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Steigende Coronafälle: Warum 2G trotzdem der falsche Weg für die Schweiz wäre

In Österreich gilt vielerorts die 2G-Regel, angesichts rapide steigender Infektionszahlen kommt diese Verschärfung nun auch in der Schweiz aufs Tapet. Was ist davon zu halten?

Wer hätte das gedacht? Zehn Monate, nachdem in der Schweiz die ersten Coronaimpfungen verabreicht wurden, bäumt sich eine fünfte Welle auf, und das Land muss noch einmal nach Gegenmassnahmen suchen. Ein bisschen Zeit zum Debattieren bleibt noch, denn erstaunlicherweise ziehen die Spitaleinweisungen noch nicht im gleichen Masse an, wie das aufgrund der Fallzahlen inzwischen zu erwarten wäre.

Noch droht keine Überlastung der Spitäler. Aber dass diese mit Verzögerung wieder an ihre Grenzen stossen, ist leider wahrscheinlich. Das zeigt auch der Blick ins nahe Ausland. Dort ist zwar oft die Impfquote höher, aber es ist davon auszugehen, dass es dafür in der Schweiz mehr Genesene gibt. Klar ist: Es gibt noch viel zu viele Schweizerinnen und Schweizer ohne Grundimmunität. Und diese werden nun durchseucht.

Maskentragen, Abstand halten, Homeoffice, Treffen in kleinen Gruppen in Innenräumen – dass diese Massnahmen wirken, wissen wir inzwischen. Doch die Geimpften sind wenig motiviert, sie zum Schutz der Ungeimpften erneut zu befolgen. Darum wird auch bei uns der Ruf nach der 2G-Regel lauter. Getestete würden somit ausgeschlossen.

Nur noch Geimpfte und Genesene zu Veranstaltungen und in Restaurants lassen? Kann man machen. Nützt aber wenig: Frisch Getestete sind in einem Raum kaum gefährlicher als Geimpfte. Zumal die unzuverlässigen Nasenabstriche nun verboten sind. Nicht einmal die Durchseuchung wird damit deutlich abgebremst, weil sich die Ungeimpften weiter in den Familien, beim Einkaufen oder am Arbeitsplatz an der infektiösen Deltavariante anstecken.

Erreicht wird mit 2G einzig, dass der Druck, sich impfen zu lassen, noch einmal erhöht wird. Aber es gibt keine Anzeichen, dass sich noch besonders viele Impfzögerer umstimmen lassen. Sie nehmen schon lange ein schweres Krankheitsrisiko in Kauf.

Da man ausserdem erst rund sechs Wochen nach der ersten Impfdosis gut immunisiert ist, wird die Regel auch nicht als Notbremse taugen, wenn sich die Spitäler wieder dramatisch füllen.

Wenn man 2G trotzdem einführt, dann sollte der Bundesrat dies nicht als Massnahme zum erhöhten Schutz bei Veranstaltungen oder in Restaurants anpreisen. Sondern ehrlich deklarieren, worum es geht: Dass man nach fast zwei Jahren der Pandemie kein Verständnis mehr für all jene hat, die das Ende hinauszögern, weil sie sich nicht impfen lassen.