
Wegen Kriegsgefahr und Klima: Frankreich rät zu einem Survival-Kit und bietet Überlebenshilfe
Bereitet sich Frankreich auf den Kriegsfall vor? Das «Sekretariat für Verteidigung und nationale Sicherheit» (SGDSN) dementiert zwar –bestätigt aber zugleich, dass es bis zum Sommer eine «Gebrauchsanweisung zum Überleben» (manuel de survie) in Form einer 20-seitigen Broschüre an alle französischen Haushalte verteilen werde.
Erwähnt werden Ernst- und Notfälle wie Industrie- oder Naturkatastrophen, wozu auch AKW-Unfälle oder Klimastürme gezählt werden. Die Rede ist aber auch von schweren Cyberattacken und «bewaffneten Konflikten».
Der erste Teil des Heftes befasst sich mit konkreten Schutzvorkehrungen, wie etwa dem Notieren wichtiger Telefonnummern in der Familie oder der Nachbarschaft. Empfohlen wird, ein Überlebenskit aus Wasser – sechs Liter pro Person –, Konserven, Batterien, Arzneien, Werkzeug und Dokumenten anzulegen. Der zweite Teil der Broschüre beschreibt das richtige Verhalten bei einem Alarm. Dazu können je nach Art des Ernstfalls Radiohören oder Hausabdichten gehören.

Bild: Clemens Bilan/EPA
Die aktuellste Vorlage für diese Empfehlungen bildete ein schwedisches Heft von Ende 2024. Im Unterschied dazu bemühen sich die französischen Behörden sichtlich, einen Kriegsfall nicht in den Vordergrund zu schieben. In den letzten Wochen hatte die Rechtspopulistin und Putin-Versteherin Marine Le Pen dem Staatspräsidenten Emmanuel Macron vorgeworfen, er wolle den Französinnen und Franzosen «Angst machen».
Macron hatte Anfang Monat in einer TV-Ansprache vor der «russischen Bedrohung» gewarnt und feierlich erklärt: «Das Vaterland braucht Sie und Ihr Engagement.» Verteidigungsminister Sébastien Lecornu konkretisierte, die Armee zähle derzeit 45’000 Reservisten, wolle diese Zahl aber auf 105’000 erhöhen. Die Survival-Broschüre gibt auch Adressen an, wo man sich zum Reservedienst melden kann. Die Zahl der Reserve-Anmeldungen hat in Frankreich allerdings schon vor der Verteilung des Überlebensheftes zugenommen, wie Armeekreise vermelden.
Bürger können ins Militär investieren
Um die höheren Rüstungsausgaben zu decken, hat die Regierung in Paris am Donnerstag bekannt gegeben, dass sie einen Fonds von 450 Millionen Euro schafft, damit interessierte Bürger in die Rüstung investieren können. «Wir müssen uns organisieren, um den Frieden vorzubereiten und zu garantieren», sagte der französische Wirtschaftsminister Eric Lombard.
Die französische Bevölkerung scheint sich bewusst zu sein, dass die Bedrohung heute auch in der Möglichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung besteht. Laut einer Umfrage glauben 76 Prozent der Befragten, dass sich der Ukraine-Krieg über die Landesgrenzen hinaus ausbreiten könnte. 64 Prozent befürchten, dass er Frankreich erreichen würde.
Diese Ängste äussern sich auch darin, dass 86 Prozent der Franzosen die Wiedereinführung des 1996 abgeschafften Militärdienstes wünschen. Macron hat sich diese Woche aus Spargründen gegen die Wiedereinführung ausgesprochen. Er gab aber bekannt, dass er den fakultativen Zivildienst (Service National Universel) und einen obligatorischen «Bürgertag» für Jugendliche von Grund auf reformieren wird.