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«Bei jedem Fehler mussten sie ein Kleidungsstück ausziehen»: Neue Details in Turn-Skandal enthüllt

Vor wenigen Tagen enthüllte die «Gazzetta dello Sport» Vorfälle, die sich im italienischen Turnverband ereignet haben sollen. Diese weiten sich nun aus, belasten nicht mehr nur die technische Direktorin und Cheftrainerin der Rhythmischen Sportgymnastik, sondern auch die ehemalige Nationaltrainerin.

Der Skandal im italienischen Turnverband weitet sich aus. Nachdem die technische Direktorin und Cheftrainerin der Rhythmischen Sportgymnastik Emanuela Maccarani vor einigen Tagen freigestellt wurde, enthüllt die «Gazzetta dello Sport» nun weitere Vorfälle. Diese belasten auch die Ex-Nationaltrainerin Julieta Cantaluppi.

So solle die ehemalige Stellvertreterin Maccaranis, Olga Tishina, in einem Telefonat im November 2022 zur technischen Leiterin der Gymnastikabteilung gesagt haben: «Bei Cantaluppi ist alles viel schlimmer. Bei ihr gibt es Misshandlungen. Sie liess Sofia Raffaeli und Serena Ottaviani den Reifenwurf machen und bei jedem Fehler mussten sie ein Kleidungsstück ausziehen.» Am Ende hätten die Athletinnen nur noch ihre Unterwäsche getragen.

Es sei nicht der einzige schockierende Vorfall, der sich in Cantaluppis Zeit als Nationaltrainerin (2013 bis 2023) zugetragen habe. «Sie sperrte Athletinnen in einen kleinen, kalten Raum, ohne Handy, ohne alles, weil sie schlecht trainierten. Sie bestrafte sie dafür und liess sie auf dem Boden sitzen», erklärte Tishina in dem Telefonat, das durch die Prozessakten gegen Maccarani öffentlich wurde. Von diesen Praktiken Cantaluppis seien auch Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren betroffen gewesen.

Raffaeli, die bei den Olympischen Spielen in Paris im letzten Sommer Bronze gewann, sei zudem einmal vor einer Trainerin auf die Knie gezwungen worden, um sie anzuflehen, dass sie ihre Entschuldigung für einen Fehler bei einer Übung annimmt. Noch wurde gegen Cantaluppi aber keine offizielle Beschwerde eingereicht.

Erstmals kamen im November 2022 Missbrauchsvorwürfe im italienischen Turnverband auf. Die vor Kurzem entlassene Maccarani solle einige Sportlerinnen zu drastischen Fastenprogrammen gedrängt und mehrfach verspottet haben, wie die frühere Athletin Nina Corradini in einem Buch beschreibt.

Ein italienisches Sportgericht hatte Maccarani bereits wegen beleidigender Aussagen verwarnt. Bislang durfte sie ihre Tätigkeit aber fortsetzen. Die 58-Jährige weist die Anschuldigungen zurück und erklärte, «ohne Vorwarnung» entlassen worden zu sein. Die Sportlerinnen seien traurig gewesen, als sie davon erfahren haben.

Dass Maccarani zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe entlassen wird, liegt am Wechsel an der Spitze des Verbands. Der neue Präsident, Andrea Facci, kündigte einen grundlegenden Kulturwandel an. Facci soll sich in einem Gespräch mit seinem Vorgänger Gherardo Tecchi aber sexistisch über Turnerinnen geäussert haben.

Der italienische Turnverband ist nicht der einzige, bei dem derzeit wegen Missbrauch ermittelt wird. Auch in der deutschen Turnszene gab es Ende des vergangenen Jahres Vorwürfe von Turnerinnen und Ex-Athletinnen, welche die Staatsanwaltschaft derzeit beschäftigen.(nih/watson)

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