«Monster sind real und Geister sind es auch» – Eltern schalten ergreifende Todesanzeige für ihre beiden toten Kinder

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Noch immer erinnern Kerzen, Karten und Blumen vor der Eingangstüre des Mehrfamilienhauses in Frick an das tragische Geschwisterdrama. Bild: Dennis Kalt/Aargauer Zeitung

Auch eine Woche nach der unfassbaren Tat, eine Woche, nachdem die 26-jährige Maria frühmorgens zuerst ihren 25-jährigen Bruder Pasquale mit einem Messer getötet (Namen sind der Redaktion bekannt) und dann sich selber umgebracht hat, verspürt man in Frick, dem Dorf, in dem die beiden in der elterlichen Wohnung gelebt haben, eine tiefe Bestürzung.

Gerade bei vielen italienischstämmigen Einwohnern der Gemeinde – die Familie stammt ursprünglich aus Italien – ist der Schmerz auch jetzt noch kaum ertragbar, wie ein Italiener, der nicht genannt sein will, gegenüber der AZ sagt. «Es zerreisst mir fast das Herz.»

Kerzen, Karten, Blumen erinnern vor dem Mehrfamilienhaus nach wie vor an das Drama, das sich hier abgespielt hat. Es werden immer mehr. Und eine Frage hängt wie eine tiefschwarze Wolke im Raum: Warum nur?

Eine Antwort wird man darauf kaum je finden. Eine Annäherung bieten Aussagen, welche gute Bekannte, gute Freunde machen. Sie sind wie Teile in einem Puzzle, das sich wohl nie zu einem ganzen Bild zusammenfügen wird. Dennoch ist es wichtig, um ansatzweise zu verstehen, was passiert ist, diese Puzzlestücke zu benennen – und gleichzeitig zu hoffen, gleichzeitig darauf zu vertrauen, dass die Eltern, die Verwandten, die Freude ihre Antwort, die sie für ihr Weitergehen benötigen, finden werden.

Schwierigkeiten, Vertrauen zu fassen

Ein erstes Puzzlestück nannte ein guter Bekannter bereits am Tag der Tat gegenüber der AZ. Die junge Frau habe psychische Probleme gehabt, die tief in der Seele gegründet haben. Ähnlich drückt sich nun Andreas Budich, ein enger Freund der Verstorbenen, aus. Er sei innerlich zusammengebrochen, als er von der Tat erfahren habe, sagt der 39-Jährige gegenüber Tele M1:

 

Und: Sie habe ihm oft angedeutet, dass sie Gedanken in Richtung Suizid – das Wort spricht er nicht aus – hatte. Er habe aber nie damit gerechnet, dass Maria den Gedanken auch wirklich ausführe. Aus Rücksicht auf die Familie erzählt Budich nur wenig. Er sagt: «Sie hatte enorme Schwierigkeiten, Vertrauen zu fassen. Sie war ängstlich.»

Für Budich ist klar, dass die Tat im Affekt geschehen sein muss. Man könne ihr keine Schuld geben, denn all die Jahre habe sich viel Leid bei ihr angesammelt.

Ein kleines Puzzle liefern auch die identischen Todesanzeigen, welche die Familie am Wochenende auf kondolieren.ch für Maria und Pasquale veröffentlicht hat. Sie zeigen die Schwere, die auf den Angehörigen liegt, sie zeigen die innere Dramatik, die sich in der Tat ausdrückt. So heisst es ganz am Anfang der Todesanzeige: «Monster sind real und Geister sind es auch. Sie leben in uns und manchmal gewinnen sie.»

Diese Worte auszuhalten, fällt schwer. Sie zu schreiben noch viel mehr. Tieftraurig, schreibt die Familie, müsste sie sich verabschieden «von unseren geliebten Engeln». Die Todesanzeige eröffnet gleichzeitig eine Hoffnungsperspektive, wenn vielleicht für die Familie auch derzeit nur eine kleine, eine ferne: «Was man tief im Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.»

Die beiden Geschwister werden am kommenden Freitag gemeinsam in der katholischen Kirche in Frick beigesetzt. Die Abdankung gestalten Priester der Missione Cattolica.

Es wird der Moment sein, in dem die Familie und die Freunde mit ihrem «Warum» vereint sein werden und gemeinsam und im Gedenken einen ersten, kleinen Schritt in die Zukunft ohne Maria und Pasquale gehen können.

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