Riad will entschlossenere Reaktion auf Bombardierung von Ölanlagen

Noch immer ist unklar, wer für die Angriffe auf wichtige saudische Ölanlagen verantwortlich ist. Die USA und Saudi-Arabien sehen den Iran als Drahtzieher.

Nach der Bombardierung wichtiger Ölanlagen drängt Saudi-Arabien die internationale Gemeinschaft zu einer entschlosseneren Reaktion, um weitere Angriffe zu verhindern. Die Verantwortlichen für diese "Aggressionen" müssten zur Verantwortung gezogen und abgeschreckt werden, teilte das Kabinett am Dienstag in Riad mit, wie die saudische Agentur SPA meldete. Das Land werde seinen Boden und seine lebenswichtigen Einrichtungen verteidigen.

König Salman erklärte, die "feigen Angriffe" hätten nicht nur auf Ölanlagen des Landes abgezielt, sondern auch auf die internationale Ölversorgung. Sie bedrohten die Stabilität der Region. Jemens Huthi-Rebellen drohten dem Königreich jedoch mit neuen Angriffen.

Die Angriffe auf Anlagen im Osten Saudi-Arabiens am Samstag hatten die Sorge vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten befeuert und den Ölpreis in die Höhe getrieben. Saudi-Arabien musste danach eigenen Angaben zufolge einen grossen Teil seiner Ölproduktion stoppen. Die Ölpreise gaben am Dienstag nach dem Schock etwas nach.

US-Präsident Donald Trump nahm nach den Angriffen den Iran als möglichen Verantwortlichen ins Visier. "Es sieht danach aus", dass der Iran hinter den Angriffen stecke, sagte er in Washington. Trump betonte zugleich, die USA wollten keinen Krieg mit Teheran. Die USA hatten unter Trump ihren Kurs gegenüber dem Iran deutlich verschärft und unter anderem das Atomabkommen mit Teheran aufgekündigt.

US-Aussenminister Pompeo nach Riad

US-Vizepräsident Mike Pence sagte, Aussenminister Mike Pompeo werde nach Saudi-Arabien reisen, um mit der saudischen Führung die Reaktion auf die Angriffe zu besprechen. "Wir beraten mit unseren Verbündeten, und der Präsident wird in den kommenden Tagen die beste Vorgehensweise bestimmen." Nach Angaben von Pence wollte Pompeo noch am Dienstag zu der Reise nach Saudi-Arabien aufbrechen.

Die jemenitischen Huthi-Rebellen hatten sich zu den Angriffen mindestens 1000 Kilometer von ihrem Herrschaftsgebiet entfernt bekannt. Sie besitzen nach Einschätzung von Experten Drohnen, die eine solche Distanz zurücklegen können. Die US-Regierung hält es Medienberichten zufolge jedoch auch für möglich, dass die Drohnen und Raketen aus dem Irak oder dem Iran abgeschossen wurden.

Die Huthis greifen immer wieder Ziele in Saudi-Arabien an. Sie sehen darin eine Vergeltung für die saudische Militärintervention im Jemen. Saudi-Arabien unterstützt im Jemen die international anerkannte Regierung und bombardiert dort seit 2015 Huthi-Ziele. Dabei sterben immer wieder auch zahlreiche Zivilisten. Die Huthis werfen Riad vor, mit einer Blockade die humanitäre Krise im Jemen verschärft zu haben.

Ein Sprecher der jemenitischen Huthi-Rebellen drohte dem Königreich am Dienstag mit weiteren Angriffen, sollte Saudi-Arabien seine "Aggressionen" im Jemen fortsetzen. Wer die Stabilität des Ölmarktes gewährleisten wolle, der müsse die von Riad angeführte Koalition dazu bringen, ihre Blockade des jemenitischen Volks zu beenden.

US-Regierungskreise: Marschflugkörper

Das saudische Aussenministerium hatte am Montag erklärt, erste Ermittlungen wiesen darauf hin, dass bei den Angriffen auf die Ölanlagen iranische Waffen eingesetzt worden seien. Ein US-Regierungsmitarbeiter sagte am Dienstag zudem der Nachrichtenagentur AFP, dass bei den Angriffen Marschflugkörper eingesetzt worden seien.

Saudi-Arabien will die Uno und internationale Experten einladen, sich an den Ermittlungen zu beteiligen. Das sunnitische Königreich sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und wirft ihm vor, die Region zu destabilisieren.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief die Konfliktparteien zu einer Deeskalation der Spannungen auf. "Jegliche Beeinträchtigung der globalen Energieversorgung ist für die Nato-Alliierten eindeutig besorgniserregend", sagte der Norweger der Deutschen Presse-Agentur. Er appelliere an alle Parteien, weitere Vorfälle zu vermeiden, die eine ernsthafte Gefahr für die regionale Sicherheit darstellen könnten. Die Nato beobachte die Entwicklungen genau.

Schwere humanitäre Krise im Jemen

Im Jemen tobt seit 2014 ein Bürgerkrieg. Die Huthis überrannten grosse Gebiete und vertrieben die international anerkannte Regierung aus der Hauptstadt Sanaa. Deren Rückhalt im Jemen ist nach Einschätzung von Beobachtern schwach.

Wegen des Bürgerkriegs erlebt das Land nach Angaben der Uno die weltweit schwerste humanitäre Krise. Uno-Vermittler Martin Griffiths forderte eine schnelle Beilegung des Konflikts im Jemen. Die Angriffe auf die Ölanlagen hätten die Dringlichkeit einer politischen Lösung gezeigt, schrieb er in der "New York Times".

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