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Die bescheidene Gestalterin: Elisabeth Burgener (SP) wird heute neue Grossratspräsidentin

Die Vorfreude auf das Amt ist der 60-jährigen Fricktalerin anzuhören. Im Gespräch erzählt Elisabeth Burgener, welche Konsequenzen der Posten als höchste Aargauerin für sie mit sich bringt und wie sie Job, Familie und Amt unter einen Hut bringen will.

Die Vorfreude ist ihr anzuhören: Am 11. Januar, an der ersten Grossratssitzung im neuen Jahr, wird Elisabeth Burgener (60) zur Grossratspräsidentin gewählt – und ist somit für ein Jahr die höchste Aargauerin. «Wenn ich denn gewählt werde», schiebt sie beim Gespräch am Telefon nach.

Das ist natürlich reine Formsache, zeigt aber doch eine Charaktereigenschaft von Burgener auf: Die SP-Politikerin weiss, was sie will, bleibt aber bei allem, was sie tut, doch auch bescheiden. Sie sieht die Politik als das an, was sie auch sein sollte: ein Dienst an der Bevölkerung.

Burgener ist vom Typ her ein Mensch, der das, was er macht, gründlich machen will. Entsprechend hat sich die Gipf-Oberfrickerin im Vorfeld gut überlegt, ob sie diese letzte und zugleich grösste politische Herausforderung in ihrem Leben annehmen will. «Denn das Amt zieht viele Konsequenzen nach sich», sagt Burgener

Familie, Job und Amt unter einen Hut bringen

Diese sind vor allem zeitlicher Natur. Ihr war es wichtig, sicherzustellen, dass sie alles – also Familie, Job und Amt – unter einen Hut bringen kann. In der Familie konnte sie auf vollste Unterstützung zählen, im Job auf einen Arbeitgeber, der viel Verständnis hat und ihr es auch ermöglichte, etwas zurückzufahren. «Sobald das klar war, sagte ich zu.»

Und diesen Entscheid hat sie keine Sekunde bereut. Sie wirkt nun bereits fast zwei Jahre als ­Vizepräsidentin. «Es gefällt mir ausgezeichnet», sagt sie und schmunzelt. «Ich hatte aber auch zwei ausgezeichnete Lehrmeister.» Das war 2020 Edith Saner (Die Mitte) und das war im vergangenen Jahr Pascal Furer (SVP).

Politisch liegen Burgener und Furer zwar meilenweit auseinander. «Doch menschlich verstehen wir uns sehr gut.» Sie könne viel von ihm lernen und sie sei froh, dass sie Furer wie auch Saner jederzeit fragen könne, wenn sie irgendwo anstehe. Was sie besonders schätzt: Beide freuen sich für Burgener, dass sie dieses Amt im nächsten Jahr ausüben darf – sie wissen aus eigener Erfahrung, wie bereichernd dies ist. Sie sagt:

«Dieses Wohlwollen zu spüren, ist wunderschön und gibt mir auch das Gefühl: Du kannst es.»

Daran zweifelt niemand, der Elisabeth Burgener kennt.

Feier mit der Bevölkerung nach der Gmeind im Juni

Auf dieses «Riesenprivileg», wie es Burgener nennt, bereitet sie sich seit August minutiös vor. Eine Wahlfeier am 11. Januar war ursprünglich geplant, ist aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung aber nicht möglich. «Dafür wird die Wahl selber im Grossratsgebäude etwas feierlicher ablaufen als sonst, allerdings auch ohne Apéro danach», sagt sie.

Weil die geplante Wahlfeier in Gipf-Oberfrick am Dienstag nicht stattfinden kann, plant Burgener einen Anlass für die Bevölkerung am 17. Juni. Dies im Umfeld der Gemeindeversammlung und mit Besuch von Landammann Alex Hürzeler – auch der höchste Regierungsrat ist dieses Jahr ein Fricktaler. Eine solche Feier im Juni sei in der aktuellen Coronalage sicherer, dann könne man den Anlass auch draussen machen.

Auch das passt gut zu Burgener: Sie gibt gerne. Und: Sie ist gerne unter Menschen. Dieser Kontakt zu den Menschen ist ihr auch für ihr Präsidialjahr wichtig. Sie möchte dem Amt auch ihren Stempel aufdrücken, also zeigen: Wo Burgener drauf steht, ist auch Burgener drin. «Und natürlich ist mir wichtig, die Sitzungen effizient und gut zu leiten.»

«Es ist wie ein Wahlkampf – einfach ohne Kampf»

Die Vorarbeiten dazu laufen. Die Jahresplanung wird ausgerollt, die Geschäfte der Sitzungen geplant. Eine Stütze ist Burgener hier auch Rahel Ommerli, Leiterin des Parlamentsdienstes. Burgener schmunzelt. «Ich komme mir aktuell vor wie eine Eventmanagerin.» Sie empfindet es als «total spannend», sich in die Strukturen und Abläufe einzudenken. «Das ermöglicht mir einen vertieften Blick nach innen.» Burgener überlegt kurz, fügt dann hinzu:

«Es ist aktuell wie ein Wahlkampf – einfach ohne Kampf.»

Was sie damit meint: Die Intensität, man könnte auch sagen: der Takt ist gleich hoch wie in einem Wahlkampf, nur ist es einer, der ihr unheimlich Spass macht – und der schon gewonnen ist. Für sie – und für die Aargauerinnen und Aargauer.

Es sind viele kleine Puzzlestücke, die sich im Laufe des Jahres zu einem Ganzen zusammenfügen werden. Entsprechend möchte sich Burgener auch (noch) nicht auf einen Begriff für ihr Präsidialjahr festlegen. Pascal Furer wählte das Motto «Zum Wohl!». Edith Saner stellte ihr Präsidialjahr unter den Gedanken «Vielfalt Aargau».

«Mir ist beides sehr wichtig», sagt Burgener. Vor allem möchte sie Freude am Amt haben und einen «guten Job machen», sodass am Schluss des Jahres alle sagen können: Burgener hat das gut gemacht.

Das wird so sein.

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