Loïc Meillard über Adelboden, Druck und das Schweizer Dream-Team

Er ist Junioren-Weltmeister, zweifacher Weltcup-Podestfahrer - und sein Potenzial verspricht noch viel mehr. Das sieht auch Loïc Meillard so: "Wirklich geschafft habe ich noch nicht viel", sagt er.

Um den Kindern den Traum vom Skifahren zu ermöglichen, zügelte die Familie Meillard einst vom Kanton Neuenburg ins Wallis. Zehn Jahre später hat sich der Umzug für Loïc Meillard ausbezahlt. Der 22-Jährige ist zu einem der besten Techniker gereift. "Nicht nachlassen, nicht zu viel nachdenken" ist das Motto des älteren Bruders der derzeit verletzten Mélanie Meillard, auf dem vorab die Schweizer Hoffnungen ruhen, nach 11 Jahren endlich auch in Adelboden wieder einmal auf dem Podest vertreten zu sein.

Meillards Aufstieg verläuft bislang kontinuierlich und fast reibungslos. Vorläufiger Höhepunkt sind die beiden Podestplätze in Saalbach-Hinterglemm im Dezember. Dass er aber auch selber höhere Ambitionen verfolgt, wird im Gespräch deutlich. "Wirklich geschafft habe ich noch nicht viel", sagt Meillard.

Loïc Meillard, was haben Sie für eine Beziehung zum Chuenisbärgli?

"Es ist schon ein sehr spezielles Rennen, für uns Schweizer noch mehr. Hier zu gewinnen, wäre unglaublich schön. In Adelboden habe ich auch mein erstes Weltcuprennen bestritten (2015 im Riesenslalom - die Red.). Der Hang ist sehr schwierig, nicht leicht zu befahren. Auch das macht es speziell."

Auf schwierigen Hängen trauen Ihnen die Trainer und Gegner am meisten zu.

"Das stimmt, das Chuenisbärgli sollte mir eigentlich liegen. Es ist aber ein Hang, wie du ihn nicht trainieren kannst."

Experten und Fahrerkollegen schwärmen von Ihnen, sehen Sie als das Talent mit den besten Anlagen in den technischen Disziplinen. Im Dezember haben Sie mit zwei 2. Plätzen in Saalbach-Hinterglemm die ersten Podestplätze realisiert. Wo sehen Sie sich selber aktuell?

"Es läuft ganz gut im Moment. Im Riesenslalom bin ich in dieser Saison bislang sehr konstant und stets in den Top 10 gewesen. Im Slalom war ich einige Male richtig schnell unterwegs, bin ich aber nicht immer durchgekommen. Die Rennen geben mir Selbstvertrauen und ein gutes Gefühl. Ich weiss: Die Grundlage ist da, um gut zu sein. Ich bin jetzt zweimal auf dem Podest gestanden, aber wirklich geschafft habe ich noch nicht viel. Darum setze ich alles daran, am Bestehenden anzuknüpfen. Es gibt immer Dinge zu verbessern."

Wo sehen Sie sich in zwei, drei Jahren?

"Ich hoffe, dass ich dann immer noch zu den besten der Welt gehöre, dass ich fit und gesund bin und Spass habe an dem, was ich mache. Viel anderes als das Skifahren gibt es bei mir nicht, und das soll bis dahin auch so bleiben."

Ihnen wird zugetraut, der erste Schweizer Sieger in Adelboden seit elf Jahren zu werden.

"Daran denke ich nicht. Wenn es so sein wird, toll. Wenn nicht, dann ist es auch okay."

Wie gehen Sie mit dem Druck um, der von aussen kommt?

"Den spüre ich nicht. Ich mache mir nur selbst Druck, ich fahre ja für mich und nicht für die anderen. Ob ich zufrieden bin, hängt von meiner Erwartung ab und nicht jener der Öffentlichkeit."

Was haben Sie sich fürs Wochenende vorgenommen?

"Ich lernte die Piste in den letzten Jahren gut kennen. Jetzt bin ich vorne dabei und weiss, dass ich schnell fahren kann. Wenn es mir jetzt gelingt, mein Bestes abzurufen ... mal schauen, was dabei herauskommt. Eine exakte Platzierung nehme ich mir nicht vor. Ich kann auch mit einem 5. Platz zufrieden sein, wenn ich weiss, dass ich gut gefahren bin."

Bis zur WM in Are bleibt den Technikern wenig Zeit zum Durchschnaufen. Vier Slaloms und zwei Riesenslaloms stehen bis zum WM-Start am 5. Februar auf dem Programm. Wie sieht Ihre Herangehensweise aus, ist der Energiehaushalt ein grosses Thema?

"Darauf musst du schon achten. Die vielen Rennen bedeuten auch viel Reisen. Da ist es wichtig, dass du dich zwischen den Wettkämpfen gut erholst und die Tage optimal nutzt. Du musst stets auf den Körper hören und die richtige Mischung zwischen zu viel und zu wenig Training finden. Das geschieht in Absprache mit den Trainern, liegt aber in meiner Hand. Im Rennen gebe ich natürlich immer Vollgas. Du kannst dir auch nichts anderes leisten, sonst hast du keine Chance."

Was sagt der Körper im Moment?

"Es geht ihm ganz gut. Ich konnte mich zwischen Weihnachten und Neujahr gut erholen und auch an der Kondition arbeiten. Das heisst nicht, dass ich die Tage nicht geniessen konnte. Ich habe mit der Familie und mit Freunden gefeiert und gut gegessen. Glücklicherweise muss ich keine Kalorien zählen. Es reicht, wenn ich masshalte."

Wie erleben Sie diese erfolgreiche Zeit, die auch eine Blütezeit des gesamten Schweizer Technikteams ist?

"Es ist wunderschön, da zu sein, wo wir sind. Und auch nicht selbstverständlich. Viele versuchen es und schaffen es nicht. Bei uns haben sich die vielen schweisstreibenden Stunden gelohnt. Wollen wir uns aber vorne halten oder noch besser werden, dürfen wir nicht nachlassen. Wir sind jetzt eine richtig starke Mannschaft und haben eine ausgezeichnete Atmosphäre im Team. Teil dieser Gruppe zu sein, macht enorm Spass. Das hilft jedem von uns, denn die harte Arbeit fällt dir dadurch leichter. Klar, am Start sind wir Gegner. Das heisst aber nicht, dass wir keine Freunde sein und uns nicht über die Erfolge der anderen freuen können. Wir wollen alle am schnellsten sein, wissen aber auch, dass wir ohne die anderen nichts schaffen."

Sie selbst sind im Hoch. Gleichzeitig erleben Sie die Leidenszeit Ihrer Schwester Mélanie Meillard mit, stürzt Marc Gisin schwer und verpasst Justin Murisier wegen einem kaputten Knie die ganze Saison. Was geht Ihnen bei den Gedanken daran durch den Kopf?

"Du leidest mit den Teamkollegen mit, kannst aber nicht viel machen. Verletzungen gehören zu unserem Sport dazu, das musst du akzeptieren. Du weisst, dass es dich treffen kann, die Gedanken daran musst du aber ausblenden. Das ist nicht einfach und erfordert einen starken Kopf. Glücklicherweise bin ich bisher bis auf einen Eingriff am Meniskus Ende 2015 verschont geblieben. Das ist Glück, aber zu einem gewissen Grad auch Geschick."

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