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Plötzlich wieder wie beste alte Freunde – Regierungschefs senden deutliche Botschaft an den US-Präsidenten

Trump sei Dank: Dänemark und Grönland rücken wieder näher zusammen. Doch der Wunsch nach Unabhängigkeit bleibt trotz Mette Frederiksens Staatsbesuch auf der Insel stark.

Zusammenarbeit, Gleichberechtigung, Sicherheit – es waren grosse Worte, mit denen die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen am Donnerstag das neue Verhältnis zu Grönland beschrieb. Die Sozialdemokratin ist zwei Tage lang zu Besuch in der ehemaligen Kolonie, die heute Teil des dänischen Königreichs ist. Ein Besuch unter Freunden, die nun Schulter an Schulter stehen wollen, um sich gegen Trumps aggressive Pläne, die arktische Insel zu übernehmen, zu wehren.

Frederiksen sagte am Abend direkt an die USA gerichtet, auch auf Englisch: «Man kann nicht andere Länder annektieren, auch nicht mit dem Argument internationaler Sicherheit.» Dänemark und Grönland seien auf jeden Fall bereit, gemeinsam mit den USA die Sicherheit in der Arktis zu stärken. Auch sei eine höhere Präsenz des US-Militärs willkommen. Aber die Integrität von Territorium müsse eingehalten werden.

«Grönland wird nie ein Teil der USA», erklärte Jens-Frederik Nielsen seinerseits, der nächste Woche neuer grönländischer Regierungschef wird. Sein Land sei offen für Handel und eine starke Partnerschaft mit den USA, «aber mit gegenseitigem Respekt». Dänemark und Grönland, so Nielsen, müssten näher zusammenrücken.

Vieles war bei diesem Besuch von starker Symbolik geprägt, zum Beispiel die Rundfahrt der Regierungschefs mit dem dänischen Marineschiff «Widder» zwischen den Eisbergen vor Nuuk. Mit dabei war der noch amtierende Regierungschef Mute Egede. Er hatte Frederiksen am Flughafen begrüsst, und auch dort waren die Bilder vielsagend: Die Ehepartner der beiden waren dabei, und alle vier umarmten sich innig, als würden sich alte Freunde wieder treffen.

Komplette Umkehr der Stimmung

Dabei war das Verhältnis noch im Dezember unterkühlt. Egede sorgte für Furore, als er erklärte, er wolle bei der Selbstständigkeit aufs Tempo drücken, und er sprach vielen Grönländern aus dem Herzen, als er die Kolonialvergangenheit und begangenes Unrecht kritisierte. Der grundsätzliche Wusch, in Zukunft einmal ein unabhängiges Land zu sein, bleibt also stark – sofern das in Zukunft ökonomisch und politisch möglich und sinnvoll ist.

Aber die Stimmung hat in den letzten Wochen wegen Trump komplett gedreht. In der Bevölkerung herrscht offene Abneigung gegen die USA – im Moment möchte man ein so enges Verhältnis zu Dänemark wie nur möglich. «Wir haben jetzt wirklich eine gute Zusammenarbeit», lobte Egede Mette Frederiksen. Diese betonte in den letzten Wochen immer wieder das Selbstbestimmungsrecht der Insel.

Symbolträchtig: Mette Frederiksen, Jens-Frederik Nielsen und Mute Bourup Egede (von links) sprechen an Bord der «Widder» zu den Medien.
Bild: Mads Claus Rasmussen/EPA

«Grönland gehört den Grönländern», wiederholte sie in Nuuk. Sie hat auch die Unterstützung ihrer nordischen Amtskollegen und der Europäer mit im Gepäck, die auf die Rechte Grönlands pochen. Gleichzeitig erklärte Aussenminister Lars Lökke beim Nato-Treffen in Brüssel seinem US-Kollegen Marco Rubio, die Äusserungen Trumps bezüglich Grönland seien «unhaltbar».

Donald Trump macht derweil keinerlei Anstalten, von seinem Plan abzurücken. Die «Washington Post» schrieb unter Berufung auf anonym zitierte Beamte, in der Finanzverwaltung des Weissen Hauses werde eifrig gerechnet, was Grönland einbringen könnte – zum Beispiel mit Rohstoffverkäufen.

Ebenfalls Teil der Rechnung ist ein Betrag, mit dem die USA die heutigen dänischen Zahlungen an Grönland überbieten könnten. Dänemark trägt knapp die Hälfte des Budgets der Insel und überweist umgerechnet mehr als 750 Millionen Franken pro Jahr. Trumps Idee ist offenbar, Grönland mit der Aussicht auf eine goldene Zukunft zu den USA zu locken.

Allerdings könnte er sich leicht verschätzen: Die Grönländer haben wieder und wieder erklärt, ihre Heimat stehe nicht zum Verkauf – ihr Ziel sei vielmehr Unabhängigkeit.