Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel: «Zertifikatspflicht im Zug ist ein gangbarer Weg»

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Müssen ÖV-Benutzerinnen und -Benutzer bald geimpft, getestet oder genesen sein? Keystone

Am Mittwoch entscheidet der Bundesrat über eine Ausweitung der Zertifikatspflicht. Ins Restaurant oder in Fitnesscenter könnte dann nur noch gehen, wer geimpft, getestet oder genesen ist. Hauptziel dieser Einschränkung: Härtere Massnahmen wie einen Lockdown abwenden.

In seiner Vernehmlassung hat der Bundesrat den öffentlichen Verkehr von der Zertifikatspflicht bislang ausgeklammert. Denn die öffentlichen Verkehrsbetriebe haben grundsätzlich eine Transportpflicht für alle Menschen.

Dennoch wären Einschränkungen auch im ÖV möglich – und sogar sinnvoll, auch aus Gründen der Gleichbehandlung. Zu diesem Schluss kommt der Kanton Graubünden, der sich bereits beim Thema Testen als Vorreiter profiliert hat. Nun schreibt der Kanton, eine Zertifikatspflicht solle auch im öffentlichen Verkehr geprüft werden – sowie für Einkaufsläden.

Die SBB als grösster ÖV-Anbieter wollen sich zu dieser heissen Kartoffel nicht äussern. Die oberste Verantwortliche, Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar, reagierte am Dienstagmorgen nicht auf Kontaktversuche der CH-Media-Redaktion. Auch bei der Eisenbahnergewerkschaft SEV möchte man sich derzeit nicht äussern. Die Frage der Zertifikatspflicht werde intern intensiv diskutiert, lässt SEV-Kommunikationschef Vivian Bologna ausrichten. Man warte einen allfälligen Entscheid aus Bern ab.

Vorreiter Italien

Stellung nimmt hingegen der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel, der heute unter anderem Aufsichtsratspräsident der österreichischen Westbahn ist. In Österreich wird eine Zertifikatspflicht ebenfalls diskutiert. Weibel sagt:

«Im Grundsatz ist eine Zertifikatspflicht in Zügen ein gangbarer Weg.»
Benedikt Weibel, ehemaliger SBB-Chef.

Benedikt Weibel, ehemaliger SBB-Chef.

zvg

Das Problem seien die Durchsetzung und das Kontrollieren einer solchen Pflicht. «Man könnte das nur stichprobenartig machen», sagt Weibel. Trotzdem hätte eine Pflicht eine Wirkung, ist er überzeugt. Und selbst die Maskenpflicht könne nicht zu 100 Prozent durchgesetzt werden, vereinzelt treffe man unterwegs Passagiere ohne Mund-Nasen-Schutz an.

Die Schweiz wäre mit einer Zertifikatspflicht im ÖV keine Exotin. In Italien gibt es ab Mittwoch, 1. September, den Zutritt in den öffentlichen Verkehr nur mit dem «Green Pass», wie das von der EU eingeführte Covid-Zertifikat dort heisst. Schweizer Touristen müssen das Covid-Zertifikat des Bundes vorweisen. Allerdings gelten gewichtige Ausnahmen, diese betreffen vor allem den Nah- und Regionalverkehr. Das Zertifikat ist nur vorgeschrieben für Züge im Inter-City-, Inter-City-Nacht- und Hochgeschwindigkeitsverkehr. Sowie auf Schiffen, Fähren und in Fernverkehrbussen.

In Frankreich kontrolliert das Bahnpersonal – dagegen regt sich in Deutschland Widerstand

Bereits in Kraft ist die 3G-Nachweispflicht in Frankreich. Aber auch dort nur im Fernverkehr. Die Kontrollen übernimmt das Bahnpersonal. Dieser Punkt ist umstritten. In Deutschland, wo eine Zertifikatspflicht von der Bundesregierung zurzeit geprüft wird, regt sich Widerstand bei den Personalvertretern. Sie warnten vor Repressalien gegen die Kondukteure. Kristian Loroch von der Bahngewerkschaft EVG sagte dem «Deutschlandfunk» mit Blick auf die ohnehin schon angespannte Lage wegen der geltenden Maskenpflicht:

«Eine 3G-Kontrolle würde diese Situation weiter verschärfen und ist deshalb für uns nicht tragbar.»

Diesen Punkt sehen auch Benedikt Weibel und der Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV), Ueli Stückelberger. Er plädiert deshalb dafür, Bus und Bahn nicht isoliert in eine mögliche Zertifikatspflicht zu nehmen. «Das war schon bei der Einführung der Maskenpflicht ein Problem, diese galt anfänglich praktisch nur für den ÖV», erinnert Stückelberger. Nun gelte es, einen Zertifikatssonderfall zu verhindern.

Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr.

Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr.

Jakob Ineichen

Stückelberger argumentiert darum ähnlich wie der Kanton Graubünden – nämlich mit der Gleichbehandlung. «Kommt die Zertifikatspflicht, dann müsste sie breit gelten, beispielsweise alle öffentlich zugänglichen Innenräume betreffen», sagt er.

Eine Unterscheidung der Pflicht in Fern- und Regionalverkehr erachten Weibel wie Stückelberger als heikel. In der kleinräumigen Schweiz sei, anders als in Frankreich, Italien und Deutschland, eine klare Abgrenzung kaum möglich.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Zertifikatspflicht im Zug

Urs Schumacher
schrieb am 02.09.2021 19:42
Lieber Herr Weibel
Ich hätte einen gangbareren Vorschlag. Die SBB soll doch einfach Wagen für Zertifizierte und Unzertifizierte bezeichnen wie früher Raucher und Nicht Raucher. Dann können alle wieder stressfrei reisen.
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