Erfolgreiche Titelverteidigung oder Premiere?

An der Handball-EM hat Spanien weiterhin die Möglichkeit, als erstes Team seit Schweden im Jahr 2002 den Titel erfolgreich zu verteidigen. Für die anderen Halbfinalisten wäre EM-Gold eine Premiere.

Die Spanier steigen am Freitagabend in Stockholm als Favorit in die Partie gegen Slowenien, das in der Vorrunde die Schweiz 29:25 bezwungen hat. Die Iberer gaben einzig gegen Kroatien (22:22) einen Punkt ab, schossen am meisten Tore (222) und verfügen mit Gonzalo Perez de Vargas sowie Rodrigo Corrales über das bislang beste Goalie-Duo an diesem Turnier - die beiden bringen es zusammen auf eine Abwehrquote von 34 Prozent.

Es ist für die Spanier der fünfte Halbfinal in Serie an dem zum 14. Mal durchgeführten Anlass, mit einem Sieg hätten sie die achte EM-Medaille auf sicher. Sie sind jedoch gewarnt, denn beim Triumph vor zwei Jahren unterlagen sie den Slowenen in der Hauptrunde mit 26:31. Die Osteuropäer waren vor dem Turnierstart von Flensburgs Trainer Maik Machulla als Geheimfavorit bezeichnet worden und unterstrichen warum. Dabei ist der schwedische Coach Ljubomir Vranjes erst seit Dezember im Amt; der immer wieder negativ aufgefallene Veselin Vujovic, der die Slowenen 2017 zu WM-Bronze geführt hatte, wurde im November entlassen. Er habe viele erfahrene Spieler, die für sich selber Entscheide treffen könnten. Das sei gut für einen Trainer, sagte Vranjes.

Norwegen mit Sagosen als Trumpf

Im zweiten Halbfinal zwischen Norwegen und Kroatien spricht die Statistik mit 8:4 Siegen für die Kroaten - zweimal gab es ein Unentschieden. Allerdings scheint die Zeit reif für den ersten Titelgewinn der Skandinavier an internationalen Meisterschaften, nachdem sie an den letzten beiden Weltmeisterschaften jeweils Silber holten. Für den ehemaligen Topflügel und SRF-Experten Manuel Liniger sind die Norweger ein gutes Beispiel für das Schweizer Nationalteam: "Dort standen die Männer lange im Schatten der Frauen. Dann wurden auch sie gepusht, und nun siehst du wohin das führen kann."

Die Norweger, die noch nie eine EM-Medaille gewonnen haben, schafften als einzige Mannschaft mit einer makellosen Bilanz den Einzug in die Halbfinals. Dass dem so ist, daran hat Sander Sagosen einen grossen Anteil. Der erst 24-jährige Aufbauer, der auf die kommende Saison hin von Paris St. Germain in die Bundesliga zu Kiel wechselt, ist bislang der überragende Spieler an diesem Turnier. Er hat nicht nur am meisten Tore (51) erzielt, sondern führt auch die Statistik der Assists (39) an, und dies obwohl er in der letzten Partie der Hauptrunde gegen Slowenien (33:30) geschont wurde. "Er spielt gerade das beste Handball seines Lebens", lobte ihn der norwegische Nationaltrainer Christian Berge. Die nationalen Medien riefen ihn bereits zum "König im Norden" aus.

Der aus Trondheim stammende Sagosen selber macht aus seinen Ambitionen keinen Hehl: "Für mich persönlich geht es nur um eine Farbe - Gold. Und ich glaube, wir haben die Mannschaft dafür." Weil er in den beiden WM-Finals "nicht meine beste Leistung" zeigte, setzte er sich intensiv mit der Frage auseinander, "wie muss ich mich körperlich und mental vorbereiten, um in solchen Situationen eine bessere Leistung zu bringen?".

Ob Sagosen die richtigen Schlüsse gezogen hat, wird sich nun zeigen, insbesondere gegen die Kroaten, die an diesem Turnier am wenigsten Gegentore (155) zugelassen haben und zum neunten Mal im EM-Halbfinal stehen. Die Finalspiele finden in einem 22'000 Zuschauer fassenden Fussballstadion mit schliessbarem Dach statt.

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