WM-Zweiter Lüthi: "Alles ist noch möglich"

Einzig Tom Lüthi kann im Moto2-Titelkampf den italienischen Überflieger Franco Morbidelli noch am Gewinn des WM-Titels hindern. "Alles ist noch möglich", sagt der konstant stark fahrende Berner.

Bereits in der vergangenen Saison mischte Lüthi bei der Titelvergabe bis fast zuletzt mit. Dann aber gelang Johann Zarco mit den zwei abschliessenden Siegen in Sepang und Valencia höchst souverän die Titelverteidigung. Dem Schweizer blieb immerhin WM-Rang 2 und damit die beste Klassierung seit seinem Weltmeisterjahr 2005.

Zarco seinerseits stieg danach in die MotoGP-Klasse auf. Dort sorgte der französische Rookie heuer regelmässig für Furore. Ähnliches erhofft sich 2018 auch Lüthi, dessen Wechsel in die Königsklasse seit August feststeht.

Doch vorerst gilt es für den 31-jährigen Berner, das Kapitel Moto2 nach acht Saisons als Weltmeister beenden. Die Situation heuer sei mit derjenigen von 2016 nur bedingt vergleichbar, sagt Lüthi. "Von meinem Gefühl her bin ich heuer viel näher dran. Damals flog ich nicht mit Gedanken an die WM nach Asien, denn ich holte erst im Herbst gewaltig auf."

Tatsächlich lag er 2016 noch Anfang September um 75 Punkte hinter Zarco zurück. In dieser Saison jedoch "befinde ich mich schon die ganze Zeit im Titelkampf. 21 Punkte (der Rückstand auf Leader Morbidelli - Red.) sind zwar nicht gerade wenig. Aber alles ist noch möglich. Die Situation spitzt sich nun zu."

Morbidelli auf Marquez' Spuren

Im Vergleich zu den zwei Vorjahren, die er auch schon auf einem Kalex-Motorrad absolvierte, legte Lüthi nochmals einen Zacken zu. Im Bereich Konstanz ist er - auch dank der fehlerfreien Arbeit seiner Boxen-Crew um Cheftechniker Gilles Bigot - kaum noch zu übertreffen. Keiner hat in diesem Jahr mehr Top-3-Platzierungen vorzuweisen als Lüthi, nur einmal gab es einen Nuller (Sachsenring). So hat er bei vier noch ausstehenden Rennen bereits ähnlich viele Punkte auf dem Konto wie zum Ende der letzten Saison.

Dass sich Lüthi im Titelkampf dennoch in Rücklage befindet, dafür zeichnet sich Franco Morbidelli verantwortlich. Der 22-jährige Römer gewinnt mit beeindruckender Regelmässigkeit. So triumphierte er heuer bereits achtmal. Der Rekord in der 2010 eingeführten Moto2-Klasse liegt bei neun Siegen, aufgestellt vom spanischen Ausnahmetalent Marc Marquez auf dem Weg zu seinem WM-Titel vor fünf Jahren.

"Angreifen und gewinnen"

Dem anstehenden Grand Prix von Japan kommt im Duell zwischen Morbidelli und Lüthi wegweisender Charakter zu. Lüthi weiss um sein gutes Abschneiden in der Vergangenheit auf dem Circuit in Motegi, mit den Moto2-Siegen 2014 und im Vorjahr: "Es handelt sich um eine Stop-and-Go-Strecke, die mir sehr gefällt." An einigen Orten müsse man "brutal hart bremsen, denn da geht es vom sechsten in den zweiten Gang zurück".

Lüthi flog am Montag über Katar nach Japan, wo er am Dienstag ankam. Am Abend stand in Motegi ein Essen mit dem Team an. Danach galt es, möglichst schnell in den gewohnten Rhythmus zu finden und den Jetlag zu überwinden. Bevor am Freitag die ersten zwei Trainingseinheiten auf der Strecke anstehen, unterhielt sich Lüthi wie üblich vor jedem GP-Wochenende längere Zeit mit seinem Cheftechniker Bigot.

"Gilles erarbeitet aufgrund ganz vieler Faktoren, die er miteinbezieht, einen klaren Plan fürs Rennwochenende. Ich bringe dann noch einige taktische und fahrerische Sachen dazu", so Lüthi. Für Motegi - und wohl auch die restlichen Grands Prix dieser Saison - heisst dies beim Berner: "Voll angreifen und möglichst gewinnen."

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