Ex-FC-Aarau-Spieler Gil Hemmi ist der Rasenflüsterer vom Brügglifeld

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Einst selber Spieler beim FC Aarau, seit 14 Jahren der Herr über den Rasen im Brügglifeld: Gil Hemmi. (Bild: Valentin Hehli)

«Der beste Rasen der Schweiz.» Das Lob von FC-Aarau-Trainer Stephan Keller ist ein Ritterschlag für Gil Hemmi, der sich freut: «So hat das bislang noch kein Trainer gesagt.» Und davon hat Hemmi (43) schon einige erlebt. Seit 14 Jahren ist er der Rasenflüsterer im Brügglifeld, kümmert sich jeden Tag – «ausser mittwochs, da habe ich frei» – um das Grün im FCA-Heimstadion und die zwei Trainingsplätze neben der Keba. 14 Jahre, 17 Trainer, über die Hemmi sagt: «So eng wie mit Stephan habe ich noch mit keinem zusammengearbeitet. Er nimmt viel Rücksicht, zum Beispiel werden Übungen, die den Platz besonders beanspruchen, immer an einer anderen Stelle durchgeführt. Es gab in der Vergangenheit Trainer, die hat das nicht interessiert – und dann haben sie sich über den Zustand der Plätze beschwert.»

Ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen Keller und Hemmi: Vor dem Cup-Spiel beim Dorfklub Someo bat Keller den Platzwart, aufs Rasenmähen zu verzichten. So konnten im Training die Bedingungen auf dem holprigen Geläuf im Tessin simuliert werden.

Gil (sprich «Schiu») Hemmi ist im Brügglifeld mehr als einfach der Platzwart. «Schiu» ist Kult: Wenn wie kürzlich in einem Heimspiel eine Eckfahne bricht und er mit einer neuen auf den Platz eilt, skandiert das Publikum lautstark seinen Namen. Was wohl daran liegt, dass er von 2001 bis 2002 eine Saison lang selbst als FCA-Spieler auf dem Rasen stand und in 14 Spielen vier Treffer erzielte. Aarau ist die erste Station, nachdem er die Heimat Brasilien verlassen hat. Er spielt danach auch für Thun, Schaffhausen, Concordia Basel und Wohlen, bleibt jedoch in Aarau wohnhaft. Als im Sommer 2007 der Vertrag in Wohlen ausläuft, bekommt Hemmi den Platzwart-Job im Brügglifeld angeboten. «Wir wohnen als Familie praktisch nebenan – was wollte ich mehr?»

Doch ein Fussballrasen für Profis verlangt mehr Aufwand und Wissen als der heimische Garten – also absolviert Hemmi in Bern eine dreijährige Ausbildung zum diplomierten Greenkeeper. Was lernt man dort? «Alles», sagt Hemmi und lacht, «vom idealen Rasenschnitt über Krankheiten bis zum Wachstumsverhalten der verschiedenen Pflanzen.» Auch ein Austausch unter den Greenkeepern der Schweizer Profiklubs findet statt: Einmal pro Jahr treffen sie sich in einem Stadion, um Tipps und Tricks auszutauschen.

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So wirds gemacht: Hemmi sticht ein Stück Rasen aus, um eine unsaubere Stelle zu beseitigen. (Bild: Valentin Hehli)


Doch zurück zum Lob von FCA-Trainer Stephan Keller und zur Frage: Wie wurde der Brügglifeld-Rasen zum «besten der Schweiz»? Zum Vergleich: Bei grösseren Klubs sind bis zu 20 «Schius» angestellt, im Fuhrpark eines deutschen Bundesligisten stehen gut und gerne 40 hochmoderne Maschinen. Wie schafft Gil Hemmi das alles alleine? Nur bei Vollmond düngen? Einmal pro Jahr eine Wurmkur? Er winkt ab: «Es ist eigentlich ganz simpel: Viel Aufmerksamkeit – aber das erfordert halt Zeit. Ein Vorteil ist sicher, dass ich selber Fussballer war und daher weiss, wie wichtig ein ebener und gepflegter Platz ist – auch im Training. Jeden Tag bin ich mehrere Stunden auf den Plätzen. Unsaubere Stellen werden sofort geflickt, Dreck oder Rasenreste entfernt.» Hemmis Aufgabe ist die alltägliche Pflege. Zwei Mal pro Jahr rollen die Maschinen einer auf Sportrasen spezialisierten Firma an und erledigen den grossen Service: Säen, schlitzen, walzen, sanden.

Je nachdem, wo der FC Aarau spielt, erfährt der Brügglifeld-Rasen unter der Woche eine unterschiedliche Behandlung: Vor Heimspielen mäht Hemmi jeden Tag. Am Spieltag selber zeichnet er die Linien und wässert vor dem Anpfiff den Rasen mit den insgesamt zehn im und um den Platz verteilten Sprinklern. «Das jedoch nur, wenn die Spieler es wünschen. Sie geben mir jeweils nach dem Aufwärmen Bescheid.» Vor Auswärtsspielen indes mäht Hemmi nur zwei Mal – auch ein Rasen braucht Erholung.

Der Traum vom Wembley-Rasen
Die Uefa empfiehlt eine Schnitthöhe von maximal 3 Zentimetern. Tiefer ist mit dem Mäher im Brügglifeld nicht möglich. In den Topligen sind 2,3 bis 2,7 Zentimeter Usus – eine Höhe, die auch FCA-Cheftrainer Stephan Keller vorschwebt. Mit der neuen Mähmaschine, die im Oktober geliefert werden soll, kann ihm dieser Wunsch erfüllt werden. Und noch einen Vorteil hat die Neuanschaffung durch die Stadion-Bewirtschafterin «Platzgenossenschaft Brügglifeld»: Der neue Mäher ist elektrisch, was die ewige Lärmproblematik zwischen FCA und Quartierbewohnern entschärfen dürfte.

Seit 14 Jahren pflegt Hemmi den Brügglifeld-Rasen – jeden Tag mit grosser Hingabe. Doch träumt ein Greenkeeper auch von Grösserem, so wie ein Fussballer vom Champions-League-Pokal? Hemmis schnelle Antwort: «Den Rasen im Wembley-Stadion würde ich gerne mal mähen.» Wer weiss – jedenfalls viel wahrscheinlicher als neuer Arbeitsort von Gil Hemmi ist das neue FCA-Stadion, das spätestens Ende dieses Jahrzehnts stehen soll. Freut er sich darauf, obwohl dort Kunstrasen vorgesehen ist? «Ja, auch der muss gepflegt werden. Und wenn es dann heisst, in Aarau liegt der beste Kunstrasen der Schweiz, bin ich auch zufrieden.»

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