Wirkung haben. Verändert sich das Virus weiter, nimmt seine Ansteckungsfähigkeit ab. Und damit die Wirksamkeit des Virus wieder zu.

Coronaviren mutieren nicht so breit wie Influenza-Viren und nicht so schnell wie HIV-Viren, deshalb könnte die Idee eines Gleichgewichts realistisch sein. Aber eine Überraschung ist natürlich nie völlig ausgeschlossen.

Können doppelt Geimpfte immer noch ansteckend sein?

Die Impfung macht nicht steril, das heisst, sie verhindert nicht, dass sich in der Nase und in den Atemwegen Viren aufhalten können. Und dass man sie von dort auch weiter verbreiten kann. Studien haben ergeben, dass die Viruslast sich bei einem Doppelt-Geimpften nicht gross unterschiedet zu der eines Nicht-Geimpften. Allerdings nimmt man an, dass sie bei einem Geimpften schneller wieder abnimmt. Man kann als Doppelt-Geimpfter auch leichte Symptome entwickeln. Erkrankt aber fast immer nicht mehr stark.

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