Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld wird 80 - Barbie gefunden

Sie ohrfeigte einen deutschen Bundeskanzler und spürte Nazi-Verbrecher auf. Die gebürtige Berlinerin Beate Klarsfeld kämpft mit ihrem Mann Serge seit Jahrzehnten gegen das Vergessen.

"War das die Klarsfeld?" - so lautete die erste Frage von Kurt Georg Kiesinger. Der Bundeskanzler war bei einem CDU-Parteitag in Berlin von der damals 29 Jahre alten Beate Klarsfeld geohrfeigt worden. Die Deutsch-Französin wollte 1968 mit der spektakulären Aktion gegen Kiesingers Vergangenheit als Nazipropagandist protestieren.

"Mein Anliegen war, dass er zurücktreten musste", erzählt Klarsfeld über 50 Jahre später. Dieses Ziel erreichte sie nicht: Kiesinger regierte bis 1969 und wurde dann vom SPD-Politiker Willy Brandt abgelöst.

Klarsfeld wurde direkt nach dem Kanzler-Angriff, der sie weltberühmt machte, von der West-Berliner Justiz zu einem Jahr Gefängnis verurteilt - musste die Strafe aber nicht verbüssen. Die als "Nazi-Jägerin" bekannte und vielfach ausgezeichnete Klarsfeld feiert am Mittwoch (13. Februar) im Kreis der Familie ihren 80. Geburtstag.

"Schlächter von Lyon" gefunden

Gemeinsam mit ihrem französischen Mann Serge machte sich die gebürtige Berlinerin das Aufdecken ungeahndeter Nazi-Verbrechen zur Lebensaufgabe. Klaus Barbie war dabei wohl ihr aufsehenerregendster Fall. Der einstige Gestapo-Chef und "Schlächter von Lyon" war geflohen und lebte unter dem Decknamen Klaus Altmann in Bolivien. Dort spürten ihn die Klarsfelds auf.

Nachdem die Diktatur in dem südamerikanischen Land gefallen war, wurde Barbie 1983 nach Französisch-Guayana ausgewiesen und kam dann nach Frankreich. Ein Gericht verurteilte Barbie vier Jahre später wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der Fall Barbie beschäftigte Beate Klarsfeld 16 Jahre lang, von 1971 bis 1987: "Wir mussten etwas tun", resümiert die zierliche und resolute Frau im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Was war ihre wichtigste Aktion? "Der Kölner Prozess", antwortet Klarsfeld ohne langes Zögern. 1980 befand ein Gericht die Nazis Kurt Lischka, Herbert Hagen und Ernst Heinrichsohn der Beihilfe zum Mord an französischen Juden für schuldig. "Die meisten NS-Verbrecher lebten in Deutschland - unter ihrem eigenen Namen", bilanziert Klarsfeld trocken.

"Der Hartnäckigkeit des Moralisten Serge Klarsfeld aus Paris und seiner Frau Beate war es zu verdanken, dass die Taten von Lischka und Kumpanen überhaupt wahrgenommen wurden", schrieb damals der "Spiegel". "Was irgendwo noch in Archiven über die Gräueltaten der Deutschen greifbar war, die Klarsfeld(s) gruben es aus."

Der Jude und die Protestantin

Andere Aktionen führten Beate Klarsfeld nach Syrien oder nach Chile. Was gab der zweifachen Mutter die Energie für ihr Engagement? "Wir hatten immer ein gutes Familienleben", antwortet sie lächelnd. Ihren künftigen Mann lernte sie als damaliges Au-Pair-Mädchen 1960 auf einem Pariser Métro-Bahnsteig kennen.

"Serges Vater war in Nizza festgenommen und nach Auschwitz deportiert worden", erzählt sie. Über Jahrzehnte hinweg arbeiteten sie und Serge eng zusammen. In einem Interview beschrieb der 83 Jahre alte Anwalt die Rollenverteilung in dem ungewöhnlichen Paar: "Sie handelt als protestantische Deutsche, ich als französischer Jude."

2012 wurde Beate Klarsfeld im wiedervereinten Deutschland von der Partei Die Linke gegen Joachim Gauck als Bundespräsidenten-Kandidatin aufgestellt. Es war eine weitgehend symbolische Nominierung - Gauck erhielt bei der Bundesversammlung die ganz überwiegende Zahl der Stimmen.

Kritik wegen DDR-Lob

Wegen früherer DDR-Kontakte geriet Klarsfeld damals in die Kritik. Sie räumt in ihren Erinnerungen freimütig Zahlungen und Privilegien wie Flugtickets oder Sommerurlaube ein. Sie habe sich aber niemals von irgendjemand instrumentalisieren lassen.

Reichlich distanzlos wirkt allerdings die Schilderung der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der DDR 1969: "Walter Ulbricht drückte mir herzlich die Hand. Die Aufmerksamkeit, die dieser Mann, der das kommunistische Deutschland verkörperte, mir entgegenbrachte, verdankte ich meiner Kompromisslosigkeit."

Das Ehepaar Klarsfeld bekam am 20. Juli 2015 - dem Jahrestag des Attentats gegen Adolf Hitler - in der französischen Hauptstadt das Bundesverdienstkreuz verliehen. "Die Deutschen werden Dich würdigen, aber erst, wenn du alt bist", hatte Serge seiner Frau schon unmittelbar nach der legendären Kiesinger-Ohrfeige prophezeit.

Die unbeugsame Frau nimmt bis heute kein Blatt vor den Mund, warnt vor Rechtsextremismus und Antisemitismus in Europa. "Die Geschichte kennt kein Ausruhen", lautet ein Motto von ihr.

Computer

Zahlen statt Süssigkeiten: Google ändert Android-Namensgebung

01:57
Brasilien

Bolsonaro wirft Macron "kolonialistische Mentalität" vor

01:49
Rüstung

USA und Russland werfen sich in Uno-Sicherheitsrat Wettrüsten vor

01:23
USA

Puma beisst Knaben in Garten vor Haus in den USA in den Kopf

01:07
G7

Kanada gegen Wiederaufnahme Russlands in G7-Gruppe

00:15
USA

Trump-Regierung erwägt Steuersenkungen vor Wahl 2020

00:05
Europa League

Eintracht Frankfurt verliert in Strassburg

22:58
Frankreich - Indien

Macron: Indien und Pakistan müssen Kaschmir-Streit friedlich lösen

22:18
Unwetter

Fünf Tote und über 20 Verletzte durch Gewitter im Tatra-Gebirge

21:02
Leichtathletik

Coleman droht wegen verpasster Dopingkontrollen das WM-Aus

19:32
Brexit

"Boorish Johnson": Britischer Premier für Fuss auf Tisch kritisiert

19:11
US Open

Federer und Wawrinka beginnen gegen Qualifikanten

18:34
Super League

Basel und Serey Die lösen Vertrag auf

17:03
Drohnen

EU-Recht bringt 2020 eine Registrierungspflicht für Drohnen

16:59
Grossraubtiere

Wolfsrudel mit sieben Jungwölfen im Wallis nachgewiesen

16:38
Ausstellung

Die zeichnende Anwältin der "Unsichtbaren und Zornigen" in Russland

16:34
Italien

Zweiter Tag der Gespräche über Ausweg aus politischer Krise in Rom

16:08
Wahlen 2019

Innerrhoder Gewerbe nominiert Rechsteiner für Nationalrat

15:58
Ski alpin

Geschäftsführer Wolf verlässt Swiss-Ski - Nachfolger schon bereit

15:02
Ski alpin

Nächster Wechsel bei Swiss-Ski

15:02
Artenschutz

Elfenbeinhandel bleibt verboten - Giraffen werden besser geschützt

15:00
Artenschutz

CITES-Konferenz: Handel mit Giraffen soll eingeschränkt werden

15:00
Deutschland

Neuneinhalb Jahre Haft für Angeklagten im Chemnitz-Prozess

14:23
Brexit

Macron zweifelt an neuem Brexit-Abkommen bis Oktober

14:10
Brexit

Britischer Premier Johnson betont in Paris: Ich möchte ein Abkommen

14:10
Reiten

Guerdat und Fuchs top, Rutschi und Estermann flop

14:07
Verschuldung

Junge Städter und Singles landen öfter in der Schuldenfalle

14:03
Umwelt

VCS lanciert Klassenwettbewerb für klimafreundliches Reisen

14:00
Versicherungen

Konkurrenz lässt Prämien für Autoversicherungen fallen

13:36
National League

Tristan Scherwey reist ins Trainingscamp der Senators

13:23
Iran

Iran präsentiert selbst produziertes Luftabwehrsystem

13:17
Bundesstrafgericht

Teilbedingte Freiheitsstrafe von 34 Monaten für Ex-Banker gefordert

12:53
Bundesstrafgericht

Zeugenbefragung im Prozess gegen Ex-Banker von Morgan Stanley

12:53
Wahlen 2019

FDP startet mit neuem Wirtschaftspapier in den Wahlkampf

12:34
Strassenverkehr

Slowenischer Carchauffeur tagelang am Steuer

12:25
Post

Postchef Cirillo skizziert Massnahmen der neuen Strategie 2021

12:07
Bundesgericht

Opfer dürfen bei Haft-Entlassung des Täters informiert werden

12:00
Tourismus

Schweiz Tourismus will vermehrt Hochzeitsgäste ins Land locken

11:56
Staumauer

Isola-Staumauer bei San Bernardino muss saniert werden

11:45
Syrien

Syriens Regierung will eingekesselten Zivilisten Abzug erlauben

11:44
Unfälle

Jährlich 2400 Todesopfer bei Nichtberufsunfällen in der Schweiz

11:23
Finanzdienstleister

Schweizer Privatbanken verzeichnen schwaches Wachstum beim Neugeld

10:46
Ausstellung

Kasperli und seine exotischen Verwandten im Museum der Kulturen

10:31
Raumfahrt

Russland schickt Raumschiff mit Roboter "Fedor" zur ISS

10:02
Raumfahrt

Russland schickt Raumfrachter mit Verpflegung zur ISS

10:02
Maschinenindustrie

Schweizer Industrieproduktion wächst trotz erster Bremsspuren

09:58
Banken

Liechtensteiner Fürstenbank mit tieferem Gewinn

09:34
Telekommunikation

Sunrise geht auf Konfrontationskurs mit Freenet

07:42
Zugverkehr

BLS und SBB legen mehrjährigen Streit um Fernverkehrslinien bei

07:35
Zugverkehr

BLS und SBB einigen sich im Fernverkehr

07:35
Banken

Waadtländer Kantonalbank steigert operativen Erfolg im Halbjahr

07:10
Brasilien

194 Tote in einem Monat bei Polizeieinsätzen in Rio de Janeiro

06:55
Australien

Elternpaar wegen streng veganer Ernährung der Tochter verurteilt

06:35
Tanz

Argentinisches Paar gewinnt Tango-Weltmeisterschaft in Buenos Aires

06:13
Schwingen

Der Fotofinish vor dem Anschwingen

04:00
Schwingen

Die stärksten Verbände haben ihre Auf und Ab

04:00
USA

Demokrat Jay Inslee steigt aus Präsidentschaftsrennen aus

03:53
Gesundheit

Zahl der Lungenkranken nach E-Zigaretten-Gebrauch in den USA steigt

02:52
Deutschland

Deutscher Finanzminister prüft Verbot von Negativzinsen für Sparer

02:44