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Wenn das Chanson die Roots-Muse küsst

Die Singer/Songwriterin Anna Mae spielt diesen Freitag im Obristof und erzählt emotionsgeladen vom Leben als Wanderung zu sich selbst.

«Ich müsse mich entscheiden, sagen mir zum Teil Musikerkollegen oder Menschen aus dem Publikum. Ich finde: Es geht doch beides.» Anna Mae, Nadja Limacher mit bürgerlichem Namen, war schon seit Jugendzeit vom französischen Chanson fasziniert, nun integriert sie ihn in ihre Musik. Dabei hat sie doch eben erst mit ihrem von American Roots, Country und Folkmusik getränkten Debut-Album «Out of the woods» auf sich aufmerksam gemacht. Musikjournalist Pirmin Bossart attestiert ihr eine kecke, kernige Stimme, der das Country-Phrasing geläufig sei. Unsentimental-emotional schaffe sie mit ihren Eigenkompositionen Atmosphäre, suche das Eigene, bleibe eindringlich.

Konzert im Obristhof

Freitag, 3. Dezember, 20:15 Uhr, Obristof Oftringen (www.obristhof.ch)

Existenzielle Dringlichkeit

Klingt nach einer reifen Songwriterin und Sängerin mit viel Erfahrung. Was auf die 31-jährige Willisauerin auch zutrifft, aber nicht ganz im landläufigen Sinn. Denn ihr wie auch ihren Mitmusikern fehlt derzeit coronabedingt die Resonanz des Publikums. Seit zehn Jahren ist sie als Anna Mae unterwegs und lehnt sich mit ihrem Künstlernamen an Anna Mae Bullock an, die besser bekannt ist als Rock-Ikone Tina Turner. Fünf Jahre ist es nun her, dass sie ihren Büroberuf aufgegeben hat, um sich ganz der Musik zu widmen. «Wie mutig das war, ist mir erst mit der Zeit aufgegangen. Mein Leben ist derzeit ein ständiges Auf und Ab.», erzählt sie. Immerhin hat die Ausstrahlung ihrer Musik gewonnen. Dass sie jetzt wahrgenommener Traum ist, an dem es zerrt und zieht, ist ihrem Songwriting und ihr Singen anzuhören. «Ich habe eine noch intensivere, persönliche Bindung zur Musik», sagt sie. Ihr Traum treibt sie auch in die Welt hinaus. 2018 tourte sie drei Wochen durch die USA und durfte im Anschluss an einem Musikfestival in Toronto drei Showcases bestreiten.

Klein, dafür ganz intim

Was hat sie nun den Publikum am 3. Dezember in Oftringen zu bieten? «Es ist ein persönliches Konzert, solo in einer intimen Atmosphäre. Da sind nur meine Gitarre und ich», relativiert sie die Erwartung an eine grosse Soundkulisse mit Band. «Mit meinen Songs werde ich davon erzählen, was es bedeutet, seiner Herzensstimme zu folgen» betont sie. «Mein Konzert soll Mut machen, eigene Wege zu beschreiten.» Was sie an Material in ihrem Gepäck nach Oftringen mit bringt, ist über lange Zeit gereift. Sie köne keine Songs aus sich herauswerfen. «Viele meiner Lieder trage ich schon Jahre mit mir herum, sie wachsen mit mir mit», hält die Willisauerin fest. Was lange geschliffen und gefeilt wird, hat Substanz, wie dem Album «Out of the woods» zu entnehmen ist. Am Konzertabend kommen jetzt eher ungewohnt Chansons hinzu. Bedeutet für das Publikum in Oftringen kommenden Freitagabend ein Hörabenteuer. Lassen sich American Roots tatsächlich stimmig mit Chansons kombinieren? Hier das weite Land, da der Herzschmerz. Anna Mae, die von sich sagt, als Nadja Limacher sei sie ein eher scheuer, selbstkritischer Mensch, kriegt es für sich selber durchaus hin. Könnte also sehr gut klappen.