
Nächste Revolte nach Djokovic-Klage: Jetzt stellen Alcaraz, Sabalenka und Co. Millionen-Forderung
Keine zwei Wochen nachdem die von Novak Djokovic mitgegründete Spielervereinigung PTPA angekündigt hat,vier Organisationen im Tennis vor Gerichte in den USA, in Grossbritannien und Europa zu zerren, kocht der Unmut erneut über. Damals noch ungeschoren davongekommen sind die Grand-Slam-Turniere – Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open –, bei denen mit Abstand am meisten Geld generiert wird.
Doch jetzt nimmt eine Gruppe der jeweils 20 Weltbesten bei Männern und Frauen die Major-Turniere ins Visier, wie die französische Sportbibel «L’Equipe» berichtet. Demnach fordern sie in einem Schreiben an diese vier Turniere eine deutliche Erhöhung der ausgeschütteten Preisgelder.
Die Spieler argumentieren, sie würden als Hauptakteure der Turniere nicht adäquat an den in den letzten Jahren noch einmal gestiegenen Einnahmen partizipieren. Die Forderungen sind nicht neu und ein Dauerstreitthema. Als Referenz dient Arina Sabalenka, Carlos Alcaraz und Co. die NBA, die 50 Prozent der Einnahmen der Liga an die Basketballspieler ausschüttet.

Bild: Cristobal Herrera-Ulashkevich / EPA
Eine halbe Milliarde Franken Umsatz
Ein weniger freundliches Bild ergibt sich hingegen im Tennis. So belief sich das gesamte Preisgeld der French Open in Paris im vergangenen Jahr auf 53,5 Millionen Franken. Das sind nur 16 Prozent der gesamten Einnahmen der Organisatoren, die geschätzte 338 Millionen Franken betrugen.
Grand-Slam-Turniere sind wahre Goldesel. Sie generieren Einnahmen aus dem Ticketverkauf, Sponsoring, aus Fernsehrechten und Merchandising in der Höhe von mehreren hundert Millionen Franken. Die US Open etwa wiesen 2023 einen Umsatz von mehr als einer halben Milliarde Franken aus.
Unter dem Dauerdruck der Spielerinnen und Spieler sind die Preisgelder in den vergangenen Jahren erhöht worden, wovon jene stärker profitieren, die in den ersten Runden scheitern. Alleine zwischen 2016 und 2025 hat sich etwa die ausgeschüttete Summe bei den Australian Open verdoppelt, in den letzten zwei Jahrzehnten stieg das Preisgeld um über 400 Prozent.

Bild: Andy Wong / AP
TV-Reichweite: 2 Milliarden Menschen
2024 schütteten die Grand-Slam-Turniere eine Rekordsumme von 254 Millionen Dollar an Preisgeldern aus – im Vorjahr waren es 231 Millionen Dollar gewesen. Gleichzeitig verzeichneten sie eine Zuschauerzahl von insgesamt 3,36 Millionen Menschen, ein Plus von 10 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Jahr. Die globale TV- und Streaming-Reichweite überschritt die Marke von 2 Milliarden Menschen in mehr als 200 Ländern.
Die Forderung der Spielerinnen und Spieler kommt nicht überraschend. Bereits in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Diskussionen über die ungleiche Verteilung der Einnahmen. Doch mit dem aktuellen Brief, der von den besten 20 Tennisspielerinnen und -spielern der Welt unterzeichnet wurde, bekommt die Debatte eine neue Dringlichkeit.
Drohen Proteste und Boykotte?
Die vier Grand-Slam-Turniere haben sich bislang nicht zum brisanten Schreiben geäussert. Doch es ist absehbar, dass sie sich der Diskussion stellen müssen. Protestaktionen sind zwar nicht ausgeschlossen, Boykotte aber dürften ausbleiben, weil sie von fast allen Spielerinnen und Spielern mitgetragen werden müssten. Zudem fehlen alternative Turnierformate. Für Tennisprofessionals sind die vier Grand-Slam-Turniere alternativlos.
Die Organisatoren haben wenig Anreiz, ihre Gewinnmargen zu reduzieren, zumal das Interesse an den Grand Slams ungebrochen hoch ist. Doch der wachsende Druck der Spielerschaft könnte mittelfristig zu Anpassungen führen. Sie haben klargemacht: Wir wollen mehr vom grossen Kuchen.