
Grosse Bühne für «Volksfürst» Dieter Egli – sogar SVPler loben den Sozialdemokraten
Das älteste Amphitheater der Schweiz in Vindonissa verwandelt sich am Mittwochabend in einen bunten und fröhlichen Festplatz. Zur Zeit der Römer fasste die Arena 11’000 Personen, die hier Gladiatorenkämpfe anschauten. Jetzt sind es gut 230 geladene Gäste und Leute aus der Bevölkerung, die der Einladung von Landammann Dieter Egli und seiner Wohngemeinde Windisch gefolgt sind.
Der SP-Politiker steht seit Anfang 2025 zum ersten Mal der Kantonalregierung vor. Diese grosse Ehre wollte er aber nicht im Januar, sondern im Frühling im Freien feiern. Mehr Wetterglück hätte er nicht haben können. Bei strahlendem Sonnenschein trudeln die Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung sowie Verwandte und Freundinnen auf der Wiese im geschichtsträchtigen Oval ein. Die Windischer Institution Lernwerk kümmert sich um das leibliche Wohl mit Römertopf, verschiedensten Häppchen, einheimischem Bier und Wein aus der Region.
Statt Gladiatorenkampf gibt es unterhaltsame Reden
In einer feierlichen Eröffnungszeremonie kündigt der Legatus, der Legionskommandant, zwar einen Gladiatorenkampf an. Doch die Vindonissa Singers sorgen mit dem Queen-Song Bohemian Rhapsody und weiteren Einlagen für eine angenehmere Art von Unterhaltung. Auch der Legatus stellt später in der szenischen Intervention von Museum Aargau fest, dass er wohl in die Zukunft gerutscht sei und trotz Opfergabe keine Gladiatoren finden könne.
Landammannfeier Dieter Egli 2. April 2025 in Windisch

Bild: Alex Spichale

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Grossratspräsident Markus Gabriel skizziert in seiner Rede getreu seinem Motto «verbinden» einige Parallelen zwischen dem SPler und ihm als SVPler: «Wir beide wohnen immer noch im gleichen Dorf, in dem wir aufgewachsen sind. Wir sind also beständig.» Egli sei ein leidenschaftlicher Laienschauspieler. Gabriel erlebt die Schauspielerein «höchstens als Zuschauer im Theater oder gelegentlich im Grossen Rat». Nach dem Durchstöbern von Eglis Instagram-Account ist der Grossratspräsident ein kleiner Landammann-Fan geworden. Als Geschenk erhält Egli ein Swiss Quiz in der Aargauer Ausführung mit 630 Fragen, damit es ihm nie langweilig wird.
Windischs Gemeindepräsidentin Heidi Ammon erinnert die Anwesenden in ihrem Grusswort daran, dass Dieter Egli seine politische Karriere 1996 mit der Wahl in den Einwohnerrat startete. Aber nicht als SPler, sondern als Juli-Mitglied, einer Partei, die von jungen Windischerinnen und Windischern unabhängig von einer Mutterpartei gegründet worden war, um die Anliegen der Jugend in die Politik einbringen zu können. Die SVP-Politikerin würdigt den Landammann als engagierte Persönlichkeit und ruhigen, guten Zuhörer.
Eglis Vorgänger Markus Dieth sagt: «Wir feiern unseren neuen Aargauer Landammann. Neu-Deutsch und vielleicht schon bald: Regierungspräsident. Alt-Deutsch einfach: Dieter.» Entstanden sei der Name aus den althochdeutschen Begriffen diot (Volk) und heri (Heer), was soviel heisse wie der «mächtige im Volk», «Volksfürst». Nomen est omen, wie die Römer hier in Vindonissa gesagt hätten. Diese lateinische Redensart bedeutet «der Name ist ein Zeichen».
Egli hält Demokratie und Rechtsstaat hoch
Mitte-Regierungsrat Dieth beschreibt seinen Kollegen als einen Mann, der die Nähe zu den Menschen suche. «Du bist ein begnadeter Zuhörer, ein Brückenbauer, ein Politiker mit Herz. Einer, der nicht die Konfrontation, sondern den Konsens sucht.» Man könne auch sagen: ein Dieter. Ein «Fürst für das Volk» eben. Und seit Egli vor vier Jahren das Departement für Volkswirtschaft und Inneres übernommen habe, sei er auch Fürst für die Aargauer Unternehmen.
In Anspielung aufden geplanten Beitritt des Kantons Aargau zur Standortmarketing-Organisationmit englischem Namen sagt Markus Dieth: «Du bist ja auch noch Stadt-Zürcher und lebst heute in der Greater Zurich Area im Aargau, mindestens geografisch.» Der Regierungsrat entsendet Egli als Geschenk in Zürichs fünfte Jahreszeit: das Zürcher Theater Spektakel.
Dieter Egli dankt auch den Vertretungen der Bezirksgemeinden fürs Kommen. Der Landammann betont: «Unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat müssen wir hochhalten.» Gerade jetzt, wo man täglich mit Überheblichkeit und Machtspielen konfrontiert werde.