Odey: "Nicht ideal, der einzige Stürmer zu sein"

Vor knapp einem Jahr stösst Stürmer Stephen Odey aus Nigeria zum FC Zürich. In Zürich erlebt der 20-Jährige spannende letzte Wochen.

Mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sprach Odey über die Schweiz, seine Mutter, und wieso er sich im FCZ einen weiteren Stürmer wünschte.

Es gibt diese geflügelte Phrase, die besagt, dass es im Fussball sehr schnell gehen kann. In der Geschichte von FCZ-Stürmer Stephen Odey bestätigte sie sich. Rasch ging sein Aufstieg als Fussballprofi in der nigerianischen Hauptstadt Lagos. Im Nu avancierte er im FCZ zuletzt vom dritten Stürmer zum einzigen, um fast ebenso schnell neue Konkurrenz zu erhalten. Als junger Spieler ob so viel Tempo den Kopf nicht zu verlieren, ist gleichermassen schwierig wie wichtig.

Odey besitzt die nötige Ruhe und Unbekümmertheit, sich nicht nervös machen zu lassen, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zeigt. Den Beweis, dass er auch die nötige Klasse für die Super League besitzt, muss der Nigerianer aber noch erbringen. Im ersten Gruppenspiel der Europa League auswärts in Zypern gegen AEK Larnaca könnte Odey am Donnerstag im FCZ-Sturm eine weitere Chance erhalten. Nutzt er sie, kann alles sehr schnell gehen.

Stephen Odey, Sie sind nun seit fast einem Jahr in der Schweiz. Wie haben Sie sich eingelebt?

Stephen Odey: "Ich habe mich gut eingelebt. Es herrscht hier zwar schon eine andere Atmosphäre, dazu noch die fremde Sprache. Dennoch gefällt es mir in der Schweiz. Es lässt sich sehr gut leben."

Sie kamen als junger Mann aus Nigeria in die Schweiz, mit 19 Jahren. Wie schwierig war der Schritt weg aus der Heimat?

"Zu Beginn war es sehr schwierig. Plötzlich ist man ohne Familie unterwegs. Ich war von einem Tag auf den anderen auf mich alleine gestellt, musste alles selber erledigen. Mittlerweile komme ich allerdings ganz gut zurecht. Aber am Anfang war es schon schwierig, besonders ohne meine Mutter."

Zu ihr pflegen Sie eine besondere Beziehung.

"Sie hat mich auf meinem Weg zum Profi immer unterstützt. Bereits als kleiner Junge. Sie hat meine Trainings bezahlt und auch die Reisespesen. Da es in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, keine Fussball-Academy gab, musste ich für die Trainings abgeholt und wieder nach Hause gebracht werden."

Inwiefern unterscheidet sich der nigerianische Fussball von dem in der Schweiz?

"In Nigeria ist der Fussball weniger taktisch geprägt. Er wird freier interpretiert und es hat mehr Raum für Individualisten. In der Schweiz dagegen steht das Kollektiv und die Taktik mehr im Vordergrund."

In Nigeria wurden Sie mit 18 Toren Liga-Topskorer. Seit Ihrer Ankunft in Zürich standen Sie meist hinter anderen Stürmern an. Ist es schwierig, mit diesem Rollenwechsel umzugehen?

"Nein. Ich war und bin in meinem Leben immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert. Diese nehme ich an. Ich bin bereit, um meinen Platz im Team zu kämpfen."

Nach den Abgängen von Michael Frey und Raphael Dwamena stiegen Sie in der Hierarchie allerdings auf. Waren Sie froh über deren Abschied?

"Überhaupt nicht. Beide hatten einen positiven Einfluss auf mich. Ich habe versucht, viele Dinge von ihnen abzuschauen und von ihrer Erfahrung zu profitieren. Beide kannten den europäischen Fussball und den hiesigen Spielstil gut. Davon habe ich profitiert. Wir waren zudem nicht nur Konkurrenten auf dem Platz, neben dem Feld waren wir befreundet."

In welchem Bereich haben Sie seit Ihrem Wechsel die grössten Fortschritte gemacht?

"Ich verstehe mittlerweile besser, was der Trainer von mir will, interpretiere seine Anweisungen und Inputs richtig. In Nigeria waren andere Dinge von mir als Stürmer gefordert. Dann kam in ich die Schweiz, bekam einen neuen Trainer, verstand die Sprache nicht richtig und musste dennoch versuchen, die Anweisungen des Trainers umzusetzen. Das war extrem schwierig in der Anfangsphase."

Mit Assan Ceesay von Lugano hat beim FC Zürich noch ein weiterer Stürmer unterschrieben. Was denken Sie über seine Verpflichtung?

"Wir haben mit ihm einen starken Stürmer erhalten. Das ist auch für mich gut."

Inwiefern?

"Der einzige Stürmer in einer Mannschaft zu sein, ist nicht ideal. Auf einem Stürmer lastet der Druck, Tore erzielen zu müssen. Ist man der einzige Stürmer in einem Team, hat man auch ständig diesen immensen Druck. Ein weiterer Stürmer ist darum auch für mich wichtig."

In Nigeria nannten Sie die Fans Ihres Klubs Lewandowski. Woher kam dieser Spitzname?

"Lewandowski war mein grosses Vorbild. Ich bewunderte ihn, deshalb haben mich die Fans in Nigeria so genannt."

Gibt es eine Qualität, um die Sie den Polen beneiden?

"Ganz einfach um das Tore schiessen, um seine Kaltblütigkeit."

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