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Wenn die Systeme versagen – auch in der scheinbar perfekten Schweiz kommt es immer wieder zu Pannen

Am Mittwochmorgen ging im Schweizer Luftraum gar nichts mehr. Es ist nicht das erste Mal, dass technische Pannen alles lahmlegen.

Schockmoment für Flugreisende. Am Mittwochmorgen sperrte die Flugsicherungsfirma Skyguide den Luftraum. Grund dafür war eine technische Störung im Bereich der Computersysteme. Skyguide meldete die Schliessung um 6.30 Uhr. Zwei Stunden später erklärte sie das Problem für gelöst. Der Flugbetrieb könne wieder aufgenommen werden.

Wegen der Sperrung mussten Flugzeuge an andere Flughäfen umgeleitet werden, Abflüge verzögerten sich oder fielen ganz aus. Der Vorfall kratzt am Image der perfekt funktionierenden Schweiz. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es auch in der angeblich so perfekten Schweiz immer wieder zu kleineren und grösseren Ausfällen kommt. Hier eine Auswahl.

Juni 2021: Kein Abheben, kein Zahlen, kein Twinten – Störung bei Zahlungsfirmen

Funktioniert nach zweieinhalb problemreichen Stunden wieder: der Zahlungsverkehr von Postfinance – und damit auch die Twint-App.
Keystone

Zwei Stunden lang ging nichts mehr bei den Kunden der Postfinance – und das ausgerechnet am Pfingstsamstag, wenn viele einkaufen. So geschehen am 4. Juni dieses Jahres. Es war bei der Bank der Post zu einem technischen Problem gekommen. Aus der ganzen Schweiz meldeten Nutzer der Dienstleistungen, dass sie an der Kasse oder am Bankomaten gestrandet sind. Auch Kunden anderer Banken meldeten am gleichen Tag Probleme mit ihren Bankkarten – so etwa die Kunden von Raiffeisen und UBS.

Juli 2021: Ausfall der Notfallnummern bei der Swisscom

Polizei, Feuerwehr oder die Ambulanz waren nicht mehr auf ihren Notrufnummern erreichbar. Dies geschah in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli. Es war ein heikler Zeitpunkt, weil in Teilen der Schweiz damals Hochwassergefahr herrschte. Gemeinden mussten Notfallposten besetzen, um eine Alarmierung sicherzustellen. Der Ausfall ging auf eine Störung des Festnetzes zurück, wie der Staatskonzern später erklärte.

Die Plattform «Alert Swiss» warnte im Juli 2021 davor, dass die Notrufnummern nicht mehr erreichbar waren.
Keystone

Der Ausfall reihte sich ein in eine Pannenserie bei der Swisscom. Ende März 2021 fiel praktisch das ganze Mobilfunknetz aus, im November 2020 konnten die Kunden während zweier Stunden nicht telefonieren. Eine Panne im Mai 2020 betraf ebenfalls die Notrufnummern. Sie konnten während dreier Stunden nicht vom Natel aus erreicht werden.

Das zuständige Bundesamt für Kommunikation von Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) teilte nach der Panne mit, Ausfälle bei Notrufdiensten seien «sehr schwerwiegende Pannen und für den Bund nicht akzeptabel».

Juni 2005: Blackout bei den SBB

Der wohl grösste Systemausfall der Schweizer Geschichte geschah am 22. Juni 2005 um 17.35 Uhr. Bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) fiel der Strom im gesamten Netz aus. Rund 200’000 Reisenden standen in 1500 Zügen still. Später stellte sich heraus, dass eine Verkettung von Fehlern und Pannen zum Totalausfall führte.

Eine Frau sitzt auf dem Bahnsteig des Bahnhofs von Lausanne, Schweiz, am Mittwoch, 22. Juni 2005. Das gesamte Netz der Schweizerischen Bundesbahnen war wegen eines Stromausfalls stillgelegt worden, sodass Zehntausende von Pendlern festsitzen.
KEYSTONE/Laurent Gillieron

Am Anfang standen Stromleitungen zwischen Norden und Süden. Zwei von drei Leitungen waren abgeschaltet, bei der dritten kam es zu einer Überlastung. Die einzige noch funktionierende Leitung fiel aus. Im Süden der Schweiz schalteten sich die Kraftwerke daraufhin ab, weil die Energie nicht genügend abfloss, im Norden, weil sie überlastet waren.

Die SBB kamen später zum Schluss, dass der Ausfall mit einer besseren Reaktion hätte wesentlich eingedämmt werden können und stellt interne Abläufe um.

Frühling 2000: Päckli-Chaos bei der Post

Die Post nahm zur Jahrtausendwende drei neue Paketverarbeitungszentren in Härkingen SO, Daillens VD und Frauenfeld TG in Betrieb. Der Name «Paketpost 2000» klang gut, der Start lief aber alles andere als optimal. Es kam zu Softwarestörungen bei der automatischen Paketsortierung.

Am Anfang sprach die Post noch von «Kinderkrankheiten», später etablierte sich aber der Name «Päckli-Chaos» für die damaligen Pannen. Die «Solothurner Zeitung» fragte damals «Paketpost – Schneckenpost?», die «Berner Zeitung» konstatierte derweil «Immer Ärger mit der Post».

Ab 2000 hätte es automatisch gehen sollen. Es harzte aber. Ein Pöstler sortiert im Juni 1999 in Härkingen Pakete.
Keystone

Die Post kostete das Chaos rund 80 Millionen Franken, unter anderem, weil sie zusätzliches Personal einstellte und Porto an Kunden zurückzahlte, deren Sendung verspätet ankam.