
Nachfolge von Simonetta Sommaruga: Daniel Jositsch findet es «diskriminierend», dass SP nur Frauen vorschlagen will
Daniel Jositsch, SP-Ständerat aus dem Kanton Zürich, überlegt sich eine wilde Kandidatur für die Bundesratswahl. Am 7. Dezember wird die Nachfolgerin von Simonetta Sommaruga in der Landesregierung gewählt. Und geht es nach der SP-Spitze, wird es auf jeden Fall eine Frau sein. Denn der Bundesversammlung sollen zwei Kandidatinnen vorgeschlagen werden, keine Männer.
«Diskriminierend» findet das Jositsch, wie er in der Sendung «Forum» des Westschweizer Radios RTS sagte. Dadurch werde eine Männer-Kandidatur verhindert. Nach der jahrhundertelangen Diskriminierung der Frauen, seien nun die Männer von dem Phänomen betroffen, so Jositsch.

Severin Bigler
Daniel Jositsch deutet eine wilde Kandidatur für Bundesrat an
Wichtiger als Geschlecht und Herkunft seien die Fähigkeiten und ob jemand in den Bundesrat passe. Gegenüber Radio SRF sagte Jositsch, er werde sich eine Kandidatur überlegen, falls die Fraktion Männer zulasse. Doch auf Nachfrage der NZZ deutete er gar eine wilde Kandidatur an, also ohne offizielle Nominierung durch die Partei. Denn die Bundesversammlung sei frei, wen sie in den Bundesrat wähle – das offizielle Ticket der Partei sei lediglich ein Vorschlag.
Daniel Jositsch politisiert am rechten Flügel der Sozialdemokraten. Er ist über die Parteigrenzen hinweg beliebt und für seine Fähigkeiten bekannt. Dennoch: Einer wilden Kandidatur werden wenig Chancen beigemessen. Nicht zuletzt wird die SVP eine Kandidatur Jositschs, die nicht von der Partei unterstützt wird, nicht unterstützen, wie SVP-Ständerat Alex Kuprecht (64) gegenüber dem «Tages-Anzeiger» zu bedenken gibt.
SP mehrmals mit wilden Kandidaturen konfrontiert

Alessandro Della Valle/KEYSTONE
Kommt hinzu: Gerade die SP hatte in der Vergangenheit unschöne Erfahrungen mit wilden Kandidaturen und der Wahl von Frauen gemacht. Otto Stich wurde 1983 vom Parlament in den Bundesrat gewählt, obwohl auf dem offiziellen Ticket eine Frau, Lilian Uchtenhagen, stand.
Weil Stich der dritte Kandidat war, der gegen den Willen der Parteileitung in die Landesregierung gewählt wurde, diskutierte die SP daraufhin, ob sie sich gar ganz aus der Regierung zurückziehen sollte. Immerhin 40 Prozent der Mitglieder stimmten damals dafür.