US-Bürovermieter WeWork verschiebt Börsengang

Der US-Bürovermieter WeWork legt seinen geplanten Börsengang auf Eis. Für diese Woche vorgesehene Treffen mit potenziellen Investoren wurden abgesagt.

Das Unternehmen sei aber zuversichtlich, dennoch in diesem Jahr an die Börse gehen zu können, erklärte der WeWork-Eigentümer We Company am Montag (Ortszeit).

WeWork steht unter Druck, seine Börsenpläne trotz der Skepsis von Anlegern voranzutreiben, um die Finanzierung seines Geschäfts sicherzustellen.

Wegen fehlender Gewinne und Kritik an der Unternehmensführung tat sich der Börsenaspirant schwer, Investoren für seine Aktienemission zu gewinnen. Reuters hatte vergangene Woche berichtet, dass WeWork den Börsengang vermutlich nur durch einen drastischen Abschlag bei seiner Bewertung retten könne.

Bei der letzten Finanzierungsrunde im Januar wurde das Unternehmen noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet. Zuletzt war noch von zehn bis zwölf Milliarden Dollar die Rede gewesen - weniger als die 12,8 Milliarden an Eigenkapital, die WeWork laut dem Datenanbieter Crunchbase seit seiner Gründung vor neun Jahren bei Investoren eingesammelt hat.

Die Probleme von WeWork sind ein Rückschlag für den japanischen Investor Softbank. Der grösste WeWork-Investor versucht derzeit 108 Milliarden Dollar für seinen zweiten grossen Technologiefonds "Vision Fund 2" einzusammeln. Er hatte Insidern zufolge wegen des drastischen Abschlags bei der WeWork-Bewertung auf eine Verschiebung des Börsengangs gedrängt.

Dennoch erwogen die Japaner Insidern zufolge, die Emission durch den Kauf von Aktien von bis zu eine Milliarde Dollar zu unterstützen. Doch selbst dann hätte der Bürovermieter nur etwas mehr als zwei Milliarden Dollar beim Gang aufs Parkett einsammeln können. WeWork hatte sich Erlöse von mindestens drei Milliarden Dollar erhofft.

Gewinne nicht in Sicht

Dieses Ziel hängt einem Insider zufolge mit einer sechs Milliarden Dollar schweren Kreditlinie zusammen, die sich WeWork vergangenen Monat gesichert hat. Die Banken hätten dabei die Bedingung gestellt, dass der Bürovermieter noch dieses Jahr an die Börse geht und dabei mindestens drei Milliarden Dollar einsammle.

Scheitern die Pläne, muss sich das Management nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umschauen. Denn Gewinne sind auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Allein im ersten Halbjahr stand ein Verlust von 690 Millionen Dollar in der Bilanz.

Daneben störten sich Investoren an der Rolle von Firmengründer und -Chef Adam Neumann. Nach heftiger Kritik kündigte WeWork an, den Einfluss des 40-Jährigen einzuschränken. Neumanns Aktien werden mit weniger Stimmrechten ausgestattet, seine Familie soll nicht im Verwaltungsrat vertreten sein und dieser soll Neumanns Nachfolger auswählen. Ursprünglich sollte seine Frau und Mitgründerin Rebekah Neumann bei der Wahl eines Nachfolgers eine Rolle spielen.

WeWork mietet Immobilien langfristig an und vermietet Büroflächen an Firmen, Unternehmer und Start-Ups, die kurzlaufende Mietverträge abschliessen. Damit hat WeWork das traditionelle Büro-Vermietgeschäft aufgemischt, in dem langfristige Mietverträge die Regel sind. Inzwischen ist das Unternehmen an 528 Standorten in 29 Ländern vertreten.

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