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Schonende Behandlung bei Hirntumoren

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Die Diagnose Hirntumor ist erst einmal ein Schock. Dank moderner Hochpräzisionsbestrahlung lassen sich allerdings vor allem kleine Tumore per Radiochirurgie im Idealfall ohne Eingriff und innerhalb einer Sitzung behandeln.

Plötzlich war Rebekka Schmid* schwindlig. Der Hausarzt der 63-Jährigen wollte der Ursache auf den Grund gehen und überwies seine Patientin ins Kantonsspital Aarau. Bei einem MRI kam es im Sommer vor vier Jahren zu einem Zufallsbefund, der nichts mit dem Schwindel zu tun hatte: Meningeom. Hirntumor. «Das war natürlich ein Schock», erinnert sie sich.

Obschon der Tumor gutartig war, musste sich Rebekka Schmid jährlichen Kontrollen unterziehen. Letzten Sommer dann der nächste Schock: Der Tumor wächst. «Eine Behandlung war sinnvoll, um ein weiteres Wachstum des Tumors und somit Symptome durch den Druck des Tumors auf das umliegende Hirngewebe zu verhindern», erklärt die behandelnde Ärztin Dr. med. Lucia Schwyzer, Oberärztin mbF Neurochirurgie und Co-Leiterin Hirntumorzentrum im Kantonsspital Aarau.

Hohe Wirksamkeit, kleines Risiko

Die gute Nachricht: Es ist keine Operation nötig. Stattdessen kann sich Rebekka Schmid einer Radiochirurgie, einer modernen Hochpräzisionsbestrahlung, unterziehen, die eine punktgenaue, hoch dosierte Behandlung unter anderem von Tumoren und Metastasen ermöglicht.

«Diese Art von Bestrahlung ist dann am besten, wenn der Tumor nicht grösser als eine Traube ist und sich nicht in der Nähe kritischer Strukturen im Gehirn befindet», erklärt Dr. med. Susanne Rogers, stellvertretende Chefärztin und Co-Leiterin Radiochirurgie am Kantonsspital Aarau. Die Fachexpertinnen und Fachexperten im Kantonsspital Aarau können zudem in derselben Bestrahlung mehrere Hirnmetastasen gleichzeitig behandeln. Das spart den Patientinnen und Patienten viel Zeit.

Zwei weitere Vorteile einer Radiochirurgie bestehen in der schonenden Behandlung und den hohen Erfolgsaussichten. «Die Wirksamkeit liegt bei über 90 Prozent, während sich das Risiko allfälliger Nebenwirkungen im Bereich von unter 5 Prozent bewegt», sagt Susanne Rogers. Im Unterschied zur konventionellen Radiotherapie, die in der Regel über mehrere Wochen verabreicht wird, braucht es für stereotaktische Radiotherapien nur wenige Bestrahlungssitzungen – typischerweise eine bis fünf –, die noch dazu ambulant durchgeführt werden können.

Dr. med. Lucia Schwyzer (l.), Oberärztin mbF Neurochirurgie und Co-Leiterin Hirntumorzentrum, sowie Dr. med. Susanne Rogers, stellvertretende Chefärztin und Co-Leiterin Radiochirurgie.

Ambulante und effiziente Behandlungsmethode

Auch Rebekka Schmid ist von den Vorteilen dieser Behandlungsmethode überzeugt. Nur eins machte ihr Sorgen: Die Kopf- und Gesichtsmaske, die sie für den Eingriff tragen musste. «Die Idee, eine Maske auf dem Gesicht zu tragen, löste ein mulmiges Gefühl in mir aus», erklärt Schmid. «Die hohe Präzision der Stereotaxie lässt sich nur sicherstellen, indem der Kopf der Patientin oder des Patienten fixiert wird», erklärt die stellvertretende Chefärztin Susanne Rogers.

«Zum Glück war meine behandelnde Ärztin, Frau Schwyzer, vor Ort, um mich über alle Schritte zu informieren. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben. Das nahm mir die Angst», erinnert sich Rebekka Schmid. Nicht einmal eine Stunde dauerte die ambulante Behandlung. Seither ist fast ein Jahr vergangen. «Der Tumor ist stabil. Wir müssen die Entwicklung weiterhin überwachen, aber die Chancen stehen gut, dass es bei dieser einen Behandlung bleibt», so Ärztin Lucia Schwyzer.

Know-how ist entscheidend

Das KSA verfügt als eine von ganz wenigen Kliniken in der Schweiz über ein Spezialgerät für hochauflösende stereotaktische Bestrahlungen. Obschon modernste Geräte für diesen Eingriff wichtig sind, sind es letztlich das grosse Fachwissen und die Erfahrung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte, die ausschlaggebend für den Erfolg einer Behandlung sind. Im KSA werden zurzeit ca. 350 Patientinnen und Patienten pro Jahr mit einer Hochpräzisionsbestrahlung behandelt. In der Klinik für Radio-Onkologie wurde ein interdisziplinäres Stereotaxie-Team gegründet, dem neben Ärztinnen und Ärzten aus der Radio-Onkologie, der Neurochirurgie und der Neuroradiologie auch Physikerinnen und Physiker angehören.

«Die Physikerinnen und Physiker schauen, aus welchem Winkel die Bestrahlung durchgeführt werden muss, um kritische Strukturen zu schonen, und sie helfen bei der Qualitätskontrolle», erzählt Susanne Rogers weiter. Nicht zuletzt dank dieser interdisziplinären Zusammenarbeit hat das Kantonsspital Aar­au mittlerweile einen beachtlichen Leistungsausweis, wenn es um Stereotaxie-Behandlungen geht.

Alice Graf

* Name der Patientin geändert.$

«Die Patienten verspüren bei der Behandlung keine Schmerzen»

«Die Kopfmaske kann sich eng anfühlen, ist aber ein wichtiges Instrument, um die erforderliche Genauigkeit zu erreichen», sagt Dr. med. Susanne Rogers, stellvertretende Chefärztin und Co-Leiterin Radiochirurgie am Kantonsspital Aarau. 
Bild: zvg

Frau Rogers, ist die beschriebene Radiochirurgie-Behandlung für die Patienten schmerzfrei?

Dr. med. Susanne Rogers: Ja, die Radiochirurgie ist eine nicht invasive Behandlung, die mit Hochenergie-Röntgenstrahlen durchgeführt wird. Die Patientinnen und Patienten verspüren keine Schmerzen. Die Kopfmaske kann sich eng anfühlen, ist aber ein wichtiges Instrument, um die erforderliche Genauigkeit zu erreichen.

Bei dieser Behandlungsmethode ist das Risiko von Nebenwirkungen klein. Welche können das sein?

Hirntumore können nach einer Radiochirurgie vorübergehend anschwellen. Manchmal wird eine kurze Kortisontherapie verordnet, um das Risiko von Nebenwirkungen zu verringern. Selten kommt es zu einem Druckgefühl im Kopf und sehr selten zu einem erneuten Auftreten epileptischer Anfälle.

Wie oft ist nach einer solchen Behandlung ein Kontrolltermin nötig?

Ein Schädel-MRT wird alle drei Monate empfohlen, um neue Metastasen frühzeitig zu erkennen und sie gezielt radiochirurgisch behandeln zu können. (zt)

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