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Nach unerklärbarem Anstieg: Rückgang von körperlichen Misshandlungen von Kindern

Nach einem deutlichen Anstieg körperlicher Misshandlungen von Kindern 2020 melden Kinderspitäler im zweiten Coronajahr eine Normalisierung der Situation. Fälle psychischer Misshandlungen steigen derweil weiter an.

Konkret haben Kinderspitäler in der Schweiz im vergangenen Jahr bei 492 Patientinnen und Patienten sicher oder mutmasslich eine körperliche Misshandlung festgestellt. Gegenüber 2020 sind das 92 Fälle weniger. Und auch mit Blick auf alle 1608 im letzten Jahr registrierten Fällen von Kindesmissbrauch hat der Anteil körperlicher Misshandlungen im zweiten Coronajahr abgenommen: um 7 Zähler auf einen Anteil von 29,7 Prozent.

Der überraschende, deutliche Anstieg vom Vorjahr ist damit laut einer Mitteilung von Pädiatrie Schweiz vom Donnerstag zwar gebrochen. Zur Ursache äussert sich der Verband in seiner jüngsten Kindesschutzstatistik allerdings nicht. Doch auch schon 2020 konnte der absolute und relative Anstieg der Fälle körperliche Misshandlungen nicht sicher erklärt werden.

Im vergangenen Jahr weiter zugenommen haben dagegen Fälle von psychischer Misshandlung und Vernachlässigung. Laut Pädiatrie Schweiz wurden bei 392 Kindern psychische Misshandlungen festgestellt. Das ist ein Plus von 3,8 Prozent respektive ein Anteil von 23,7 Prozent aller 2021 gemeldeter Missbrauchsfälle.

Keine Rückschlüsse auf Entwicklung möglich

Letztes Jahr sind in der Schweiz überdies 485 Fälle von Vernachlässigung festgestellt worden. Das sind 58 Fälle mehr als im Vorjahr respektive entspricht einem Anteil von 29,3 Prozent (plus 2,4 Prozentpunkte). Die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch stieg derweil von 257 auf 272 leicht an. Ihr Anteil bleibt bei rund 16 Prozent konstant.

Abgesehen vom Anstieg der Fälle von psychischen Misshandlungen scheinen die Schwankungen «zufällig zu sein», schreibt Pädiatrie Schweiz. Die Zahlen erlaubten derzeit darum auch keine Rückschluss auf Entwicklungen.

Opferhilfen spüren den Anstieg

National werden die Daten seit 2013 grossflächig und regelmässig bei 18 Institutionen erhoben – darunter sind alle grossen und mittelgrossen Kinderkliniken sowie kleinere Abteilungen in allen Landesteilen. Diese decken laut den Studienautoren 98 Prozent aller gemeldeten Fälle ab.

Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) gleichentags mitteilt, ist auch die Zahl der Beratungen wegen sexuellen Handlungen mit Kindern, sexueller Nötigung und Vergewaltigung 2021 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 10 Prozent weiter angestiegen. Insgesamt haben die Opferhilfestellen in der Schweiz laut BFS letztes Jahr 44’633 Beratungen durchgeführt. Das sind 3 Prozent mehr als im Vorjahr.

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