FC Zürich: In zwei Monaten vom Krisenklub zum Team der Stunde

Innert weniger Wochen hat sich der FC Zürich vom Krisen-Klub zum Team der Stunde gewandelt. In der 17. Runde der Super League soll der neue Weg gegen Tabellennachbar Servette fortgesetzt werden.

Gut zwei Monate ist es her, als sich der FC Zürich und besonders dessen Trainer Ludovic Magnin in den Schweizer Medien so einiges anhören musste. "Nur noch desolat", titelte etwa der Tagesanzeiger über den Zürcher Stadtklub und stellte die Frage: "Ist dieses Kader gut genug?" Kritisiert wurde die Personalpolitik von Sportchef Thomas Bickel, dessen Neuverpflichtungen fast gänzlich versagten, hiess es. Es folgte ein erknorzter 1:0-Auswärtserfolg des FCZ in Genf und ein unglaublicher Steigerungslauf, der in zuletzt fünf Meisterschaftssiegen in Folge gipfelte.

Vom FCZ, der dieses 1:0 in Genf mehr erkämpft als erspielt hat, ist noch immer einiges da, wenn heute um 16 Uhr derselbe Gegner zur Reprise des Duells in den Letzigrund anreist. Auf der Tribüne wird dieselbe Führungscrew mit den Zürchern mitfiebern, an der Seitenlinie derselbe Trainer auf und ab traben und auf dem Rasen die gleichen Spieler spielen. Doch die Wahrnehmung und das Selbstvertrauen des FCZ haben sich geändert. Mit einem sechsten Meisterschaftssieg in Folge, gegen den direkten Tabellennachbar aus Genf, würde sich der FCZ definitiv in den Top 4 der Liga etablieren.

Das Team funktioniere besser, weshalb auch die einzelnen Spieler besser zu Geltung kämen, sagte Magnin. Dass die Zürcher aktuell auch von einer Welle der Euphorie getragen werden, ist dem 40-Jährigen bewusst und Recht. "Wieso sollte ich diesen Lauf und den Spass, den wir uns erarbeitet haben, jetzt stoppen", fragte Magnin rhetorisch in die Medienrunde. Zu lange wurde der FCZ von aussen geknebelt, nun geniesst er den Platz an der Sonne.

Der FC Sion darf immerhin die Hoffnung hegen, vor einer Woche gegen Thun (2:1) eine ähnliche Serie wie der FCZ gestartet zu haben. Nach acht Niederlagen kamen die Walliser, die formidabel in die Saison gestartet waren, endlich wieder zu einem Sieg in der Meisterschaft. Damit der Trend sich allerdings fortsetzt, müssten die Sittener etwas bewerkstelligen, das sie seit Einführung der Super League nie mehr geschafft haben: in Basel siegen. Der letzte Sieg in der Meisterschaft in Basel datiert vom August 1997.

Die grosse Geduld des FC Thun

Sportlich noch düsterer als im Wallis präsentiert sich die Situation im Berner Oberland. Der FC Thun stellt die unproduktivste Offensive, die schwächste Defensive und mitunter das grösste Lazarett der Super-League-Klubs. Die Aussichten auf einen Erfolg gegen junge und überraschend starke St. Galler werden von vielen Faktoren weiter geschmälert, am stärksten von den zahlreichen Ausfällen.

Captain Dennis Hediger fällt einiges länger aus, als zunächst erwartet; seit dem 1:2 in Sitten gehört auch der Name von Matteo Tosetti wieder der Thuner Verletztenliste an. Trotz der sportlichen Misere versichern beim Schlusslicht Sportchef Andres Gerber und Präsident Markus Lüthi weiterhin glaubhaft, dass sie an die Wende unter Trainer Marc Schneider glauben. Auch sie finden ihr Vorbild wohl im FCZ.