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Horrorbedingungen in Bellinzona: Warum der FC Aarau mit dem dritten Remis in Serie zufrieden sein muss

Der FC Aarau ist seit 15 Spielen ungeschlagen, konnte aber zuletzt dreimal in Serie nicht mehr gewinnen. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Und warum tat sich der FCA in Bellinzona so schwer? Trainer Brunello Iacopetta gibt nach dem 1:1-Unentschieden im Tessin Auskunft.

«Was für ein furchtbarer Grottenkick», schimpft jemand beim FC Aarau in den sozialen Medien. «Ehrlich gesagt, bin ich schockiert über diesen Auftritt», schreibt ein anderer. Nach dem 1:1 in Bellinzona am Montagabend, dem dritten Remis in Serie, herrscht bei ein paar FCA-Fans Frust. Und dies, obwohl die Aarauer dank dem Punktgewinn wieder die Tabellenführung in der Challenge League übernommen haben. Man merkt: Die Ansprüche im Aarauer Umfeld sind rasant gewachsen.

Warum blieb die hochwertige Offensive blass?

Der Auftritt gegen die AC Bellinzona war tatsächlich sehr mager. Bis auf den Eckball von Valon Fazliu, der dank eines Windstosses gefährlich an den Pfosten klatschte, und den Abschlussversuch von Sofian Bahloul, der eine Viertelstunde vor Schluss im Strafraum frei zum Abschluss kam, aber kläglich vergab, vermochten die Aarauer keine Torgefahr zu kreieren. Nur zwei Schüsse aufs Tor gaben die Aarauer ab. Den einzigen FCA-Treffer erzielte Serge Müller per Penalty.

So muss sich Trainer Brunello Iacopetta die Frage gefallen lassen, warum seine hochwertige Offensivabteilung mit Fazliu, Bahloul, Nikola Gjorgjev, Henri Koide und Yannick Toure derart blass blieb. «Der Wind und die Platzverhältnisse waren unglaublich schwierig, und unsere Stärken sind nicht so zur Geltung gekommen, wie wir es uns gewohnt sind. Gewiss waren die Bedingungen für beide Mannschaften gleich schwer, aber wir hatten offensichtlich mehr Mühe damit.» Iacopetta fügt an: «In solchen Partien muss man über den Kampf ins Spiel finden. Bellinzona kommt das sehr entgegen, bei uns ist das hingegen nicht die Kernkompetenz.»

Was Iacopetta damit meint: Der FC Aarau ist eine Mannschaft, die spielerische Lösungen sucht. Gepflegtes Passspiel – die Spieler mögen es, wenn der Ball flach durch die eigenen Reihen läuft. Denn genau dann können filigrane Techniker wie Gjorgjev, Fazliu, Bahloul und Co. ihre Qualitäten entfalten. Wenn der Rasen wie in Bellinzona allerdings grosse Mängel aufweist, verspringen die Bälle, und die Spieler werden dazu gezwungen, mit hohen und weiten Pässen zu operieren. Doch auch das gelang dem FCA im Tessin nicht. Der Trainer weiss, warum: «Der Wind hat ständig die Richtung gewechselt, man wusste nie so richtig, wohin der Ball fliegt. Das waren Horrorbedingungen für unser Spiel.»

Bellinzona mag grosse Gegner

Bellinzona hingegen ist sich diese Umstände gewöhnt. Grosse Gegner liegen ihnen auf ihrer Unterlage, auch dem FC Thun haben sie im Stadio Comunale in der Hinrunde einen Punkt abgeknüpft. Zudem haben sie St.Gallen aus dem Cup geworfen und gegen Lausanne-Sport mussten sie sich erst im Penaltyschiessen geschlagen geben: «Bellinzona ist eine Mannschaft, die den Kampf liebt. In den Zweikämpfen werden die Ellenbogen ausgepackt, da geht es dreckig zur Sache. Sie wissen genau, wie sie spielstarke Teams zur Verzweiflung bringen können.»

Die zuletzt formschwache AC Bellinzona lässt den FCA verzweifeln.
Bild: Freshfocus

Insofern ist Iacopetta mit dem Punktgewinn zufrieden. «Vor dem Match hätte ich ein Unentschieden niemals unterschrieben, aber so, wie die Partie verlaufen ist, müssen wir den Punkt dankend mitnehmen. In der zweiten Halbzeit waren sie das gefährlichere Team. Es spricht aber auch für meine Mannschaft, dass sie den Kampf angenommen und dieses komplizierte Spiel nicht verloren hat.»

Wie ist die Stimmung nach drei Remis in Serie?

So bleibt der FC Aarau ungeschlagen, und das nun bereits seit 15 Spielen in Serie. Zehn Siege und fünf Unentschieden – in den letzten fünf Monaten hat keine Mannschaft mehr Punkte gesammelt als das Team von Brunello Iacopetta. Nach dem 28. Spieltag steht der FCA punktgleich (53) mit dem FC Thun an der Tabellenspitze der Challenge League.

Entsprechend hat der Trainer nach zwei ärgerlichen Unentschieden gegen Wil und Carouge sowie einem glücklichen Punktgewinn im Tessin seinen Optimismus noch längst nicht verloren: «Ich bleibe positiv, weil ich jeden Tag sehe, wie die Mannschaft brennt und sich entwickeln möchte. Auch wenn ich diesen Zusammenhalt sehe: Wir sind eine eingeschworene Truppe und lassen uns durch Widerstände nicht so schnell verunsichern.»

Iacopetta lobt den Teamgeist seiner Mannschaft.
Bild: Freshfocus

Iacopetta führt aus: «Ich bin stolz, dass wir schon so lange ungeschlagen sind. Das zeigt, dass ein gewisses Potenzial in uns steckt. Wir sind uns bewusst, dass in dieser Liga nichts selbstverständlich ist. Deshalb werden wir weiter an uns arbeiten und den Kopf nicht verlieren. Ich bin mir sicher, wir befinden uns auf dem richtigen Weg.»

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