Theaterkollektiv Zwiebelfisch: Wo die Aliens mit dem Bären tanzen

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Sarkastisch: Aliens stellen den Menschen ausserirdisch vorteilsbeflissen dar. Bild: Michael Flückiger

Stammtischatmosphäre mit Trinksprüchen von salbungsvoll bis bissig-sarkastisch? Von wegen. Das Autorenkollektiv aus dem Publikum hat den Zwiebelfischen zum Titel «Die letzte Runde» unerwartete Textknochen hingeworfen. Das Mark ist würzig genug, um gut daran zu schlürfen. Gewalt, Maskeraden und Tod sind erwartbare Ingredienzien, die sich mit Einfallsreichtum und Slapstick gut anrichten lassen. Doch dass die zehn Mitspielenden des Theaterkollektivs Zwiebelfisch auch fleissig am Hamsterrad des Fitnesswahns drehen müssen, hätten sie sich nicht träumen lassen.

Zum Start ein letzter Grappa in fröhlicher Runde

Szene eins an der Zofinger Sälistrasse: Fröhliche Trinkrunde im Quintett. Grappa wurde nicht zuletzt deshalb zu Italiens Nationalspirituose, weil die Soldaten tägliche Rationen erhielten, um die Schrecken des Krieges zu mildern. Doch der edle Brand hält in dieser Runde keiner guten Laune stand und befeuert bloss Gejammer. Das binationale Pärchen Helge und Antonia macht einen wankenden Abgang und kürzt das Gelage infolge der Nachwirkungen zu seiner letzten Grappa-Runde.

Was dieser Auftakt zu bedeuten hat? Die weiteren neun Szenen auf dem Freilufttheatermarsch durchs Wohnquartier hinauf in den Wald müssen es weisen. Der nahrhafte Spaziergang ist durchaus währschaftes Sightseeing. Jede Szene hat ihren eigenen Ort – und manche Lokalität ihren Charme.

Es ist eine der letzten Proben für die Frauen und Männer des Theaterkollektivs. Manche Textstellen liegen noch etwas bröckelig im Mund. Zudem hapert es noch etwas mit der Logistik.

Waschweiber zerreissen sich ihr Mundwerk

Zweite Szene im Wohnquartier am Fuss des Heiteren: Zwei Waschweiber zerreissen sich ihr loses Mundwerk mit Mundartausdrücken. Zumindest ist klar: «S’Trudi het e cheybe böimige Mouder vertwütscht.» Der Werni eben, um dessen «Abschöberle» es hier geht, derweil die Waschweiber einander unablässig verbal auf den Detz hauen. Ein Lehrstück darüber, wie einem eingesandten Nachruf urchige Lust abzugewinnen ist.

Viel gesitteter sind die vier Ausserirdischen mit Knopfantennen am Kopf. Zwei geben sich dazu her, eine theatralische Anthropologie auf den Homo sapiens darzubieten. Anthroposophie adieu: In den zum Forschungsbericht parallel gelegten Szenen gebärden sie sich weit verbiesterter und gewalttätiger denn wohlgesonnen. Umkehrung der Verhältnisse: Die im Kern normalen Ausserirdischen lassen die Menschen wie schreckliche Aliens aussehen.

Kaum hat das Publikum den Wald betreten, taucht er schon auf, der ewige Wiedergänger. Ein Jogger, ein 365er, an Schaltjahren sogar 366er. Einer der keinen Tag auslässt, um sich durch stetes Laufen besonders gehoben zu fühlen. Die abschreckendsten Motivationssprüche sind ihm wohlbekannt, doch macht er sich rasch wieder von dannen. Wohltuend andächtig dreht 100 Meter weiter eine maskierte Truppe in dunklen Kutten ihren Kreis. Obskure Sprüche wie «Meine Seele der Wildnis zu opfern gibt mir alles, was ich will» machen einen eher transzendenten statt transparenten Eindruck. Ein Glück, dass sich ein Bär von der opaken Weisheit angezogen fühlt. Er zückt unvermittelt ein Rezept.

Der Jogger kommt erneut und ein reichlich Angetrunkener stellt sich bei seiner letzten Beizenrunde seinen Dämonen. Zwei Protagonisten machenauf dem Schwebbalken ihreletzten vier Mal 32 Schritte und verletzen sich beinahe – in Echt! – dabei. «He da, Unfälle sinderst aber der Hauptprobe erlaubt.»

Zum Abschluss gibt esein Konzert in der Fabrik

Das Theaterkollektiv verströmt auf seinem Proberundgang reichlich gute Laune. Bei weitem nicht nur vergnüglich ist allerdings der abschliessende Halbmarathon. Doch wärmt er auf: für die wirklich letzte Runde. Am Konzert in der Fabrik. Die Zofinger Band «brokers» tritt auf und spielt ihr eigens für das Theater komponierte Stück. Die Zugaben werden es dann an Dauer sogar noch übertreffen.

Fazit: Das Publikum erwartet zur letzten Runde viel Schräges und Unvorhergesehenes, das sich zu einem echten Erlebnis zusammenfügt. Es gibt viel zu staunen und zu schmunzeln. Wohl auch einiges Launiges zu reden auf dem Weg von Station zu Station. Wer sich nur durch die Szenen bestechen lassen will, aber nicht durch die Mücken, sollte einen Insektenspray mitführen.

Aufführungsdaten

«Die letzte Runde» des Theaterkollektivs Zwiebelfisch dauert knapp zwei Stunden, im Nachgang steht ein 30-minütiges Konzert an. Start ist die Fabrik in Zofingen. Die Aufführungen: Mittwoch, 29. September und Freitag 1. Oktober jeweils um19 Uhr. Samstag, 2. Oktober um 17 Uhr und Sonntag, 3. Oktober um 14 Uhr. Eintritt frei, Kollekte. 

Weitere Informationen:tkzwiebelfisch.ch

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