«Regierungsräte sind Höseler»: Andreas Glarner kritisiert Corona-Planung seines Parteikollegen Jean-Pierre Gallati

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Andreas Glarner, Präsident SVP Aargau, kritisiert die Aargauer Regierungsräte als «Höseler». Severin Bigler

Dass der Regierungsrat mit der Eventualplanung für Coronamassnahmen in Varianten denke, sei zwar vernünftig, komme jetzt aber als Drohung daher, sagt SVP-Aargau-Präsident Andreas Glarner. «Man will die Leute praktisch zur Impfung zwingen und droht ihnen mit den kostenpflichtigen Tests.» Die Regierungsräte seien «Höseler», so Glarner weiter, doch Angst sei ein schlechter Ratgeber.

Die SVP wehrt sich gegen die kostenpflichtigen Tests, ebenso gegen die Zertifikatspflicht. Stattdessen fordert sie konkrete Massnahmen um zur Normalität zurückzufinden – etwa bei der Ausbildung von Intensivpflegepersonal, Tests bei Ausland-Rückkehrern oder Massnahmen im öffentlichen Verkehr. «Jetzt wird aber wieder Angst verbreitet und Beizen mit teuren Schutzkonzepten werden übergangen und in ihrer Existenz bedroht», sagt Glarner.

FDP forderte früh ein Ampelsystem und ist jetzt zufrieden

Endlich führe der Regierungsrat eine solche Eventualplanung ein, sagt hingegen FDP-Präsidentin Sabina Freiermuth. Ihre Partei hatte schon Anfang Jahr ein «Ampelsystem» gefordert, bei welchem bestimmte Massnahmen automatisch in Kraft treten würden, sollten bestimmte Pandemie-Kriterien erfüllt sein.

Die Eventualplanung stellt FDP-Präsidentin Sabina Freiermuth zufrieden.

Die Eventualplanung stellt FDP-Präsidentin Sabina Freiermuth zufrieden.

Britta Gut

 

Der Ansatz des Regierungsrats sieht den Automatismus zwar nicht vor, Freiermuth ist aber grundsätzlich zufrieden: «Eine solche Planung schafft Sicherheit», sagt sie.

 

Kriterien: 1. Eskalation 2. Eskalation 3. Eskalation (Lockdown)
R-Wert im 7-Tage-Schnitt über 1,5 über 1,5 über 1,5
Anteil Covid-Patienten an Beatmungsplätzen 40 % 50 % 60 %
Allgemeine Belegung Beatmungsplätze 95 % 100 % Zusatzbetten belegt
Auswirkungen auf Operationen Wahleingriffe verschoben Wahleingriffe und medizinisch dringliche OP verschoben Notfall-OP gefährdet

Bei den Kriterien ist aus Sicht der FDP der Fokus klarer auf die Belegung der Intensivbetten zu legen. «Unser Interesse muss sein, dass die Spitäler funktionsfähig bleiben», so Freiermuth. Um die Pandemie einzudämmen, gebe es ihrer Ansicht nach sowieso nur einen Weg: «Alle, die sich impfen lassen können, sollen diese Verantwortung auch übernehmen. Es ist kein persönlicher Entscheid, sondern einer für die Gesellschaft.»

Mitte: Impfquote erhöhen, Massnahmen begreiflich machen

«Wer jetzt schwerer erkrankt oder gar hospitalisiert werden muss, ist in aller Regel nicht geimpft. Um die Pandemie einzudämmen und auch den Mutationen weniger Raum zu lassen, muss die Impfquote deutlich erhöht werden», fordert Die-Mitte-Präsidentin Marianne Binder. Sie begrüsst die Eventualplanung des Regierungsrats für Verschärfungen und ebenso die Appelle an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen.

Nach Die-Mitte-Präsidentin Marianne Binder muss die Impfquote deutlich erhöht werden, um die Pandemie einzudämmen.

Nach Die-Mitte-Präsidentin Marianne Binder muss die Impfquote deutlich erhöht werden, um die Pandemie einzudämmen.

Alex Spichale / BAD

Bei der Kampagne wäre es aus ihrer Sicht logisch, auch die Hausärzte und die Apotheker zentral einzubinden. «Sie geniessen hohes Vertrauen. Ihnen gelingt es sehr gut, die Ängste der Menschen vor der Impfung zu zerstreuen und den Zusammenhang einer hohen Impfquote mit der Erleichterung der Massnahmen begreiflich zu machen.»

Grüne: Fokus auf Auslastung der Intensivbetten ist sinnvoll

Grünen-Aargau-Präsident Daniel Hölzle sieht den Fokus auf die Intensiv-Bettenauslastung in der regierungsrätlichen Eventualplanung als sinnvoll an. «Dort zeigt sich das Ausmass der Pandemie, die Auslastung ist darum ein Indikator, um nicht zu früh und nicht zu spät Massnahmen zu ergreifen.» Auch die Impfquote müsse verbessert werden, so der Grünen-Präsident, und weiter brauche es Überlegungen, wie mit Kindern, die sich bisher nicht impfen lassen können, umzugehen sei. «Wenn sie dann in den Spitälern landen, wird es wirklich kritisch.»

Das Ausmass der Pandemie zeige sich in der Auslastung der Intensivbetten, meint Grünen-Aargau-Präsident Daniel Hölzle.

Das Ausmass der Pandemie zeige sich in der Auslastung der Intensivbetten, meint Grünen-Aargau-Präsident Daniel Hölzle.

Fabio Baranzini

SP: Jeder Krankheitsfall ist einer zu viel

Auch die SP appelliert an jene, die dies können, sich impfen zu lassen. «Jeder Krankheitsfall ist einer zu viel, weil es immer sein kann, dass jemand schwer erkrankt oder an Long Covid leiden wird», sagt Präsidentin Gabriela Suter. Aus Sicht der SP sei es darum zentral, die Kampagne voranzutreiben. Um die Pandemie weiter einzudämmen, brauche es aber zusätzliche Massnahmen, wie die von der SP geforderten Luftfilter und CO2-Messgeräte in Schulen.

Laut SP-Präsidentin Gabriela Suter sei es aus Sicht der SP zentral, die Impfkampagne voranzutreiben.

Laut SP-Präsidentin Gabriela Suter sei es aus Sicht der SP zentral, die Impfkampagne voranzutreiben.

Britta Gut

GLP: Kinder impfen oder durchseuchen lassen?

Wie Kinder unter 12 Jahren geschützt werden können, fragt auch Philippe Kühni, designierter Präsident der GLP: «Soll man Kinder impfen oder fährt man dort die Durchseuchungsstrategie? Wie gehen wir damit um?» Die Eventualplanung des Regierungsrats begrüsst Kühni – ohne Planung die Pandemie weiter laufen zu lassen, wäre blauäugig, findet er. Dies insbeson- dere, weil man im letzten Jahr jeweils eher zu spät reagiert habe. Auch Kühni ist der Meinung, dass mit einer möglichst hohen Impfquote der Pandemie am besten begegnet werden kann.

«Ohne Planung die Pandemie weiter laufen zu lassen, wäre blauäugig», findet Philippe Kühni, GLP-Präsident.

«Ohne Planung die Pandemie weiter laufen zu lassen, wäre blauäugig», findet Philippe Kühni, GLP-Präsident.



Severin Bigler / AAR
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