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«Das war kein Aprilscherz» – so erlebte der Fotograf die Begegnung mit dem Wolf

Ein Aargauer hat am Montagabend einen Wolf in Döttingen gesichtet. Er widerlegt die Gerüchte, dass es sich um eine KI-Fälschung handelt.

Zuerst hielten sie ihn für einen Fuchs. Driton Osmanaj und sein Kollege waren am Montag gegen halb elf Uhr nachts mit dem Auto von Kleindöttingen her Richtung Döttingen unterwegs. Beim Beginn der Autobrücke sahen sie ihn links am Strassenrand stehen.

Sie hielten an, machten Fotos. «Aber das war ein bitzli ein grosser Fuchs!», sagt Osmanaj lachend zwei Tage später gegenüber der AZ. Er rief seinen Bruder an, der als Förster arbeitet. Der bestätigte: Das ist ganz klar ein Wolf.

Osmanajs Fotos wurden später auf den sozialen Medien skeptisch betrachtet. Eins der Fotos ist so scharf, dass es fast wie eine KI-Fälschung aussieht. Heute ist Vieles möglich. Die Leute in der Kommentarspalte dachten, es handle sich um einen Aprilscherz.

«Aber das war kein Aprilscherz!», sagt Osmanaj. Der Wolf sei mehrere Minuten an der Stelle gestanden, nur etwa fünf Meter von Osmanajs Auto entfernt. «Ich hätte mich nicht getraut, auszusteigen. Er hat schon ein bisschen gefährlich ausgesehen mit seinem bösen Blick.» Dann ist er über die Brücke nach Döttingen davon. Ein Freund von Osmanaj habe den Wolf tags darauf beim Lidl gesehen.

Der Wolf liess sich mehrere Minuten Zeit, um sich ablichten zu lassen.
Bilder: Driton Osmanaj




Hat er die verschwundenen Frischlinge gefressen?

Über die Herkunft des Wolfs ist Christian Tesini, dem Spezialist für Waldtiere und Jagd des Kantons Aargau, nichts bekannt. Für Menschen gehe vom Wolf grundsätzlich keine Gefahr aus. Wer ihm begegnet, solle sich andas Merkblatt des Kantons Graubünden für den Umgang mit dem Wolfhalten. Die wichtigsten Punkte:

Ruhig stehen bleiben und versuchen, die Situation zu erfassen. Sobald der Wolf bemerkt, dass Sie ihn entdeckt haben, zieht er sich in der Regel zurück.

Tut er das nicht, bewahren Sie Ruhe und machen Sie mit bestimmter Stimme auf sich aufmerksam und ziehen Sie sich langsam zurück.

Versuchen Sie auf keinen Fall, sich dem Wolf zu nähern.

Verfolgen Sie ihn nicht.

Füttern Sie ihn unter keinen Umständen.

Wölfe können Hunde als Eindringlinge oder Beutetiere betrachten. Halten Sie Ihren Hund unter persönlicher Kontrolle und leinen Sie ihn an.

Wölfe mit auffälligem Verhalten oder geringer Scheu sind umgehend dem Wildhüter zu melden.

Der Kanton hat eine Alarm-SMS an die Nutztierhaltenden verschickt. Sie sollen den Herdenschutz prüfen oder die Tiere nachts in den Stall nehmen. Eine weitere Wolfssichtung gab es im Aargau seither keine. Im Kanton Zürich hingegen meldeten die Behörden am Dienstag eine Sichtung zwischen Flaach und Andelfingen, rund dreissig Kilometer von Döttingen entfernt.

Es drängt sich auch die Frage auf, ob er Wolf etwas mit dem Verschwinden von fünf Wildschweinbabys zu tun hat. Sie sorgten am Klingnauer Stausee für Aufsehen,sind aber seit ein paar Tagen verschwunden. Hat der Wolf sie gefressen? Tesini verneint: «Mit den verwaisten Frischlingen hat der Wolf aus unserer Sicht gar nichts zu tun.»