JVA Wauwilermoos: Wo die Bio-Kartoffeln und -Rüebli herkommen

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Zur offenen Anstalt und dem Ausschaffungsgefängnis gehören 150 Hektaren Land. Bild: zvg
Urs Tagmann ist seit März 2021 der Betriebsleiter der Justizvollzugsanstalt Wauwilermoos.
Knoblauchknollen sind zum Trocknen ausgebreitet.
Hampshire-Schweine haben eine robuste Gesundheit.
Markus Banz führt die hauseigene Metzgerei der Justizvollzugsanstalt. Die Häftlinge durften nicht fotografiert werden.
Rüebli so weit das Auge reicht. Auf 10 Hektaren wird unter freiem Himmel Gemüse angebaut.Bilder: Markus Mathis

Es gibt 70 Simmentaler-Kühe und 60 Rinder, 80 Schweine und Ferkel. Dazu kommen 50 Gänse und 60 Hühner, ebenso 80 Pensionspferde und 10 Hochlandrinder, die im Sommer dazu da sind, ein Naturschutzgebiet zu beweiden. Zusätzlich klappern ein gutes Dutzend Störche auf dem Dach des Kuhstalles laut mit ihren Schnäbeln.

Für einen Biolandwirtschaftsbetrieb, den man eher mit Gemüsebau in Verbindung bringt, lebt eine stattliche Anzahl Tiere auf dem Land, das zur Justizvollzugsanstalt (JVA) Wauwilermoos gehört. «Das stimmt», sagt Betriebsleiter Urs Tagmann. «Aber Tiere sind wichtig für den Nährstoffkreislauf.» Freilich ist der Landwirtschaftsbetrieb der JVA auch grösser als ein durchschnittlicher Bauernhof. «Wir verfügen über eine Fläche von 150 Hektaren», so Tagmann. «Das ist für die Schweiz sehr viel.»

Ein überdurchschnittlich mechanisierter Betrieb

Der Landwirtschaftsbetrieb wird mit den Häftlingen zusammen bewirtschaftet. «Es ist eine herausfordernde Managementaufgabe für uns», erzählt Tagmann. «Zum einen brauchen wir genügend Einsatzmöglichkeiten für die Häftlinge – und dies auch noch zu allen Jahreszeiten. Zum andern benötigen wir für die unterschiedlichen Aufgaben geeignete Arbeitskräfte.» Zu guter Letzt sei die JVA auch angehalten, wirtschaftlich zu produzieren. Ein Spagat, zu dem sich noch der Nachhaltigkeitsgedanke gesellt.

Andere Betriebe würden noch intensiver produzieren, sagt Tagmann. «Einen Melk-Roboter haben wir zum Beispiel nicht, denn diese Aufgabe wird durch die Häftlinge übernommen.» Jedoch sei der Betrieb «überdurchschnittlich mechanisiert». Anders als auf normalen Höfen arbeiten Häftlinge und Angestellte 42 Stunden pro Woche. Überlange Arbeitstage zur Erntezeit sind die Ausnahme, weil viele Maschinen eingesetzt werden können. Die ökologische Produktion erfordert zudem deutlich mehr Hackarbeit, welche auf den riesigen Flächen, wo möglich, mechanisch erledigt wird.

Vor 25 Jahren auf Biolandbau umgestellt

Biologisch wird auf dem Wauwilermoos seit 1996 gewirtschaftet. Die Umstellung hatte einschneidende Folgen: Der Zuckerrübenanbau der früheren Jahre wurde eingestellt, die Schweinemast erheblich zurückgefahren.

Zudem hält man heute andere Tierrassen: Bei den Schweinen hat man auf die Hamp-shire-Schweine umgestellt. Das Fleisch ist für den Eigengebrauch und für die Direktvermarktung im Hofladen bestimmt. Ausserdem werden Ferkel aufgezogen, die an einen Produzentenring von Biobetrieben weiterverkauft werden. «Der Grundgedanke ist natürlich, dass diese Tiere robuster, weniger krankheitsanfällig sind und somit besser zum Biolandbau passen», so Urs Tagmann.

Ähnlich ist es in der Rinderzucht, wo die JVA Wauwilermoos auf Original Simmentaler setzt. «Es ist eine traditionelle Zweinutzungsrasse, die zwar weniger Milch gibt, aber eine vernünftige Fleischleistung erbringt», so Tagmann. Das Ziel sei es, die Kühe möglichst viel auf die Weide zu lassen und mit betriebseigenem Futter zu ernähren.

Kartoffeln und Rüeblifür die Detailhändler

Im Wauwilermoos wird nach wie vor im grossen Stil Feldbau betrieben. Kartoffeln und Rüebli etwa gehen an grosse Detailhändler. Sie werden im Betrieb gewaschen und abgepackt. Das sorgt für zusätzliche Beschäftigung – und hält die Wertschöpfung im eigenen Haus.

Zum Land der JVA Wauwilermoos gehören auch viele Hecken, extensive Wiesen und Rotationsbrachen. Sie sind Bestandteil des Vernetzungsprojekts Wauwiler Ebene. Inmitten der Wauwiler Ebene liegt ein Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung. Viele Vogelfreunde besuchen es und beobachten in der Nähe etwa die seltenen bodenbrütenden Kiebitze.

Auch wenn Umstellung auf biologische Produktion längst erfolgt ist, sind im Wauwilermoos noch grössere Veränderungen geplant. «Verbesserungen im Bereich der Nachhaltigkeit sind uns ein zentrales Anliegen und fordern uns ständig», erklärt der Betriebsleiter. Strategisch gehe es darum, den CO2-Ausstoss zu verringern; im Bereich Photovoltaik gebe es für einen Ausbau noch Potential.

Gefangene können im offenen Vollzug einen Beruf erlernen

Wauwilermoos Die berufliche und soziale Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft für die Zeit nach dem Strafvollzug ist ein zentrales Anliegen der JVA Wauwilermoos, bei der es sich um eine Anstalt des Nordwest- und Innerschweizer Konkordates handelt.

Neben einem kleinen Ausschaffungsgefängnis mit 14 Plätzen ist die JVA eine Einrichtung des offenen Vollzugs. Das heisst, 64 männliche Häftlinge, die nicht gemeingefährlich sind und bei denen keine Fluchtgefahr besteht, verlassen den Zellentrakt zur Arbeit auf dem Betrieb. Ihre Freizeit und Erholungszeit verbringen sie im geschlossenen Bereich.

Die JVA ist gleichzeitig der grösste Landwirtschaftsbetrieb des Kantons Luzern. Zum Betrieb gehören eine Schlosserei, eine Schreinerei, eine Metzgerei, eine Agrowerkstatt sowie ein grosser Bio-Hofladen und einiges mehr, was die Arbeit in etwa 20 Berufsfeldern möglich macht. Ausbildungen und Berufslehren sind möglich.

In der Praxis werden zumeist zweijährige berufliche Grundbildungen vermittelt, welche zu einem anerkannten Abschluss, dem eidgenössischen Berufsattest (EBA), führen. Diese bieten sich aufgrund der meist relativ kurzen Verweildauer der Häftlinge an. Durchschnittlich lebt ein Insasse zwölf Monate in der JVA Wauwilermoos. Die JVA Wauwilermoos beschäftigt zudem rund 55 eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedenster Berufsgruppen. (mma)

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