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«Dabei, dieses Land in den Bankrott zu treiben»: Reaktionen auf Trumps Zollhammer

Strafzölle von 31 Prozent auf importierte Güter. Der US-Präsident belegt den Rest der Welt mit unerwartet hohen Abgaben. Die Reaktionen sind heftig.

Reaktionen aus der Schweiz

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter hat auf die von US-Präsident Donald Trump am Mittwochabend angekündigten Zölle in der Höhe von 31 Prozent auf Schweizer Exporte in die USA reagiert. Der Bundesrat nehme die Zoll-Entscheide der USA zur Kenntnis, schrieb sie auf X.

Der Bundesrat werde rasch das weitere Vorgehen festlegen, schrieb die Bundespräsidentin weiter. Im Vordergrund stünden die langfristigen wirtschaftlichen Interessen des Landes. «Treue zum internationalen Recht und Freihandel bleiben zentrale Werte», so Keller-Sutter.

GLP-Fraktionspräsidentin Corina Gredig hält fest, dass die Schweiz höhere Zölle bekommt als die EU.

Cédric Wermuth erwartet eine deutliche Antwort des Bundesrats. «Das können wir uns nicht gefallen lassen», schreibt der SP-Co-Präsident.

Sanija Ameti, Co-Präsidentin der Operation Libero, kramt ein Zitat von Bundesrat Albert Rösti hervor.

Economiesuisse

Der Schweizer Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat nach Ankündigung von US-Zöllen auf Schweizer Exporte vom Bund die Verhinderung einer weiteren Eskalation gefordert. Nachvollziehbare Gründe für die Zölle gibt es laut dem Verband aus wirtschaftlicher Sicht keine.

Die erfolgte handelspolitische Eskalation bedeute eine «ernsthafte Belastung» für die Schweizer Exportwirtschaft, schrieb Economiesuisse in einer in der Nacht auf Donnerstag auf der Plattform X veröffentlichten Stellungnahme.

Die neuen US-Zölle würden nicht nur die Schweizer Exporte verteuern, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen schwächen und das Investitionsklima belasten. Das geschehe in einer Phase, in der sich die Exportaussichten in anderen Absatzmärkten bereits eingetrübt hätten, schrieb der Verband. Die USA seien noch vor Deutschland der wichtigste Exportmarkt der Schweiz.

Der Bundesrat und die Schweizer Wirtschaftsdiplomatie seien gefordert, am Verhandlungstisch mit der US-Regierung rasch Lösungen zu finden. Die Schweiz habe gute wirtschaftliche Argumente auf ihrer Seite, schrieb Economiesuisse. «Die Importzölle der Schweiz liegen insgesamt schon heute deutlich unter jenen der USA», hiess es in der Stellungnahme. Würden neben den Gütern auch Dienstleistungen berücksichtigt, resultiere zwischen der Schweiz und den USA «ein annähernd ausgeglichener Handel».

Internationale Reaktionen

China

China hat den USA nach der Verkündung weiterer Zölle durch US-Präsident Donald Trump mit Gegenmassnahmen gedroht. Die Volksrepublik habe die Ankündigung wechselseitiger Zölle zur Kenntnis genommen und lehne diese entschieden ab, teilte das Handelsministerium mit.

Bereits vor der Ankündigung hatten die USA Waren aus China, der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, mit 20 Prozent Zöllen belegt, worauf Peking mit eigenen Massnahmen reagierte. Nun treffen die Volksrepublik zusätzlich Aufschläge von 34 Prozent, was die Zollbelastung für viele Produkte aus Fernost in Summe auf mehr als 50 Prozent steigen lässt.

Die wechselseitigen Zölle, die auf «subjektiven und einseitigen Einschätzungen der USA» beruhten, stünden nicht im Einklang mit den internationalen Handelsregeln, kritisierte das Handelsministerium. «Rechte und Interessen der betroffenen Parteien» würden untergraben, es handele sich um eine «typisch einseitige Art der Schikane». Die Behörde forderte die US-Regierung auf, ihre Zölle unverzüglich aufzuheben und Differenzen im Dialog zu lösen.

Japan

Japan hat mit ernster Besorgnis auf die US-Ankündigung eines gewaltigen Zollpakets reagiert. Man habe der amerikanischen Seite gesagt, dass die Massnahmen «äusserst bedauerlich» seien, sagte Regierungssprecher Yoshimasa Hayashi zu japanischen Journalisten. Man habe «nachdrücklich gebeten», die Massnahmen zu überdenken. Trumps Regierung will neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern einführen. Hinzu kommen individuelle Strafabgaben – im Falle der Hightech-Nation Japans sind es 24 Prozent.

Japans Ministerpräsident Shigeru Ishiba wies laut örtlichen Medienberichten die betroffenen Minister seiner Regierung an, die Auswirkungen auf das eigene Land eingehend zu prüfen. Der japanische Handelsminister Yoji Muto sprach demnach mit seinem US-Kollegen Howard Lutnick und sagte ihm, dass das US-Zollpaket Unternehmen erschweren werde, auf dem US-Markt zu investieren und der grössten Volkswirtschaft der Welt schaden werde.

Zur Frage möglicher Vergeltungsmassnahmen wollte sich Muto vor der heimischen Presse nicht konkret äussern. Man werde abwägen müssen, was dem nationalen Interesse Japans dienlich sei, wurde der Handelsminister zitiert.

Europa

Die EU bereitet nach der Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump Gegenmassnahmen vor, will aber gesprächsbereit bleiben. «Wir finalisieren bereits das erste Massnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Massnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Rande eines Gipfeltreffens mit Staats- und Regierungschefs zentralasiatischer Staaten in Usbekistan.

Man werde auch genau beobachten, welche indirekten Auswirkungen die Zölle haben könnten. Die EU könne keine globale Überkapazität auffangen und auch kein Dumping auf seinen Märkten akzeptieren.

Zugleich betonte die deutsche Spitzenpolitikerin, es sei noch nicht zu spät für Verhandlungen und appellierte an die US-Seite, sich auf Gespräche einzulassen. Ziel müsse es sein, Handelshemmnisse abzubauen und nicht, sie zu erhöhen.

Zu den Entscheidungen Trumps sagt von der Leyen, die Universalzölle gegen die ganze Welt seien ein schwerer Schlag für die Weltwirtschaft, und es seien immense Folgen zu erwarten:

«Millionen von Menschen werden mit höheren Lebensmittelrechnungen konfrontiert sein. Medikamente werden teurer, ebenso der Transport. Die Inflation wird ansteigen. Und dies schadet vor allem den wirtschaftlich schwächsten Bürgern»

Zudem würden auch grosse wie kleine Unternehmen vom ersten Tag an unter dieser Entscheidung leiden – unter anderem durch grössere Unsicherheit, unterbrochene Lieferketten und aufwendige Bürokratie. Hinzu komme, dass es in dieser Unordnung, keine Ordnung zu geben scheine, sagte von der Leyen. «Es gibt keinen klaren Weg durch die Komplexität und das Chaos, das geschaffen wird, da alle Handelspartner der Vereinigten Staaten betroffen sind.»

Die Bürgerinnen und Bürgern in der EU rief sie dennoch auf, nicht die Zuversicht zu verlieren. Sie wisse, dass viele Menschen von dem ältesten Verbündeten enttäuscht seien, sagte sie. Europa habe aber alles, was es brauche, um diesen Sturm zu überstehen. Man werde zusammenhalten und sich füreinander einsetzen. Mit dem besonders von den Zöllen betroffenen Automobil- und Pharmasektor kündigte sie schnelle Gespräche über mögliche Unterstützung an.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament erwartet schwerwiegende negative Konsequenzen der neuen Zollentscheidungen von US-Präsident Donald Trump. «Diese ungerechtfertigten, illegalen und unverhältnismässigen Massnahmen können nur zu einer weiteren Eskalation und einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale für die USA und die Welt insgesamt führen», sagte der deutsche SPD-Politiker Bernd Lange. Andere Europaparlamentarier äusserten sich ähnlich besorgt.

Kanada

Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte an, die Zölle zu bekämpfen und Gegenmassnahmen zu ergreifen.

Italien

Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat die Einführung weitreichender neuer Zölle durch die USA als «falsche» Massnahme kritisiert. Bereits zuvor hatte die Regierungschefin vor einem möglichen Handelskrieg gewarnt.

Das von US-Präsident Donald Trump verkündete gewaltige Zollpaket, das auch die Europäische Union hart trifft, nütze weder den USA noch Europa, schrieb Meloni in einem Post in den sozialen Medien.

Sie gilt im Kreis der Europäerinnen und Europäer als bevorzugte Ansprechpartnerin Trumps und bot sich bereits mehrfach als Brückenbauerin zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) an.

Grossbritannien

In Grossbritannien wird Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds zufolge angesichts der US-Zölle «ruhig und entschlossen» bleiben, ein Wirtschaftsabkommen mit den USA anzustreben. «Wir haben eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung und werden nicht zögern zu handeln», heisst es in einer Erklärung.

Australien

Auch Australien wird Ministerpräsident Anthony Albanese zufolge auf Vergeltungszölle verzichten. «Wir werden uns nicht an einem Wettlauf nach unten beteiligen, der zu höheren Preisen und langsamerem Wachstum führt», so der Premierminister. «Wir werden weiterhin mit Nachdruck dafür eintreten, dass diese ungerechtfertigten Zölle für unsere Exporteure aufgehoben werden», sagte er. Die von den USA angekündigten Aufschläge seien «nicht die Tat eines Freundes».

Reaktionen aus den USA

Tim Walz, Gouverneur von Minnesota und der Running Mate von Kamala Harris, äusserte sich bei MSNBC folgendermassen zu Trumps Zöllen:

«Es ist, als ob Trump in den 1980er-Jahren stehen geblieben wäre. Seine Musik, seine Kleidung, seine Denkweise. Er hat sich schon immer für Zölle eingesetzt und jeder Wirtschaftsexperte, ob konservativ oder liberal, wird Ihnen sagen, dass sie einfach nicht funktionieren.»​

Die USA setzten Zölle strategisch ein, so Walz weiter, doch Trump verstehe nicht, wie Handel grundsätzlich funktioniere. «Trump hat jedes einzelne Unternehmen, in dem er tätig war, in den Bankrott getrieben. Jetzt ist er dabei, dieses Land in den Bankrott zu treiben.»

Trumps Vizepräsident in seiner ersten Amtszeit, der inzwischen im MAGA-Lager verhasste Mike Pence, wies darauf hin, dass Trumps Zölle amerikanische Familien 3500 Dollar pro Jahr kosten würden.

Auch ein CNBC-Moderator kann es kaum fassen. Nach heute gebe es noch mehr Ungewissheit als zuvor. «Es werden auch Fragen aufkommen, wie die Regierung die Zölle ausgerechnet hat.» Der Moderator spricht von einem «Worst-Case-Szenario».

Robert Reich, Professor für öffentliche Politik an der Universität Berkeley und US-Arbeitsminister unter Bill Clinton, weist auf die Steuererleichterungen hin, die Trump mit seinen Zöllen herbeiführen will.

Von diesen würden primär vermögende Menschen in den USA profitieren. Trumps Zölle seien «eine gigantische Umverteilung von den Armen und der Arbeiterklasse zu den sehr Reichen. Das ist ein Skandal.»

Der bekannte Geschäftsmann Mark Cuban sagt, es sei keine schlechte Idee, sich jetzt in den Supermärkten einzudecken. Die Preise würden bald steigen.