Indiens Premier legt Grundstein für Tempel, wo einst Moschee stand

Indiens Premier Narendra Modi hat am Mittwoch den Grundstein eines Tempels gelegt - an einem Ort, wo einst eine Moschee stand. Es ist ein Triumph für die hindunationalistische Führung des Landes, wo sich aber viele Muslime, die mit 14 Prozent der Bevölkerung die grösste Minderheit stellen, zunehmend unwohl fühlen. Der Premier sagte bei der Zeremonie am Mittwoch: "Indien ist überglücklich, da Jahrhunderte des Wartens heute ein Ende gefunden haben. Millionen hätten nicht geglaubt, dass sie diesen Tag in unserer Lebenszeit erleben würden."

Der Ort, wo der Tempel entstehen soll, hat schon lange zu Konflikten zwischen Hindus und Muslimen geführt. Für Hindus ist es der Geburtsort des wichtigen Hindu-Gottes Ram und einige glauben, dass dort vor Jahrhunderten mal ein Tempel stand, den Muslime zerstört hatten.

Für Muslime ist es ein Ort, wo einst eine jahrhundertealte Moschee stand, die Hindu-Fanatiker vor knapp 30 Jahren zerstört hatten, was zu Unruhen mit rund 2000 Toten geführt hatte. Doch das höchste Gericht der grössten Demokratie der Welt hat den Tempelbau in der nordindischen Stadt Ayodhya schliesslich Ende des vergangenen Jahres erlaubt.

Premier Modis hindunationalistische Partei hatte den Bau des Tempels in Ayodhya schon seit 1980ern versprochen. Nun erfüllt sie das alte Versprechen und appelliert damit an ihre Basis. Modi sagte, dass Gott Ram jahrelang in einem Zelt leben musste. Jetzt könne er in einem grossartigen Tempel leben, den seine Anhänger für ihn bauten.

Der Tag der Grundsteinlegung liegt genau am ersten Jahrestag der Erfüllung eines anderen Wahlversprechens. Damals hatte die Regierung der mehrheitlich muslimischen Kaschmir-Region im Himalaya einen Teilautonomiestatus entzogen, um das Gebiet stärker ins mehrheitlich hinduistische Indien zu integrieren. Viele Kaschmirer waren gegen die Neuregelung. Doch die Regierung schickte mehr Truppen in die Unruheregion, blockierte zeitweise Telefon- und Internetverbindungen und liess Hunderte Regionalpolitiker und Aktivisten festnehmen - das alles sollte den Widerstand ersticken.

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