Frauenlose Chefetagen: Ohne Kurskorrektur droht Männer-Dominanz bis ins Jahr 2078

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Suchspiel in den Chefetagen: Cherchez la femme! Bild: ZVG

Alle loben gemischte Teams, jedenfalls in der Theorie. In der Praxis hingegen bleibt man in den Schweizer Teppichetage doch lieber unter seinesgleichen. Je höher man steigt, desto kleiner ist die Chance, auf Frauen zu treffen - und das obwohl bei den Universitäts- und Fachhochschulabschlüssen die Frauen gar übervertreten sind.

Unterhalb des Kaders ist die Geschlechterverteilung noch ausgeglichen. Doch dann verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten der Männer: Auf der alleruntersten Kaderstufe stellen die Frauen immerhin 40 Prozent, im unteren Kader sind es dann noch 31 Prozent, im mittleren Management nur 23 Prozent und ganz oben sind es dann bloss bescheidene 17 Prozent. Das geht aus dem neusten «Gender Intelligence Report» hervor, den die Organisation Advance zusammen mit der Universität St. Gallen (HSG) erstellt hat. Dazu wurden anonymisierte Daten von insgesamt 320'000 Angestellten aus 90 Unternehmen analysiert.

Ein ernüchterndes Bild angesichts der «jahrelanger Bemühungen, die Geschlechtervielfalt in der Wirtschaft zu erhöhen», hält Alexandra Rutsch von Advance fest. «Die jüngsten Entwicklungen deuten gar auf eine Stagnation hin. Das ist schon alarmierend.»

Bei Neubesetzungen geht der Frauenanteil zurück

Werden Kaderpositionen mit externen Personen neu besetzt, dann fällt die Wahl meist auf einen Mann. Nur gerade 21 Prozent der Neubesetzungen im Topmanagement sind Frauen, im mittleren und im unteren Management sind es 26 respektive 30 Prozent. Die Werte seien gesunken und lagen vor zwei Jahren noch um 3 bis 6 Prozentpunkte höher, betont Ines Hartmann von der HSG-Forschungsstelle für Internationales Management. Aber trotz dieses Rückgangs nimmt der Frauenanteil pro Managementstufe noch immer zu, wenn auch nur sehr langsam: So sei dieser im Kader seit 2018 nur um einen einzigen Prozentpunkt angestiegen, sagt Hartmann. «Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, wird die Geschlechter- parität im Jahr 2078 erreicht.»

Und ein zweiter Umstand bereitet Hartmann Sorgen: Der Frauenanteil steigt vor allem im alleruntersten Management - dort, wo frau zwar nominell zum Kader gehört, aber keine Leitungsposition innehat, also weder Personal- noch Budgetverantwortung hat. Das sind Positionen als Fachexpertinnen oder Beraterinnen, und damit Positionen, die weniger taugen als Basis für eine steile Karriere. Umgekehrt gehen 71 Prozent der neu besetzten Kaderpositionen mit Führungsverantwortung laut Hartmann an Männer.

Die entscheidenden Jahre zwischen 31 und 40

Entscheidend für eine Karriere sind die Lebensjahre zwischen dem 31. und dem 40. Geburtstag, also ausgerechnet jene Jahre, in denen die Frauen aus familientechnischen Gründen beruflich oft etwas kürzer treten. Doch genau in dieser Zeit finden rund die Hälfte aller Beförderungen statt, wie Hartmann erklärt. Vom temporären Teilrückzug der Frauen profitieren also die Männer, die in dieser Zeit fast konkurrenzlos vorwärtskommen. Die HSG-Forscherin bezeichnet deshalb diese wichtigen Jahre als «Karrierekiller für Frauen» und als «Karrierebeschleuniger für Männer».

Wenn sich vor 2078 etwas ändern soll, müssten jetzt die stereotypen Geschlechterrollen aufgebrochen und die Spiel- regeln flexibler ausgestaltet werden, betonen Hartmann und Rutsch. Der Versuch jedenfalls, die Frauen in das Männer-Karrieremuster hineinzuzwängen, war nicht sonderlich erfolgreich. Neue Ansätze sind deshalb durchaus willkommen.

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