Erst mit Boykott drohen, jetzt Impfwillige belohnen: Woher diese Kehrtwende bei Gastro Aargau?

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Bruno Lustenberger, Präsident Gastro Aargau: «Es wäre zielführend, wenn mehr Mitarbeitende geimpft sind.» Britta Gut

Einfach ist das Leben für Gastronominnen und Gastronomen in der Pandemie nicht. Monatelang waren ihre Betriebe in den letzten eineinhalb Jahren geschlossen. Dazwischen und seither gilt, dass wo gewirtet wird, auch ein Schutzkonzept eingehalten werden muss. Und jetzt steht die Erweiterung der Zertifikatspflicht vor der Tür.

Beschliesst der Bundesrat diese am Mittwoch, betrifft auch das wieder die Gastronomie. Weil das Zertifikat jedes Besuchers, samt Abgleichen mit der Identitätskarte, kontrolliert werden muss, befürchten die Beizer Mehraufwand. Dazu kommt die Angst vor Umsatzeinbrüchen. Schliesslich würden Ungeimpfte kaum fürs Feierabendbier oder das schnelle Mittagessen extra einen Test machen lassen. Der Präsident des Branchenverbands Gastro Aargau, Bruno Lustenberger, drohte Ende Juli gar mit einem Boykott, sollte die Zertifikatspflicht auf die Restaurants ausgeweitet werden.

Gut für Betriebe, gut für die Pandemiebekämpfung

Das ist vorbei. Noch bevor der defini­tive Entscheid des Bundesrats gefallen ist, geht Gastro Aargau in die Offen­sive: Der Verband animiert jetzt alle Gastronomie-Mitarbeitenden sich impfen zu lassen. Die ersten 333, denen zwischen dem 1. September und dem 31. Oktober der Piks verabreicht wird, erhalten vom Verband je drei Gutscheine im Wert von insgesamt 30 Franken.

Warum jetzt diese Wende? Lustenbergers Boykott-Absicht kam nicht bei allen Aargauer Beizerinnen und Beizern gut an. Und im schweizerischen Verband Gastro Suisse brodelt es, weil sich Präsident und Mitglieder über die Zertifikatspflicht nicht einig sind. «Zu viel Negativität bringt uns auch nicht weiter», resümiert Bruno Lustenberger. Auch deshalb starte der Verband die Impfkampagne, er gehe mit gutem Beispiel voran. Sind viele Mitarbeitende geimpft, komme das zudem den Betrieben zugute, meint Lustenberger – denn damit könnte die Maskenpflicht am Arbeitsplatz wegfallen.

«Es wäre zielführend, wenn mehr Mitarbeitende in der Gastronomie geimpft sind», sagt er. Auch Gastro Aargau wolle einen Beitrag leisten, damit das Leben wieder ein kleines Stück normaler wird, heisst es zudem im Informationsmail, das der Verband seinen Mitgliedern geschickt hat. Es sollen aber nicht nur jene belohnt werden, die mit der Impfung zugewartet haben. Zwei weitere, bereits geimpfte Gastro-Aargau-Mitglieder dürfen demnächst als Zückerchen mit der Verbandsspitze auf eine Bergtour auf die Blüemlisalp.

Regierungsrat fordert Anpassung der Härtefall-Grundlagen

Zumindest beim zusätzlichen Aufwand für die Zertifikatspflicht will der Regierungsrat den Unternehmen entgegenkommen, auch wenn diese Einbussen weniger einschneidend sein dürften als im Fall von Betriebsschliessungen, wie er gestern mitteilt. Die Regierung fordert den Bundesrat auf, die gesetzlichen Grundlagen für Härtefallmassnahmen so anzupassen, damit eine solche Unterstützung mit Bundesmitteln gewährleistet werden kann.

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