«Entweder richtig testen oder aufhören!» – Regierungsrat kommt an Schulen in Zugzwang

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Die Spucktests sind an den Aargauer Schulen bis jetzt freiwillig. (Symbolbild: Stefan Kaiser)

Die Zeit drängt. In zwei Wochen beginnen die Herbstferien. Für den Schulstart danach will der Kanton nicht wieder auf dem falschen Fuss erwischt werden wie nach den Sommerferien. Damals explodierten die Ansteckungszahlen. Dreissigmal mehr Kinder als vor den Sommerferien wurden mit Covid infiziert. Als Sofortmassnahme wurde die eben erst abgeschaffte Maskenpflicht ab 5. Klasse wieder eingeführt. Trotzdem mussten über tausend Kinder in Quarantäne.

Zur Diskussion steht vor allem das repetitive Testen, das der Aargau als einer der ersten Kantone im Frühling eingeführt hatte. Bei diesen regelmässigen Spucktests sollen infektiöse Personen in Gruppen schnell erkannt werden, um rechtzeitig weitere Ansteckungen zu unterbinden. Das Problem: Die repetitiven Tests sind freiwillig für die Schulen und für die Kinder sowieso. Etwa die Hälfte der Aargauer Schulstandorte macht derzeit mit.

Tägliche Telefonkonferenzen zwischen Gesundheits- und Bildungsexperten beim Kanton und Vertreter der Schule machen deutlich: Die Covid-Teststrategie an Schulen hat zurzeit höchste Priorität.

Der Regierungsrat muss sich entscheiden: Hält er am repetitiven Testen fest oder beschränkt er sich darauf, nur noch an Schulen zu testen, wo bereits ein Covid-Fall festgestellt wurde, die sogenannte Ausbruchsstrategie. Die Aargauer Regierung hat den Entscheid letzte Woche aufgeschoben; an seiner nächsten Sitzung am Mittwoch kommt er nicht umhin, will er sich rechtzeitig für den Herbst wappnen.

«Das repetitive Testen macht dann Sinn, wenn viele mitmachen und die Fallzahlen eher tief sind», sagt Severin Lüscher, Präsident der Gesundheitskommission des Grossen Rates und Hausarzt in Schöftland.

In der jetzigen Phase mit einer höheren Inzidenz plädiert Lüscher dafür, die Ausbruchsstrategie zu verfolgen. Also gezielt dort testen, wo an einer Schule Fälle auftreten. Dafür müssten dann konsequent alle Schülerinnen und Schüler durchgetestet werden, ohne die Eltern erst um Erlaubnis zu bitten. Lüscher: «Wenn es brennt, muss die Feuerwehr auch löschen, ohne lange zu fackeln.»

Für Lüscher ist klar: Falls der Kanton weiterhin auf das repetitive Testen setze, müssten entsprechend auch alle Schulen dazu verpflichtet werden, dieses anzubieten. Sonst bringe das nichts.

Auch SVP-Gesundheitspolitiker Clemens Hochreuter fragt sich: «Was bringt repetitives Testen, wenn gar nicht alle Schulen mitmachen?»

Abgesehen davon, dass er regelmässiges Testen bei Kindern unter 12 Jahren ohnehin «heikel» findet, begrüsst der Grossrat aus Erlinsbach wie Lüscher situatives Testen an Schulen. Also dann wenn, ein Fall auftritt. Wichtig sei dann, so Hochreuter, «rasch zu reagieren und die Tests schnellstmöglich auszuwerten». In der Vergangenheit kam es bei den sogenannten Pool-Tests immer wieder zu Verzögerungen.

Hochreuter, Vater von zwei Kindern, findet es generell richtig, dass es Covid-Massnahmen an den Schulen gibt. Dazu gehört je nach Inzidenz eine konsequente Teststrategie. Einen Impfzwang lehnt er hingegen generell ab und setzt auf Aufklärung.

Die Verbände der Lehrer und Schulleiter wollen flächendeckende Tests

Die Schulleiter haben dem Bildungs- und Gesundheitsdepartement schon früh signalisiert, dass sie repetitives Testen an allen Schulen wünschen. «Die Strategie macht nur Sinn, wenn alle mitmachen», sagt Philipp Grolimund, Präsident des Schulleiter-Verbandes.

Überhaupt löse die Freiwilligkeit bei vielen Eltern Irritationen aus. Grolimund: «Sie finden es unfair, wenn die einen testen und im schlechteren Fall in Quarantäne müssen, während sich die Nicht-Getesteten frisch fröhlich auf dem Fussballplatz austoben können.»

Einfacher und möglicherweise zielführender findet Grolimund deshalb wie die angefragten Gesundheitspolitiker, nur noch bei einem Covid-Ausbruch an einer Schule zu testen. «Dann aber ausnahmslos alle Schüler», fordert er. Die Testverweigerer präventiv in Quarantäne zu schicken, sei für ihn keine Alternative.

Eine klare Ansage macht auch Manfred Dubach: «Die Maskenpflicht soll so lange aufrechterhalten werden, bis das repetitive Testen für alle Schulen obligatorisch ist.»

Dies schreibt der Geschäftsführer des Lehrerverbandes alv im aktuellen «Schulblatt Aargau und Solothurn». Quarantänen sollen damit reduziert werden. Diese seien «für alle Seiten belastend» und würden den Schulbetrieb «erheblich beeinträchtigen».

Dubach begrüsst grundsätzlich das präventive repetitive Testen. Wenn das funktioniere, könne man auch die Maskenpflicht wieder aufheben. So wie der Kanton Bern nur noch dort eingreifen, wo bereits Covid-Fälle auftreten, wäre für ihn eine «Kapitulation». Der Lehrer-Vertreter betont gleichzeitig: «All die Massnahmen macht man nicht wegen der Kinder, sondern als Dienst an der Gesellschaft – damit Ungeimpfte geschützt sind und die Spitäler nicht überlastet werden.»

Für Grossrätin Sabina Freiermuth, Mitglied der Gesundheitskommission, ist klar: «Entweder das Testen jetzt richtig machen oder aufhören damit.»

An die Adresse von Bildungsdirektor Alex Hürzeler gerichtet, sagt die FDP-Präsidentin: «Der Regierungsrat soll endlich Verantwortung übernehmen beim Testen an Schulen. Man kann solche Entscheide nicht den einzelnen Schulen überlassen. Es braucht eine flächendeckende Lösung. Das ist eine Führungsaufgabe des Kantons.»

Beim Kanton scheint sich etwas zu bewegen. Anfang August wollte die AZ wissen, ob das Bildungsdepartement alle Schulen verpflichten wolle, repetitive Tests anzubieten. Nein, das sei nicht der Fall, richtete das Bildungsdepartement damals aus.

Inzwischen klingt es weniger kategorisch. «Der Regierungsrat schliesst ein Obligatorium für Schulen für das Angebot einer repetitiven Testung nicht grundsätzlich aus», schreibt das Departement Gesundheit und Soziales auf Anfrage. Er sehe dies als eine Option, die je nach weiterem Verlauf der Pandemie umgesetzt werden könnte.

Der Regierungsrat betont gleichzeitig: «Einem allfälligen Obligatorium für die Schülerinnen und Schüler steht der Regierungsrat hingegen skeptisch gegenüber.»

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