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Ernüchterndes Resultat nach klarem Chancenplus: Aarau und Wil trennen sich 2:2

Die Wiler holen gegen den FC Aarau zweimal einen Rückstand auf, obwohl sie über weite Strecken unterlegen waren. Die Gäste gingen phasenweise einmal mehr fahrlässig um mit ihren Chancen.

Als der FC Aarau letztmals an ein Auswärtsspiel gegen den FC Wil fuhr, endete die Reise im Desaster: Erst steckte der Car im Stau fest, danach kamen die Gäste im Bergholz-Stadion unter die Räder. Zur Pause lag Aarau 0:5 hinten, am Schluss stand es 0:7. Die höchste Niederlage seit 39 (!) Jahren.

Sieben Monate später musste der FC Aarau erstmals seit dem historischen Debakel wieder in der Ostschweiz antreten. Dabei wurde die Partie zum doppelten Charaktertest: Nicht nur das 0:7 aus der Vorsaison musste die Mannschaft gutmachen, sondern auch eine Reaktion auf den enttäuschenden Auftritt am vergangenen Wochenende in Schaffhausen zeigen. Letzteres gelang: Aarau zeigte kämpferisch die geforderte Einstellung, resultatmässig wurde die Equipe von Trainer Stephan Keller aber unter anderem wegen eines sehr umstrittenen Penaltys für die Wiler um den Lohn gebracht.

«Diesen Punkt nehmen wir gerne», freut sich Wil-Stürmer Silvio im Platzinterview direkt nach Schlusspfiff. Der Brasilianer hätte auch sagen, es sei ein sehr schmeichelhaftes Unentschieden aus Sicht der Gastgeber. Bei der letztlich spielentscheidenden Szene ist Silvio mittendrin: Es läuft die 80. Minute, als er mit dem Ball am Fuss in den FCA-Strafraum drängt und es zum Zweikampf mit Leon Bergsma kommt. Der Holländer in Aarauer Diensten spitzelt den Ball weg, ehe Silvio zu Boden fällt – und Schiedsrichter Thies zum Entsetzen Bergsmas und seinen Teamkollegen auf den Penaltypunkt zeigt. Die TV-Bilder bestätigen den ersten Eindruck: Das war kein Penalty. Zu allem Übel kommt dazu: Vor dem Duell soll Silvio gemäss Bergsma den Ball mit der Hand mitgenommen haben. Der Ärger beim Innenverteidiger ist riesig: «Wir haben hier in Wil die geforderte Reaktion in kämpferischer Hinsicht gezeigt, in Schaffhausen war das in dieser Hinsicht gar nichts. Wir hatten mehr Chancen als die Wiler. Schade, dass es dann so endet.»

Einige gute Möglichkeiten vergeben

Zu Beginn der Partie tasten sich die beiden Mannschaften ab bis zum ersten Aufreger nach einer Viertelstunde: FCA-Offensivspieler Randy Schneider trifft mit einem ansatzlosen Schuss von der Strafraumgrenze die Latte. Die Szene steht am Anfang eines wahren Chancenfestivals bis zur Halbzeitpause: Danach sieht Wils Dickenmann seinen Weitschuss knapp am Tor vorbeischrammen, ehe auf der anderen Seite Rrudhani und Spadanuda eine Doppelchance vergeben. Das Pendel schlägt nun endgültig auf die Aarauer Seite aus. Spadanuda und Schneider vergeben weitere gute Möglichkeiten, scheitern aber am gut aufgelegten Wil-Schlussmann Marvin Keller.

In der 40. Minute werden die Aarauer zudem um einen Handspenalty gebracht. Sauter befördert den Ball im Strafraum deutlich mit dem Ellbogen weg aus der Gefahrenzone. Trotzdem fällt kurz dem Pausenpfiff das verdiente 1:0 für die Gäste nach einem Eckball durch Njie: Der Liberianer zieht aus gut 11 Metern volley ab und erzielt sein erstes Tor im FCA-Trikot.

Es bleibt alles offen

Kurz nach der Pause ein erster Wermutstropfen für Aarau: Verteidiger Thaler muss mit einer Muskelverletzung runter, für ihn kommt Hasani. In der 63. Minute kann sich Wil für einmal vor den Gäste-Strafraum spielen und trifft prompt zum 1:1. Es ist Geburtstagskind Zumberi, der ungedeckt am Strafraum zum Schuss kommt und flach ins Eck trifft.
Stark danach die Reaktion der überlegenen Aarauer: Spadanuda wird von Kronig herrlich in die Tiefe geschickt. Der Topskorer schüttelt seinen Gegenspieler locker ab und schiebt überlegt ins weite Eck. 2:1 – wieder führt Aarau – reicht das nun zum Sieg? Nein: Es folgt besagte Penalty-Szene und der 2:2-Ausgleich für die Wiler.

Dank des Punktgewinns macht Aarau einen Zähler gut auf Leader Winterthur und kann mit einem Sieg im Direktduell am kommenden Freitag zu den Zürchern aufschliessen. Schon verrückt – und das nur wenige Tage nach dem 0:2 in Schaffhausen, einem gefühlten Tiefpunkt der vergangenen Monate. Grund sind die engen Punkteabstände in der Challenge League: Den Tabellenersten und den Neunten trennen gerade mal acht Punkte.

Wil – Aarau 2:2 (0:1)

Bergholz. – 760 Zuschauer. – SR: Thies. – Tore: 45. Njie (Rrudhani) 0:1. 63. Zumberi 1:1. 70. Spadanuda (Kronig) 1:2. 80. Fazliu 2:2 (Foulpenalty).

Wil: Keller; Dickenmann (57. Frei), Izmirlioglu, Sauter, Brahimi; Muntwiler; Bahloul (71. Reichmuth), Fazliu, Zumberi (71. Ndau), Lukembila; Silvio.

Aarau: Enzler; Thaler (51. Hasani), Bunjaku, Bergsma; Giger, Jäckle, Schneider (62. Balaj), Njie (89. Schwegler), Kronig; Spadanuda, (89. Almeida) Rrudhani.

Bemerkungen: Wil ohne Abazi (krank), Daniel, De Mol, Ismaili, Krunic, Malinowski (alle verletzt). Aarau ohne Thiesson (verletzt). – 16. Lattenschuss Schneider. – Verwarnungen: 55. Silvio, 80. Bergsma, 92. Muntwiler (alle Foul).

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