Beobachter schliessen Scheitern bei zentralem Punkt nicht aus

Noch nie hat eine Klimakonferenz ihre Beratungen so lange überzogen wie in diesem Jahr. Am Sonntagmorgen wurde in Madrid weiter verhandelt - mehr als 36 Stunden nach dem geplanten Ende. Beobachter schliessen ein Scheitern beim zentralen Verhandlungspunkt nicht aus.

Trotz dem langen Überziehen lagen die knapp 200 vertretenen Staaten in ihren Positionen zuletzt noch weit auseinander. "Es ist ein harter Kampf, hier wenigstens keine Rückschritte zu erleiden", hiess es am Morgen aus Kreisen der deutschen Delegation.

Es war unklar, ob eine Einigung auf Regeln für den internationalen Handel mit Klimaschutz-Gutschriften gelingt. Dies war eines der wenigen konkreten Verhandlungsziele der diesjährigen Uno-Konferenz, die seit dem 2. Dezember tagt.

Etliche Delegierte mussten inzwischen abreisen, darunter die meisten Minister. Viele Umwelt- und Hilfsorganisationen haben die Konferenz schon abgeschrieben - was hier geschehe, werde der beim Klimaschutz gebotenen Eile nicht gerecht, kritisieren sie. Bisheriger Rekordhalter als längste Uno-Klimakonferenz war gemäss erfahrenen Klimareportern das Treffen 2011 im südafrikanischen Durban, das um 6.30 Uhr geendet hatte.

Beobachter schliessen Scheitern nicht aus

Beobachter schliessen ein Scheitern beim zentralen Verhandlungsthema nicht aus. Im Zentrum steht der Artikel Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens. Bei dem vorliegenden Textentwurf für diesen Artikel sei ungewiss, ob die Entwicklungsländer und kleinen Inselstaaten zustimmen könnten, sagte Yamide Dagnet von der Umwelt-Denkfabrik World Resources Institute am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

Möglicherweise würden die Verhandlungen über darin vorgesehene Einbeziehung von Marktmechanismen in den Klimaschutz daher vertagt. Die Chefin des Climate Action Network Canada, Catherine Abreu, sagte AFP, der aktuelle Textentwurf zu Artikel 6 sei "eine tickende Zeitbombe", weil er die Übertragung von Emissionszertifikaten aus der Zeit des Kyoto-Protokolls erlaube. Der Text verletze "alle Grundsätze der San-José-Gruppe", so dass deren Länder kaum zustimmen könnten.

Damit würde das sogenannte Regelbuch zur Umsetzung des Pariser Abkommens vorerst unfertig bleiben. Die übrigen Umsetzungsregeln waren bereits bei der Weltklimakonferenz vor einem Jahr in Kattowitz beschlossen worden.