Die Frauen überstrahlen im Westaargau als Siegerinnen die Verlierer – SVP scheitert auf ganzer Linie

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So sehen glückliche Politikerinnen aus: Franziska Graf-Bruppacher und Silvia dell'Aquila in Aarau. Bild: Fabio Baranzini

Kommunale Wahlen sind eine Anhäufung von Einzelereignissen. Aber aus den Resultaten lassen sich doch gewisse Trends herauslesen. Der zentralste: Die Frauen werden in der lokalen Politik im Gebiet Aargau West immer wichtiger und haben immer häufiger Schlüsselpositionen inne.

Sie stellen neu erstmals in Suhr, Rupperswil, Staufen, Schafisheim und Hirschthal den Gemeindeammann (Möriken-Wildegg hatten sie schon im November dazugewonnen). In Ammerswil, Brunegg, Erlinsbach AG, Gontenschwil, Holziken, Reitnau und Schmiedrued konnten sie die Ammann-Positionen verteidigen, in Hendschiken ging eine verloren.

In Zofingen ist es wahrscheinlich, dass eine Frau zum Stadtoberhaupt gewählt wird, in Schöftland nicht ganz ausgeschlossen.

Und auch in den Gremien sind die Frauen auf dem Vormarsch: So haben sie neu in Aarau und in Unterentfelden die Mehrheit und im wichtigen Lenzburg stellen sie wieder zwei Stadträtinnen.

Für eine Abwahl braucht es viel – in Schöftland ist es passiert

Es braucht sehr viel, bis ein Mitglied einer kommunalen Exekutive abgewählt wird.

In Schöftland hat das Stimmvolk den langjährigen, eigentlich verdienten Gemeindeammann in die Wüste geschickt. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er im Fall «Hegmatte» wenig subtil gehandelt hatte. Als Vertreter der Gemeinderatsmehrheit zögerte er zu lange Entscheide über demokratisch zustande gekommene Volksinitiativen heraus. Natürlich im Wissen, dass eine frühzeitige Zustimmung zu den Initiativen den Optimierungsprozess für das Projekts eines neuen WSB-Depots gestoppt hätte.

Das mag sachlich richtig gewesen sein, entsprach aber nicht dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung, die einfach die Überbauung der «Hegmatte»-Wiese verhindern will – unabhängig von anderen Argumenten. Die zweite Abwahl im Gebiet Aargau West, die von Martin Löffel (SVP, Unterentfelden), lässt sich kaum an einem Sachthema festmachen. In Unterentfelden fand eine Richtungswahl statt – verstärkt durch sehr starke Frauenkandidaturen.

Das Fegefeuer von sachlichen Debatten, gepaart mit allenfalls starker Kritik, führt in aller Regel nicht zur Abwahl, sondern höchstens zu einem Dämpfer für die Kandidierenden: Das lässt sich schön am Beispiel von Suzanne Marclay (FDP, Aarau) zeigen.

Die begnadete Wahlkämpferin, die im letzten Herbst bei den Grossratswahlen mit Abstand das beste Ergebnis ihrer Partei gemacht hatte, musste sich in den letzten Wochen im Zusammenhang mit Nachruhestörungen (Stadtpolizei) und Littering (Stadtbauamt) eine Reihe von teilweise berechtigten Vorwürfen gefallen lassen. Obwohl sie und der Stadtrat sofort mit Aktivismus reagierten, kündete eine Reihe von Wählenden Suzanne Marclay die Liebe.

Die erfolgsverwöhnte FDP-Frau klassierte sich als Letzte unter den Bisherigen, die wiederkandidiert haben. Doch sie hat so viel Reserve, dass eine Wiederwahl nie gefährdet war. Spannend wird sein, ob Suzanne Marclay jetzt einen Ressortwechsel anstrebt, wie vielfach kolportiert wird. Naheliegend wäre ein Wechsel ins Ressort «Kultur und Sport» (hatte bisher der nicht mehr kandidierende Daniel Siegenthaler, SP).

Das wäre bitter für die erstmals gewählte Sozialdemokratin Silvia Dell’Aquila. Sie müsste dann wohl mit dem von ihr nicht priorisierten Ressort «Öffentliche Sicherheit, Öffentliche Anlagen und Entsorgung» vorliebnehmen. Die Wahl von Silvia Dell’Aquila zeigt einmal mehr, wie kurz das Gedächtnis in der Politik ist und wie wichtig Nominationsversammlungen sind: Dell’Aquila hatte vor vier Jahren den Zorn der Genossen auf sich gezogen, weil sie wild kandidierte. Und nominiert worden ist sie im März mit einem Vorsprung von lediglich 4 Stimmen.

CVP, FDP, GLP – die Parteipolitik in Bewegung

Parteipolitisch gab es in der Region durchaus Bewegung: Die Mitte (ehemals CVP) verlor ihr wichtiges Stadtratsmandat in Lenzburg (und ein Mandat in Möriken-Wildegg). Sollte die FDP im zweiten Wahlgang den Ammann in Schöftland verteidigen, würden sich bei ihr Verluste und Gewinne etwa die Waage halten. Insbesondere ist es ihr gelungen, die wichtigen Mandate in Lenzburg (zwei Sitze) und in Reinach (ein Sitz) zu verteidigen.

In Hirschthal und Reinach hat sie die Ammann-Ämter kampflos preisgegeben. In Gontenschwil gabs den Zugewinn eines Sitzes; die FDP hat dort künftig zwei Frauen im Gemeinderat. In Schafisheim gelang ihr das Comeback.

Und die Grünliberalen? Für die zuletzt in Parlamentswahlen erfolgsverwöhnte Partei wachsen auf kommunaler Exekutiv-Ebene die Bäume nicht in den Himmel. Neben dem wichtigen Stadtratsmandat in Lenzburg gabs nur einen Zugewinn in Unterentfelden.

Die grosse Verliererin, die SVP

Der ganz grosse Verlierer des gestrigen Wahlwochenendes ist die SVP: Sie ist künftig in sämtlichen Einwohnerratsgemeinden im Gebiet Aargau West nicht mehr in den Exekutiven vertreten.

In Lenzburg und Buchs gingen ­Sitze verloren. Beide Kandidierenden sind bei den Wählenden durchgefallen. Und in Aarau und Suhr scheiterten Comebacks der SVP. Auch hier schnitten die Kandidierenden sehr schlecht ab.

In Aarau wurde Nicole Burger sogar deutlich von Aussenseiter Stephan Müller («Eine Wahl für Aarau») geschlagen. Ihr Wahlkampf war, abgesehen vom schönen Plakat, inexistent. Keine Standaktion, kein Versuch, ein Thema zu setzen (der Steuerfuss und die Verkehrsberuhigungspolitik wären auf der Hand gelegen). Keine Überraschung ist darum, dass Nicole Burger auch bei den Wahlen in den Kreisschulrat nicht über den letzten Platz hinausgekommen ist. Die SVP hatte die Ammann-Ämter in Rupperswil und Staufen kampflos aufgegeben. Ihre einzige Hoffnung ist jetzt noch Bruno Rudolf in Reinach. Doch es ist unsicher, ob er es im zweiten Wahlgang als Gemeindeammann schaffen wird.

Mit grossen Themen lassen sich schwer kommunale Wahlen gewinnen. So gelang es den Zukunftsraumgegnern einzig in Suhr, einen Gemeinderatssitz zu gewinnen. In Oberentfelden waren sie auf der ganzen Linie chancenlos. Und auch aus umstrittenen BNO-Revisionen ist schwer Kapital zu schlagen, wie das Beispiel von Biberstein zeigt, wo eine Frau nicht gewonnen, sondern verloren hat.

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