
Grosse Umfrage zeigt: Die Haltung zum Kampfjet F-35 kippt
Für sechs Milliarden Franken kauft die Schweiz beim amerikanischen Aussenministerium insgesamt 36 Kampfjets des Typs F-35. Rund 700 Millionen Franken hat die Schweiz für erste Leistungen bereits überwiesen. Die USA liefern die ersten Flugzeuge voraussichtlich von 2027 bis 2030. Der F-35 soll die in die Jahre gekommenen F/A-18- und Tiger-Kampfjets der Schweizer Armee schrittweise ersetzen.
Den Grundstein legte das Schweizer Stimmvolk im Herbst 2020. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,1 Prozent Ja-Anteil sprach es sich für den Kauf von neuen Kampfjets aus. Den Ausschlag gaben lediglich 8670 Stimmen.
Seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident und seinem unberechenbaren aussenpolitischen Kurs werden jedoch Stimmen laut, die fordern, die Beschaffung des amerikanischen F-35 zu überdenken – oder gleich ganz vom Kauf zurückzutreten.
Tatsächlich kann die Schweiz den Vertrag gemäss Bundesrat «bis zur Lieferung der Güter jederzeit kündigen». Bereits geleistete Zahlungen müssen die USA jedoch nicht zurückbezahlen.
Wie eine repräsentative Umfrage von watson zeigt, scheint im Vergleich mit der Abstimmung von 2020 ein starkes Umdenken stattgefunden zu haben. Eine deutliche Mehrheit lehnt den Kauf der F-35-Kampfjets unter den aktuellen geopolitischen Umständen ab.

Bild: Aijaz Rahi / AP
Die Umfrage wurde zwischen dem 19. und 23. März in Zusammenarbeit mit dem Sozialforschungsinstitut Demoscope durchgeführt. Teilgenommen haben 13’799 Personen. Die Umfrage ist repräsentativ für die Deutsch- und Westschweiz (mehr zur Methodik am Ende des Artikels).
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Umfrage:
Mehrheit gegen Kauf
Die Auswertung zeigt, dass eine klare Mehrheit den Kauf des Kampfjets F-35 unter den gegebenen Umständen ablehnt. 81 Prozent sind eher oder vollständig dagegen. Vollends dafür ist nur noch eine Minderheit von 13 Prozent.
Zwischen den beiden Sprachregionen zeigt sich nur ein einziger markanter Unterschied: Der Kauf des Kampffliegers stösst in der Westschweiz auf noch mehr Ablehnung als in der Deutschschweiz. Und zwar um ganze sieben Prozentpunkte.
Ebenfalls auffällig: Die Meinungen sind gemacht. Von 13’799 Teilnehmenden haben nur gerade 46 Personen «Weiss nicht» oder «Keine Antwort» ausgewählt.
Aufschlüsselung nach Parteien
Das Festhalten am Kauf des Kampfjets F-35 findet unter den aktuellen Umständen bei Wählerinnen und Wählern aller Parteien keine Mehrheit.
Am höchsten ist die Zustimmung im Lager der FDP: 37 Prozent (eher und ganz dafür) unterstützen die Beschaffung des F-35 nach wie vor. Bei den Wählenden der SVP beträgt die Zustimmung 32 Prozent.
Am stärksten gegen die Beschaffung ist das Lager der Grünen. Satte 97 Prozent lehnen den Kauf eher oder vollständig ab. Bei der Wählerschaft der SP sind es 94 Prozent, bei derjenigen der Grünliberalen 89 Prozent.
Argumente gegen den Kauf des F-35
Die Umfrageteilnehmenden, die den Kauf des F-35 eher oder vollständig ablehnen, konnten gängige Gründe gegen die Beschaffung bewerten. Die stärkste Zustimmung erhielt das Argument, wonach sich die Schweiz sicherheitspolitisch nicht von den USA unter der Führung Trumps abhängig machen dürfe. 98 Prozent der Befragten stimmten eher oder voll und ganz zu.
Dahinter folgen mit jeweils 93 Prozent Zustimmung die beiden Argumente, dass die Schweiz auf einen europäischen Kampfjet setzen sollte und dass andere Länder ihre sicherheitspolitische Abhängigkeit von den USA derzeit ebenfalls überdenken.
Am gleichmässigsten verteilt sind die Haltungen, was den Kaufpreis betrifft. Nur knapp ein Drittel der Gegner eines Kampfjets-Kaufes ist der Meinung, dass die Ausgaben von 6 Milliarden Franken für neue Kampfjets angesichts der derzeitigen Finanzlage des Bundes zu viel sind.
Argumente für den Kauf des F-35
Diejenigen Umfrageteilnehmenden, die sich auch unter den aktuellen Umständen eher oder vollständig für den Kauf des F-35 aussprechen, konnten Pro-Argumente bewerten.
Die stärkste Zustimmung erhielt dabei das Argument, wonach ein Verzicht auf den Kampfjet eine Missachtung des Volkswillens darstellen würde. 69 Prozent der Befragten sprachen sich voll und ganz dafür aus, rechnet man diejenigen Stimmen dazu, die eher dafür sind, beträgt der Wert 87 Prozent.
Gleich dahinter folgt ein Argument, das ebenfalls nicht direkt mit der aktuellen geopolitischen Lage zusammenhängt. Die Haltung, wonach abgeschlossene Verträge einzuhalten sind, kommt auf einen Wert von 91 Prozent Zustimmung (eher und voll und ganz).
Ebenfalls eine hohe Zustimmung geniessen Begründungen, die sich auf die gegenwärtige Finanzlage des Bundes (85 Prozent) und die Wahrung der Schweizer Sicherheit (87 Prozent) abstützen.
Das Argument, dass keine Alternative zum Kampfjet F-35 vorliegt und deswegen am Kauf festzuhalten ist, erreicht als einziges eine Zustimmung von unter 70 Prozent (eher und voll und ganz).
Meinung seit Trump geändert
Wie stark das Verhalten von Donald Trump als US-Präsident Einfluss auf die Ansichten von Individuen nehmen kann, veranschaulicht die folgende Grafik. Über beide Sprachregionen betrachtet, zeigt sich fast jeder zweite Befragte skeptischer gegenüber dem Kauf des F-35 als noch zuvor. In der Westschweiz liegt der Wert mit 35 Prozent Zustimmung deutlich tiefer als derjenige der Deutschschweizer Teilnehmenden (51 Prozent).
Falls Verzicht: wie weiter?
Bis zur Lieferung der ersten Kampfjets kann die Schweiz gemäss Bundesrat vom Vertrag zurücktreten. Bereits erfolgte Zahlungen – aktuell rund 700 Millionen Franken – würden jedoch nicht zurückerstattet. Die Befragten konnten Aussagen bewerten, die ein mögliches weiteres Vorgehen Kampfjets skizzieren.
Am meisten Zustimmung erhielt die Aussage, wonach die Schweiz bei der Luftverteidigung mit Europa kooperieren soll. 88 Prozent der Umfrageteilnehmenden stimmen eher oder voll und ganz zu.
70 Prozent der Befragten stimmen eher oder voll und ganz zu, dass es egal ist, wie es punkto Kampfjets weitergeht, solange mit Donald Trump keine Geschäfte abgeschlossen werden. Auf den gleichen Wert kommt die Aussage, dass die Schweiz anstelle des amerikanischen F-35 einen anderen – europäischen – Kampfjet beschaffen sollte.
Interessant: Die grösste Ablehnung erfährt die Begründung, wonach die Schweiz gar keine neuen Kampfjets benötigt. 60 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage eher oder überhaupt nicht zu. Die Schlussfolgerung ist deutlich: Die Schweiz braucht neue Kampfjets, sollte aber von einem Deal mit den USA absehen.
Schweizer Sicherheitslage
Die Befragten konnten am Ende der Umfrage angeben, wie es in ihren Augen um die Schweizer Sicherheitslage steht, seit Donald Trump seine zweite Amtszeit als US-Präsident angetreten hat.
Eine überwiegende Mehrheit ist der Meinung, dass sich die Sicherheitslage verschlechtert hat. Schweizweit gesehen vertritt fast jeder Dritte die Ansicht, dass sich die Lage sogar stark verschlechtert hat.
Aufgeschlüsselt nach Parteinähe zeigt sich folgendes Bild: Rund ein Drittel der Befragten aus dem Lager der SVP ist der Ansicht, dass sich die Sicherheitslage nicht verändert hat. Bei der FDP beträgt der Wert 21 Prozent. Folglich kommen die beiden Parteien auch bei den Antwortoptionen «verschlechtert» und «stark verschlechtert» auf die tiefsten Werte.
Am negativsten stufen die Wählenden der SP die Schweizer Sicherheitslage ein. 88 Prozent finden, die Lage habe sich (stark) verschlechtert, bei den Grünen sind es 84 Prozent. Aber auch im Lager der GLP und der Mitte beträgt der addierte Wert für diese beiden Antwortmöglichkeiten über 80 Prozent.
Die Umfrage hat watson in Zusammenarbeit mit DemoSCOPE vom 19. bis 23. März 2025 in deutscher und französischer Sprache durchgeführt. Nach erfolgter Datenbereinigung lagen 13’799 auswertbare Interviews vor. Diese wurden mittels Propensity-Score-Gewichtung an eine unverzerrte Grundgesamtheit angepasst, um dem Selbstselektionsbias entgegenzuwirken und aussagekräftigere Resultate zu erzielen.nnZusätzlich wurde eine Gewichtung der Ergebnisse anhand der Wahlbeteiligung vom Oktober 2023 sowie eine Gewichtung anhand der Resultate der Abstimmung über den Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge vom 27. September 2020 vorgenommen. Unter der Annahme einer Zufallsstichprobe beträgt der maximale Fehlerbereich für Prozentangaben +/- 1,1 Prozent. Die Umfrage wurde online auf watson.ch und watson.ch/fr durchgeführt.