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Darum werden Waldstrassen mit dem Laubbläser von Laub befreit – Wald-Aargau-Präsidentin wehrt sich gegen Kritik

Aargauer Grossräte aus mehreren Parteien wollen den Einsatz von Laubbläsern im Wald und in Schutzgebieten begrenzen. Nun kontern die Verantwortlichen von Wald- und Forstwirtschaft: Für den Unterhalt und Werterhalt von Waldstrassen sei Laubblasen unerlässlich, sagen sie.

Der Kanton soll den Einsatz von Laubbläsern in Dekretsgebieten möglichst unterbinden und den Einsatz in anderen Schutzgebieten und im Wald auf einfache, aber wirksame Art begrenzen. Das verlangen die Grossratsmitglieder Martin Brügger (SP/Sprecher), Lutz Fischer-Lamprecht (EVP), Franziska Stenico (Die Mitte), Jonas Fricker (Grüne) und Barbara Portmann-Müller (GLP) in einem neuen Vorstoss. Die Bevölkerung wundere und ärgere sich vermehrt über den übermässigen und unsinnigen Einsatz von Laubbläsern, lautet die Kritik.

Das stösst in der Wald- und Forstwirtschaft auf Unverständnis. Sie wisse um diese Kritik, sie habe sie schon als Frau Vizeammann von Oberentfelden oft von Spaziergängerinnen und Spaziergängern zu hören bekommen, sagt Vreni Friker, Präsidentin von WaldAargau. Es gebe aber gerade in Coronazeiten, wo viele Menschen im Wald spazieren, auch das umgekehrte Phänomen und die Forderung nach «sauberen» Waldstrassen: «Die Anspruchshaltung nimmt deutlich zu.» Doch man setze Laubbläser keinesfalls unnötig ein, und unsinnig schon gar nicht, antwortet sie. Im Einsatz seien diese nur auf Waldstrassen: «Das machen wir, um deren Werterhalt zu sichern. Auf den Waldwegen bleibt das Laub liegen. Es gehört zum Wald, wie die Grossräte sagen.»

Waldwirtschaft: «Laubblasen ist schonender Unterhalt»

Aber fliegen beim Laubblasen nicht auch viel Mergel und Kies weg, weshalb man dann die Strasse früher neu kiesen muss? Mit dem Laubblasen könne man sich viel Unterhaltsarbeit an den Waldstrassen sparen, betonen unisono Theo Kern, Geschäftsführer von WaldAargau, und Martin Blattner, Revierförster des Forstbetriebs Jura (Densbüren, Küttigen, Erlinsbach), bei einem Ortstermin im Wald in Densbüren.

Doch warum soll dies für die Waldstrasse nachhaltiger sein? Man bewirtschafte den Wald möglichst ökologisch, schickt Blattner voraus. Laub, das auf einer Strasse liegen bleibe, verrotte und werde matschig: «Das ist dann ein ideales Keimbett für Gräser und Kräuter. Die Wurzeln durchdringen die Tragschicht. Den Wurzeln entlang findet das Wasser den Weg in den Strassenkörper. Und Laub in den Seitengräben stört die Entwässerung nach einem Gewitter. So wird der Strassenkörper ausgeschwemmt. Die Folge sind beschädigte Waldstrassen, die mit erheblichem Aufwand repariert werden müssen.»

«Wir machen das im Herbst jeweils einmal»

Aber ist es wirklich nötig, mehrfach das Laub wegzublasen, was jeweils Lärm verursacht? In Densbüren mache er das einmal im Jahr, nämlich genau jetzt nach den ersten Frostnächten, sagt Ueli Windisch, Leiter Unterhalt. Denn jetzt liegen die meisten Blätter am Boden. Die bläst er auf dem Traktor in drei Tagen auf rund 60 km Strasse weg. Diese Lösung sei die effizienteste, nickt Theo Kern: «So wird das Laub nur da entfernt, wo es für die Wege unumgänglich ist. Auf schmalen Wegen und Trampelpfaden bleibt es liegen.»

Theo Kern, Geschäftsführer Wald Aargau, Revierförster Martin Blattner, Ueli Windisch, Leiter Unterhalt Densbüren, Vreni Friker, Präsidentin Wald Aargau, und Markus Lüthy, Mitarbeiter Forstbetrieb Jura (von links), vor einem Traktor, der mit einem Laubbläser im Einsatz steht.
Theo Kern, Geschäftsführer Wald Aargau, Revierförster Martin Blattner, Ueli Windisch, Leiter Unterhalt Densbüren, Vreni Friker, Präsidentin Wald Aargau, und Markus Lüthy, Mitarbeiter Forstbetrieb Jura (von links), vor einem Traktor, der mit einem Laubbläser im Einsatz steht.Alex Spichale

Man arbeite seit über 40 Jahren mit motorisierten Laubbläsern, wobei die heutigen Bläser viel effizienter und weniger laut seien als einst. Nach rund 15 Minuten verziehe sich der – unvermeidliche – Lärm in einen anderen Waldteil. In einem Forstrevier von rund 1000 Hektaren beschränke sich das Laubblasen auf wenige Tage pro Jahr, versichert Kern.

Und was machte man, als es noch keine Laubbläser gab, liess man da das Laub nicht liegen? Kern schüttelt den Kopf: «Ich habe selbst noch erlebt, wie auch Bauern mit Rechen und Besen unterwegs waren, um Waldstrassen vom Laub zu befreien. Das war für sie ein willkommener Zustupf. Aber das könnte man heute nicht mehr bezahlen.»

Wo viele Velos unterwegs sind, wird öfter Laub weggeblasen

Und doch werden Laubbläser öfter beobachtet. Ja, lautet die Antwort, es gebe vielerorts auch Wege, die rege von Velofahrern genützt würden. Da werde das Laub aus Sicherheitsgründen, um Unfälle auf nassen Blättern zu vermeiden, auch zwei- oder auch dreimal weggeblasen.

Kern schliesst nicht aus, dass der Einsatz nicht überall so moderat sei wie in Densbüren. Sollten einzelne Städte oder Gemeinden beim Laubblasen überborden, so sei das ein lokales Problem, sagt er. «Und lokale Probleme löst man lokal.» Da solle man mit den Verantwortlichen vor Ort das Gespräch suchen, empfiehlt er. Oder in einem nächsten Schritt das Anliegen im Einwohnerrat oder an der Gemeindeversammlung ansprechen.

Wer bezahlt eigentlich diesen Unterhalt?

Das Laubblasen sei Teil des Strassenunterhalts, sagt Theo Kern. Dafür sind die Strasseneigentümer zuständig. Bei Waldstrassen seien das in der Regel die Ortsbürgergemeinden. Da das Waldstrassennetz der Naherholung dient, beteiligten sich oft die Einwohnergemeinden finanziell daran. Kern: «Der Strasseneigentümer bestimmt die Intensität des Laubblasens auf seinen Strassen. Er macht dies auch abhängig vom Bedürfnis der lokalen Bevölkerung.»

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