
Veränderungen nach der Schwangerschaft bleiben länger als gedacht
Lange wurde die Ansicht vertreten, dass sechs oder acht Wochen nach einer Schwangerschaft der Körper der Mutter wieder im Normalzustand ist. Das sei falsch, sagt Christoph Lees vom Imperial College London. Er verweist auf Resultate einer israelischen Studie vom Weizmann Institute of Science, wie das Fachjournal «New Scientist» berichtet.
Untersucht wurden die Blutproben von 160’000 Frauen im Alter zwischen 25 und 31 Jahren, die zusammen über 300’000 Schwangerschaften hinter sich hatten. «Dabei erhielten wir einen noch nie dagewesenen Einblick in die Art und Weise, wie sich der Körper der Mutter Woche für Woche verändert, um die unglaubliche Belastung zu kompensieren, und wie lange er braucht, um sich nach der Geburt zu erholen», sagt Uri Alon vom Weizmann Institute.
Die Forscher untersuchten 76 Blutmarker wie zum Beispiel den Gehalt an Proteinen, Fetten und Salzen, welche die Funktion von Leber, Nieren, Blut, Muskeln, Knochen und Immunsystem anzeigen. Die Wissenschafter stellten fest, dass sich 36 der Marker innerhalb eines Monats nach der Entbindung erholten. 31 Marker brauchten dafür aber mehr als zehn Wochen.
So dauerte es beispielsweise bei einigen Veränderungen der Leber und des Immunsystems etwa fünf Monate, bis das Niveau von vor der Schwangerschaft wieder erreicht war. Auch beim mit der Schwangerschaft sinkenden Eisenspiegel geht man von einer Erholung nach einem Jahr aus – die Ergebnisse könnten jedoch darauf hindeuten, dass es manchmal noch länger gehen könnte. Was diese Resultate für die Gesundheit der Frau genau bedeuteten, müsse aber noch weiter untersucht werden, so Alon.

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Risiko von Präeklmpsie wird abschätzbar
In einer weiteren Analyse untersuchte das Team die Marker bei Frauen, die an Präeklampsie litten – einem Zustand während der Schwangerschaft, bei dem hoher Blutdruck zu Kopfschmerzen, Sehstörungen und Frühgeburten führen kann. Nun deuten Studien darauf hin, dass diese Präeklampsie sich nicht erst während der Schwangerschaft entwickelt, sondern schon zuvor vorliegen kann.
Die Marker aus der Weizmann-Studie könnten helfen, Frauen mit hohem Präeklampsie-Risiko vorzeitig zu identifizieren, um danach das Risiko mit gezielten Massnahmen zu reduzieren.