Philippe Rahmy: "Die Panzerung" - Reise in die Stadt der Versehrten

Mit dem Roman "Die Panzerung" erscheint erstmals ein Buch von Philippe Rahmy in deutscher Übersetzung. Es erzählt mit sprühender Intensität und zugleich leiser Intimität von einer Reise nach China. Beide Aspekte verschmelzen in der Megalopole Shanghai.

Der 1965 geborene Rahmy ist im Oktober 2017 in Lausanne verstorben. Zu Lebzeiten ist seine Bekanntheit auf die Romandie beschränkt geblieben. "Die Panzerung" gibt endlich Gelegenheit, wenigstens posthum auch in der Deutschschweiz mit Rahmy Bekanntschaft zu machen.

Rahmy litt an der Glasknochenkrankheit, die ihn in den Rollstuhl zwang. Diese Behinderung machte er mit sprühendem Esprit und mit Neugier beispielsweise gegenüber den neuen Medien wett. Eine Krankheit begleitet nun auch den Ich-Erzähler in "Die Panzerung".

Körper an Körper

Im Untertitel heisst das Buch "Reiseroman". Auf dem französischen Originalcover steht unter dem Titel "Béton armé" das Motto "Shanghai au corps à corps". In Shanghai begegnen sich zwei lädierte Körper und erinnern einander an die eigene Geschichte.

Der namentlich nicht genannte Autor, in dem Philippe Rahmy zu erkennen ist, reist für zwei Monate auf Einladung des chinesischen Schriftstellerverbands nach Shanghai. Der Autor aus dem Westen wird als Maskottchen zu langweiligen Lesungen und Banketten eingeladen, daneben bleibt ihm Zeit für sich.

Rasende neue Welt

Während der zwei Monate erkundet er sein Verhältnis zur Grossstadt, der er einerseits nicht gewachsen ist, die ihn andererseits anzieht. "Wenn ich mal nicht schreibe, versuche ich es zu geniessen." Letzteres fällt ihm indes nicht leicht, denn in dieser schwül-heissen Stadt ist alles erschlagend, kreischend laut und rasant.

Die Häuser wachsen den Bewohnern über den Kopf, Stossstange steht an Stossstange, abends werden die "Menschenmassen Canettis" von den U-Bahn-Schächten verschluckt. Hier rennt niemand, doch alles ist "ein Kampf, an dem alle unbeteiligt teilnehmen".

Schreiben ist ungehorsam

Die Stadt wirkt für den Erzähler uneinnehmbar. Er weiss gar nicht, "wie Reisen geht!" Die Krankheit hat ihn bisher daran gehindert. Dennoch mischt er sich täglich unter die Leute und beobachtet deren Treiben aufs Genaueste. Er erkennt die allerorts lauernde Überwachung und wie sich im Schatten der Kameras Grüppchen von Rauchern bilden.

Mit beissender Ironie nimmt er auch die unkreative Staatsdidaktik bei den Empfängen im Schriftstellerverband aufs Korn. Was schreiben pharisäerhafte Dichter, fragt sich der Autor - eine Frage mit Sprengkraft, denn offenkundig versteht er anderes unter Literatur als gehorsame Staatstreue.

Fulminant und fragil

"Die Panzerung" ist ein fulminantes, immer wieder um Worte ringendes Buch angesichts der explodierenden Eindrücke ringsum. So glitzernd und mondän diese Welt sich präsentiert, so leer und öde wirkt sie zugleich auf den Erzähler.

Noch nie habe er, hält er fest, "so viele versehrte Körper gesehen wie in Shanghai". Deshalb könne er gar nicht objektiv darüber berichten: "Was ich suchte, ist teils in dieser Stadt, teils in mir." Sie verführt ihn daher auch zu Erinnerungen an die Kindheit: an die erste Schlägerei, aus der er herrlich befreit und zugleich peinlich berührt hervorging. Der stets Gehänselte hatte noch einen Schwächeren gefunden.

Abstossung und Anziehung

Dieser Wechsel zwischen urbanem Tagebuch und intimer Erinnerung verleiht dieser Prosa ihre ganz eigene, berührende Fragilität. Der Ich-Erzähler ist von der Brutalität der Stadt und von der Ignoranz vieler ihrer Bewohner abgestossen - zugleich fühlt er sich in ihren verschatteten Zonen heimisch. Er erkennt sich in den vielen geschundenen Outdrops selbst wieder.

Was bleibt von diesen Erfahrungen, was bleibt vom Schreiben? Komprimiert und stilistisch fulminant reflektiert Philippe Rahmy über Schreiben und Erleben, Leben und Tod. Dass es ihm auch in der deutschen Version gelingt, ist Yves Raeber zu verdanken. Er hat selbst ein paar Wochen in Shanghai verbracht, um das Buch adäquat übertragen zu können. Es ist ihm gelungen, die fiebrige, fremde Atmosphäre der Stadt einzufangen.

Philippe Rahmy war ein freundlicher, wacher Geist, der seiner Krankheit mit Mut und Kraft getrotzt hat. Als "einzigen Racheakt", erinnert sich sein Ich-Erzähler, habe er sich eine "gute Laune einverleibt" und sich damit gepanzert. Wegen seines Helms, den er vorsichtshalber tragen musste, erhielt er schon als Kind den Übernamen Rhinozeros.

Verfasser: Beat Mazenauer, ch-intercultur

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