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Konsumentenschutz fordert: Keine Werbung für Trash-Food in den sozialen Medien

In den Lebensmitteln steckt immer noch zu viel Zucker, Salz und Fett. Der Konsumentenschutz kritisiert an der soeben publizierten Schweizer Ernährungsstrategie, dass keine verbindlichen Massnahmen geplant sind. Auch nicht für die Kinderwerbung.

Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) hat am Donnerstag die Ernährungsstrategie für die nächsten acht Jahre veröffentlicht. Der Fokus liegt darauf, nicht übertragbare Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs vorzubeugen. Ebenfalls zentral in der Strategie ist die Nachhaltigkeit der Ernährung.

In der Schweiz ist jede vierte Person (2,2 Millionen Menschen) von einer nicht übertragbaren Krankheit betroffen, Tendenz steigend. «Eine ausgewogene Ernährung sowie Bewegung und Normalgewicht tragen massgeblich zur Prävention von Krankheiten wie Diabetes bei», schreibt das EDI. Die Schweizer Bevölkerung ernähre sich jedoch unausgewogen: Zu viel Zucker, Salz und Fett und zu wenig Früchte, Gemüse und Hülsenfrüchte stehen auf dem Menüplan. Schweizweit sind rund 15 Prozent der Kinder und 43 Prozent der Erwachsenen übergewichtig oder fettleibig.

Handlungsbedarf sieht der Bund auch bei der Nachhaltigkeit. Es landen zu viele Nahrungsmittel im Abfall und belasten so die Umwelt. Die Schweiz produziert jährlich 2,8 Tonnen Foodwaste.

Aktionsplan bis Ende 2025

Der Bund möchte dieser Thematik mit vier Schwerpunkten begegnen. Kinder und Erwachsene sollen genug Informationen haben, um sich gesund ernähren und genügend bewegen zu können. Den Zucker- und Salzgehalt von Lebensmitteln will der Bund gemeinsam mit den Akteuren in der Wirtschaft reduzieren. Ebenso sollen Kinder «Werbung für zu süsse, salzige und fettige Produkte künftig weniger stark ausgesetzt sein», schreibt das EDI. Weiter will der Bund stärker mit Kantonen und Städten zusammenarbeiten und Daten zur Ernährung und Lebensmitteln erheben. Dazu gehört die nationale Erhebung «menuCH», die das Ernährungsverhalten von Erwachsenen und Kindern abbildet.

Der Konsumentenschutz reagiert am selben Tag. Er begrüsst «die Stossrichtung der neuen Ernährungsstrategie, welche auch die Nachhaltigkeit besser einbezieht», verlangt aber im Aktionsplan, mit welchem der Bund die Ernährungsstrategie bis Ende 2025 konkretisieren will, eine verbindliche Umsetzung.

Fast alle Kinderprodukte sind schädlich

Obwohl der Aktionsplan noch nicht steht, befürchtet Sara Stalder, Geschäftsleiterin beim Konsumentenschutz, dass es bei unverbindlichen Massnahmen bleiben wird. Die Stiftung konzentriert sich in ihren Forderungen auf verpflichtende Vorgaben statt wie bisher auf Freiwilligkeit, etwa im Bereich Nährwertkennzeichnung, Zuckerreduktion oder Werbung. «Freiwillige Massnahmen zur Reduktion der Bewerbung von übersüssen oder –fettigen Lebensmitteln haben beispielsweise nicht gefruchtet. Es braucht deshalb eine gesetzliche Grundlage, um diese Werbung zu beschränken.» Das sei bei den derzeitigen Mehrheiten im Parlament aber kaum möglich. Deshalb will der Konsumentenschutz immerhin klare Vorgaben vonseiten des Bundes, die man dann überprüfen und einfordern könne. «Wir fänden es zum Beispiel sinnvoll, wenn Kindern auf den sozialen Medien keine Werbung für Trash-Food gezeigt würde, weil sie dort damit alleingelassen werden.»

Gemäss einerMarkterhebungdes Konsumentenschutzes von 2022 sind 94 Prozent der Produkte bei Aldi, Coop, Migros und Lidl, die sich spezifisch an Kinder richten, zu süss, zu salzig oder zu fettig. Die Weltgesundheitsorganisation WHO untersagt jegliche Werbung für solche nicht ausgewogenen Lebensmittel. Im Durchschnitt enthalten die untersuchten Produkte fast 33 Prozent Zucker. «Diese Produkte dürfen in der Schweiz immer noch ohne Einschränkung beworben werden», sagt Stalder. Der Kommentar des Konsumentenschutzes zur Markterhebung war eindeutig: Freiwilligkeit greift nicht.