Schweiz übernimmt die Führung beim Aufräumen im Weltall

Der Orbit ist voll ausgedienter Satelliten und Trümmer - eine Gefahr für die Infrastruktur im Weltall. Ein Schweizer Start-Up hat nun von der europäischen Weltraumorganisation ESA den Auftrag erhalten, eine Abfallbeseitigungs-Mission auszuarbeiten.

Ein Konsortium unter Leitung eines Schweizer Start-Ups namens Clearspace hat sich in einem Wettbewerb der ESA durchgesetzt und den Zuschlag für eine Abfallbeseitigungs-Mission im Orbit erhalten. Clearspace ist ein Spin-Off der ETH Lausanne (EPFL), das sich der Entfernung von Weltraummüll verschrieben hat.

Die Vorbereitungen der Mission Clearspace-1 sollen im März starten, der Start der Mission ist für 2025 vorgesehen, wie die ESA am Montag mitteilte. Ziel ist, mit einer Art "Abschleppwagen" für die Erdumlaufbahn ein Überbleibsel der ESA-Trägerrakete Vega aus dem Orbit zu entfernen. Nach ihrem Erstflug im Jahr 2013 blieb ein Raketenteil, die sogenannte "Vespa" (Vega Secondary Payload Adapter) Oberstufe, auf einer Umlaufbahn von rund 730 Kilometern Höhe.

Die Vespa hat eine Masse von 100 Kilogramm, ist damit fast so gross wie ein Kleinsatellit und eignet sich wegen ihrer schlichten Form und robusten Konstruktion als erstes Zielobjekt, wie die ESA schrieb. Danach sollen Folgemissionen auf die Jagd nach anspruchsvolleren Objekten gehen.

Vier Roboterarme auf Abfall-Fang

Der sogenannte "Chaser" von Clearspace - der "Abschleppwagen" - hat vier Roboterarme, mit denen das Raketenteil eingefangen und herangezogen werden soll, um es anschliessend am Chaser zu fixieren. Chaser und Vespa sollen dann zusammen in der Atmosphäre verglühen.

"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für solch eine Mission", liess sich Luc Piguet, Gründer und CEO des Start-Ups in der Mitteilung zitieren. "Das Thema Weltraummüll ist dringender denn je. Derzeit befinden sich fast 2000 aktive und 3000 inaktive Satelliten im Weltraum."

Die Zahl der Satelliten soll in den nächsten Jahren noch erheblich steigen, da mehrere Projekte mit Formationen von Hunderten bis Tausenden Satelliten für Telekommunikations- und Überwachungsdienste lanciert wurden, unter anderem von Unternehmen wie SpaceX und Oneweb. Umso wichtiger sei es, defekte Satelliten aus der stark frequentierten niedrigen Erdumlaufbahn zu entfernen, so Piguet.

Immer mehr Trümmer

Aber auch ohne weitere Satellitenstarts verschärft sich das Problem mit der Zeit: Kollisionen zwischen Objekten erzeugen neue Trümmer, die wieder kollidieren können und noch mehr Trümmer fabrizieren - ein Kaskadeneffekt, erklärte Luisa Innocenti, Leiterin der ESA-Initiative "Clean Space". "Wir müssen Technologien entwickeln, um die Entstehung neuer Trümmer zu vermeiden und die bereits vorhandenen Rückstände zu entfernen."

Die ESA will daher ihre Entwicklungen zu Leit-, Navigations- und Steuerungstechnologie, sowie Rendez-vous- und Greifmethodik zur Entfernung von Weltraumschrott fortsetzen und in einem neuen Projekts namens Adrios (Active Debris Removal/ In-Orbit Servicing) bündeln. Die Ergebnisse wolle man auf Clearspace-1 übertragen.