Europa League als Anschubhilfe oder Brandbeschleuniger

Basel durchlebt in den ersten Wochen des neuen Jahres eine schwierige Phase. In der Europa League gegen Nikosia soll der Turnaround gelingen. Doch auch APOEL ist auf Erfolgsmeldungen angewiesen.

Acht Monate sind es her, als der FC Basel durch die Personalie Marcel Koller auf die Probe gestellt worden war. Die Trainerfrage spaltete den Klub und entriss ihm mit Marco Streller, der zuerst als Sportchef und später als Verwaltungsrat demissionierte, sogar eine wichtige Identifikationsfigur. Streller hatte in seiner Funktion als sportlicher Leiter einen Trainerwechsel bereits beschlossen, musste sich schliesslich dem Machtwort von Präsident Bernhard Burgener beugen und trat ab.

Nur ein Sieg aus den ersten vier Spielen des Kalenderjahres 2020 spülte den Trainerkonflikt jetzt wieder an die Oberfläche und spaltet Basel und den FCB in ein Pro- und Kontra-Koller-Lager. Für die Basler Medien ist klar, dass sich der FCB vom Zürcher Trainer lossagen muss, die Frage sei einzig, wann. Wird Basel nicht Meister, läuft Kollers Vertrag zum Saisonende aus, es wäre wohl die angenehmste Lösung, bedinge sie nicht, dass YB oder St. Gallen Meister würde.

Koller reagiert auf die Spekulationen um seine Person, wie er es schon im vergangenen Sommer getan hat: unbeeindruckt. Er könne nicht beeinflussen, "was in andern Gremien passiert", sagte der 59-Jährige nach der 0:1-Niederlage gegen Thun am Samstag. "Also konzentriere ich mich auf meine Arbeit," fuhr Koller in seiner bekannt lakonischen Art weiter, die einige an ihm bewundern, andere verachten.

Heissblütig und umstritten

Die K.o.-Phase der Europa League bietet Koller die Gelegenheit, Argumente für seine Person zu sammeln, und dem FCB, Schwung für die Meisterschaft zu holen, gegen einen Gegner, der nicht weniger unter Druck steht. Nikosia hat seinen Trainer bereits ausgetauscht, mehrfach. Vier Mal in den letzten zwölf Monaten, zuletzt vor Wochenfrist, als der Grieche Marinos Ouzounidis von Kare Ingebrigtsen übernahm. Der Norweger war nach nur acht Spielen entlassen worden. Von den letzten sechs Coaches überstand bei den Zyprern nur einer mehr als 20 Spiele: der frühere Sion- und Lugano-Trainer Paolo Tramezzani, der APOEL in 31 Partien vorstand.

"Auf Zypern leben sie für den Fussball", hat Mickaël Facchinetti gegenüber dem "Blick" vor dieser Saison erklärt, weshalb der Druck dort um ein Vielfaches grösser sei als in der Schweiz. Der 29-jährige Defensivspieler ist nach einer Saison bei APOEL im Sommer in die Schweiz zum FC Sion zurückgekehrt. Den Eindruck von APOEL als wenig attraktivem, aber gefährlichem Los für den FCB würde er unterschreiben, selbst Ajax Amsterdam kam im August im Hinspiel des Champions-League-Playoffs in Nikosia nicht über ein 0:0 hinaus.

APOEL Nikosia ist gefährlich, auch wenn sich die Saison beim Gegner aus der zweigeteilten Hauptstadt Zyperns wie in Basel nicht nach den eigenen Vorstellungen entwickelt hat: Vor der Gruppenphase aus der Champions League ausgeschieden, im Meisterschaftsrennen in Rücklage geraten, wird der Klub jetzt auch noch mit Gerüchten über die Beteiligung an Spielmanipulationen in den nationalen Wettbewerben konfrontiert.

In einem am Montag verbreiteten Communiqué wies der Klub die Vorwürfe, die spanische Medien publik gemacht hatten, zurück. APOEL behalte sich rechtliche Schritte gegen falsche, böswillige und diffamierende Darstellungen des Klubs vor, schrieben die Zyprer auf ihrer Website. Die Botschaft war zwar nicht an den FCB gerichtet, und doch kann sie als Warnung verstanden werden: Sie sind gereizt bei APOEL, und auch in dieser Stadt, wo man für den Fussball lebt.