Beerdigung von Opfern nach Explosion in Beirut - Proteste geplant

Vier Tage nach der verheerenden Explosion in Beirut sollen am Samstag viele Opfer der Katastrophe beerdigt werden. Aktivsten haben für den Nachmittag zudem zu Demonstrationen gegen die Regierung aufgerufen, die sie für die Detonation verantwortlich machen. Rettungshelfer suchen in den Trümmern weiter nach Opfern der gewaltigen Detonation. Die deutschen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) zeigten sich schockiert vom Ausmass der Zerstörung.

In Beirut wird am Samstag auch EU-Ratspräsident Charles Michel erwartet. Dort will er mit Präsident Michel Aoun, Regierungschef Hassan Diab und Parlamentspräsident Nabih Berri zusammentreffen.

Bei der Explosion am Dienstag waren mehr als 150 Menschen getötet worden, rund 5000 wurden verletzt. Grosse Teile des Beiruter Hafens wurden vollständig zerstört und auch die umliegenden Wohngebiete stark beschädigt. Bis zu 250 000 Menschen sind obdachlos. Die Explosion soll durch eine grosse Menge der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ausgelöst worden sei, die nach Regierungsangaben über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden war.

US-Aussenminister Mike Pompeo bekräftigte die Zusage von 17 Millionen Dollar an Katastrophenhilfe für den Libanon. "Wir sind weiterhin bereit, die Menschen im Libanon zu unterstützen, während sie sich von der schrecklichen Explosion am 4. August erholen", twitterte Pompeo. "Alle von dieser Tragödie Betroffenen bleiben in unseren Gedanken und Gebeten." Zugleich forderte er in einer vom State Department verbreiteten Erklärung eine "gründliche und transparente" Untersuchung des Unglücks. "Die Menschen im Libanon verdienen Rechenschaft sowie eine Regierung, die der Sicherheit und dem Wohlbefinden ihrer Bürger Priorität einräumt."

am Freitag wurden Verantwortliche des Hafens von Beirut festgenommen. Dazu zählten Zoll-Chef Badri Dahir, dessen Vorgänger Schafik Mirhi und Hafen-Direktor Hassan Kuraitim, meldete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA am Freitagabend.

Die Entscheidung sei im Zuge von Ermittlungen zu den Hintergründen der Explosion getroffen worden, hiess es weiter. Bereits am Vorabend waren 16 Hafen-Mitarbeiter festgenommen worden. Nach Justizangaben wurden bislang 18 Personen vernommen. Die Ermittlungen zur Ursache der Katastrophe laufen aber noch.

Der libanesische Präsident Michel Aoun erklärte am Freitag vor Journalisten, bei den Ermittlungen solle untersucht werden, ob die Explosion durch Fahrlässigkeit verursacht worden sei. Es solle aber auch geprüft werden, ob es möglicherweise eine "ausländische Einmischung" durch eine Rakete oder Bombe gegeben habe. Dafür gibt es allerdings bislang keinerlei Anzeichen.

Die internationale Polizeiorganisation Interpol unterstützt die örtlichen Behörden mit Experten. Dabei gehe es unter anderem um die Identifizierung von Opfern, teilte Interpol am Freitagabend in Lyon mit. Interpol werde jegliche Hilfe leisten, die vom Libanon beantragt werde, erklärte Generalsekretär Jürgen Stock.

An der Suche nach Überlebenden waren Internationale Teams beteiligt, darunter auch das THW. Ein Krisenunterstützungsteam (KUT) der Bundeswehr sollte am Freitag in Libanons Hauptstadt eintreffen. Dazu zählen Soldaten und zivile Experten, die die deutsche Botschaft unterstützen sollen.

Deutsche Rettungshelfer zeigten sich vom Ausmass der Zerstörung in Beirut schockiert. "Das Einsatzgebiet ist wirklich riesig", sagte die THW-Sprecherin Georgia Pfleiderer aus dem Einsatzgebiet der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Die Schäden seien immens. "Was hier an Gebäuden stand, das waren ja richtige Hochregallager und Grossgebäude, die liegen alle in Trümmern. Das ist wirklich eine Dimension, die ist echt atemberaubend." Ihr bisher fünfter THW-Einsatz im Ausland sei "vom Ausmass des Schadens das Grösste, was ich bisher gesehen habe".

Die Explosion hat die Wut vieler Libanesen auf die Regierung weiter gesteigert. Sie werfen der politischen Elite schon seit langem Korruption und Ausbeutung des Landes vor. Bereits im vergangenen Herbst waren Massenproteste ausgebrochen, die grundlegende politische Reformen verlangten. Durch die Explosion wächst der Druck auf die Regierung. Auch viele Staaten und internationale Organisationen verlangen im Gegenzug für finanzielle Hilfe weitgehende Reformen.

Der Libanon leidet seit Monaten unter einer der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte, die durch die Corona-Pandemie noch verschärft wurde. Vielen Libanesen sind in Armut abgerutscht. Ihnen fehlt das Geld für einen Wiederaufbau.

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