Mobile WCs gegen Böschungspinkler auf Gotthardautobahn

Reisende, denen im Stau vor dem Gotthard die Blase drückt, haben es gut: Von April bis Oktober stehen entlang der Autobahn A2 mobile Toiletten bereit, auch um Wildpinklern beizukommen. Einmal pro Woche werden die WCs gereinigt, in der Hochsaison auch häufiger.

Noch fliesst der Verkehr an diesem Julimorgen auf der A2 in Richtung Süden, als Alexandar Djordjevic in seinem Saugfahrzeug den Blinker setzt und auf den Pannenstreifen fährt. Jeden Mittwoch ist er zwischen Erstfeld und Amsteg auf Tour, leert und putzt sechs TOI-TOI-Kabinen entlang der A2. Im Auftrag des Urner Amts für Betrieb Nationalstrassen bewirtschaftet die Firma die mobilen WCs.

Gedacht sind sie einerseits für Lastwagenfahrerinnen und Lastwagenfahrer, andererseits aber auch für Autoreisende, die feststecken. 2018 kam es im Bereich Gotthard Nord an 151 Tagen zu Staus oder Verkehrsbehinderungen. Das Bundesamt für Strassen Astra zählte hier 1036 Staustunden.

Djordjevic, mit oranger Leuchtweste ausgerüstet, steigt aus und wirft einen Kompressor auf seinem Fahrzeug an. Auf der Autobahn braust der Verkehr vorbei. Djordjevic steckt einen Schlauch ins blaue Häuschen und saugt damit ab, was sich angesammelt hat.

Zwischen Erstfeld und Amsteg stehen zwei Kabinen in einer Nische jeweils mit direktem Zugang von der Autobahn, drei sind es beim Rastplatz Wassen und eine weitere Kabine beim LKW-Kontrollplatz in Göschenen. Auch im Süden gibt es drei Kabinen in Fahrtrichtung Norden bei der Raststätte Stalvedro, wie Maurus Achermann von der TOI TOI AG auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagt.

Angebot seit 2010

Das Angebot existiert laut Judith Gisler vom Urner Amt für Betrieb Nationalstrassen seit 2010. Man habe es eingeführt, weil Reisende die persönliche Notdurft jeweils in den Böschungen erledigten. Der Unterhalt koste pro WC und Woche rund 50 Franken.

Auf der Nordseite steht eine Kabine das ganze Jahr am selben Ort, die fünf anderen würden jeweils Anfang April hingestellt. Gegen Ende Oktober, wenn der grosse Reiseverkehr für das Jahr vorbei ist, verschwinden sie wieder. Bis im Frühling.

Denn spätestens ab Ostern, wenn auf der Gotthardautobahn besonders viel läuft, werden die Kabinen, die ein Fassungsvermögen zwischen 250 und 300 Litern haben, in Absprache mit dem Amt für Betrieb Nationalstrassen auch häufiger gereinigt. Dafür gibt es einen Pikettdienst.

Mit Spanngurten befestigt

Oft sind Zusatzeinsätze notwendig. Auch für Djordjevic. Heute ist nach der fünften Kabine der Tank auf seinem Saugfahrzeug voll. Mit einem Hochdruckreiniger spritzt er das WC-Häuschen ab, reinigt es mit Putzmittel, füllt Papier nach.

Laut Maurus Achermann gibt es in der Schweiz keine Pflicht, solche Kabinen aufzustellen. Es sei ihm auch keine andere Autobahn bekannt, entlang deren es mobile WC-Häuschen gibt. Die Toiletten sind mit Spanngurten und Anker befestigt, damit sie bei einem Sturm nicht auf die Fahrbahn geschoben werden.

Es komme, sagte Djordjevic, immer wieder vor, dass er eine WC-Türe öffne und drinnen noch jemanden antreffe. Die Leute vergässen halt oft, dass man auch die mobilen Toiletten abschliessen könne.

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